Hessen: LJV kritisiert zu Beginn der Jagdsaison Einschränkungen der Fuchsjagd

Im zweiten Jahr nach dem Inkrafttreten der neuen hessischen Jagdverordnung und der eingeführten Schonzeit für den Fuchs (vom 01.03.-14.08.) zeigt sich die Jägerschaft besorgt um das Niederwild, so der LJV Hessen in einer aktuellen Pressemitteilung. Denn während der Sommermonate darf der Fuchs nicht bejagt werden. Doch gerade in dieser Zeit ziehen viele bodenbrütenden Arten wie Rebhuhn, Kiebitz und Feldlerche aber auch Junghasen und Feldhamster ihren Nachwuchs groß. „Die hessischen Jägerinnen und Jäger können ihren gesetzlichen Hegeauftrag nicht mehr erfüllen, da uns durch die Jagdverordnung die Hände gebunden sind und wir den Jungfuchs erst ab dem 15. August bejagen dürfen“, sagt Prof. Dr. Jürgen Ellenberger, Präsident des Landesjagdverbandes Hessen.

Auch die jährliche Streckenstatistik zeigt einen drastischen Rückgang der erlegten Füchse: Im Jagdjahr 2015/2016 konnten noch 38.024 Füchse erlegt werden. Nach der Einführung der Schonzeit im Jagdjahr 2016/2017 brach die jährliche Strecke auf nur noch 26.815 Füchse zusammen, ein Rückgang von knapp 30 %. Dieser niedrige Wert bestätige sich auch im darauffolgenden Jahr 2017/2018 (26.960). „Diese Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache und sind der Beleg für eine Verordnung, die auf grünen Ideologien statt auf Fakten aufgebaut ist“, so Ellenberger weiter.

Der Fuchs zählt als Kulturfolger zu den Gewinnern in der Feldflur. Er hat keine natürlichen Feinde und kann sich daher uneingeschränkt vermehren. In einigen Gebieten Hessens wie z. B. in der Wetterau, ist deshalb die Räude wieder auf dem Vormarsch. Die Tollwut gilt seit 2006 in Deutschland als ausgerottet. Ellenberger: „Es ist enorm wichtig, frühzeitig in den Fuchsbestand einzugreifen, und insbesondere die Jungtiere scharf zu bejagen. Denn nur in den Monaten Mai und Juni lassen sich die Jungfüchse effektiv bejagen. Ab Ende Juni werden sie flügge, verlassen den elterlichen Bau und suchen sich neue Reviere.“

„Jungfüchse zu bejagen, ist kein Vergnügen, aber angesichts der Fleischmengen von 300 bis 500 Gramm, die ein Fuchs täglich zu sich nimmt, brauchen gerade die Bodenbrüter in den ausgeräumten Feldern eine spürbare und frühe Entlastung vor dem hungrigen Raubwild. Deshalb ist für uns Jäger auch der Fang mit zertifizierten und tierschutzgerechten Fallen ein höchst effektives Mittel“, so Andreas Mohr vom Rebhuhn-Hegering Wetterau. Er hat für die Flächen des Hegerings eine Schonzeitaufhebung durchsetzen können.

„Diese Schonzeitaufhebung brauchen wir auf der gesamten Fläche von Hessen“, so Jürgen Ellenberger.

Auch die wissenschaftlich erhobenen Monitoringdaten langjähriger Projekte wie die des Wiesenvogelschutzes auf den Schutzgebietsflächen des Bremer Blocklandes belegen heute eindeutig, wie wichtig ein Prädatorenmanagement für bodenbrütende Vogelarten neben den Maßnahmen der Lebensraumverbesserung ist: „Seit wir im Jahr 2014 mit der verstärkten Bejagung von Haarraubwild begonnen haben, haben die Bestände von Kiebitz, Uferschnepfe, Großer Brachvogel und Bekassine merklich zugenommen. Beobachtungen haben gezeigt, dass sich insbesondere die Füchse im Blockland auf Bodenbrüter spezialisiert haben. Systematisch suchen sie in den Frühjahrs- und Sommermonaten auf Weide- und Wiesenflächen nach Gelegen und Jungvögeln“, berichtet Marcus Henke, Vizepräsident der Landesjägerschaft Bremen.

Der Landesjagdverband Hessen hat die rund 24.000 hessischen Jägerinnen und Jäger mit ihren Familien und Freunden (ein Wählerpotential von mindestens 150.000 Stimmen) aufgerufen, alle Kandidaten, die sich am 28. Oktober zur Landtagswahl stellen, mit den Fragen zur Jagdverordnung und den unsinnigen Schonzeiten zu konfrontieren und stellt dafür auf der Homepage Wahlprüfsteine bereit. „Wir erwarten von einer künftigen Regierungskoalition die sofortige Aufhebung der Schonzeiten für Waschbär und Fuchs. „So darf es für das Niederwild in Hessen nicht weitergehen. Die Politik muss endlich Fakten akzeptieren und darf sich nicht länger von Ideologien leiten lassen“, so Ellenberger abschließend. PM

Beitragsbild: Fuchs mit Beute Quelle: Rolfes/DJV

8 Gedanken zu „Hessen: LJV kritisiert zu Beginn der Jagdsaison Einschränkungen der Fuchsjagd

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Es ist kaum noch zu ertragen, wie Ökofantasten mit ihrer Ideologie den Verliererarten der Kulturlandschaft zusetzen. Auf “verbeißendes” Schalenwild und Schwarzwild kann die Jagd gar nicht rabiat genug ausgeübt werden. Am besten diese Arten mit Stumpf und Stiel ausrotten, damit der Deutsche Wald nicht untergeht und Wildschäden und Seuchengefahr reduziert werden. Beutegreife aber in Watte einpacken, da sich ja alles von alleine reguliert. Diese Spinner!!!
    Auch nach noch so scharfer Jagd kann die Reproduktion einer Art nur so weit gesteigert werden, dass die Habitatkapazität voll ausgeschöpft wird. Mehr nicht. Der Wolf hätte doch eigentlich nie ausgerottet werden können, so scharf wurde er bejagt.
    Aber, jedes Volk hat ja bekanntlich die Regierung, die es verdient. Schade ist nur, dass die höchste Qualifikation für ein Ministeramt anscheinend darin besteht, möglichst wenig Ahnung vom eigenen Ressort zu haben. So hat die eine oder andere Landwirtschaftsministerin in unserem Lande die erste Kuh beim morgendlichen Blick in den Spiegel gesehen!

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  2. Ronbi

    Wie wäre es die Kulturlandschaft zu verbessern.
    Heckenstreifen entlang von Feldern und Wegen.
    Gesetzlich verordnete Brachflächen, mit Finanzausgleich.
    Einstellen des ab Mitte Juni beginnenden Mulchwettbewerbs der Grünstreifen entlang von Feld-,Wirtschafts- und besonders Waldwegen.
    Keine abgehackten Waldränder mehr, sondern mit Busch und Baum auslaufende.
    usw, usw, usw
    Das freut Hase, Rebhuhn und Fuchs. Und die vielen Insekten.
    Frage, was sind Raupenfliegen/Tachinide und wozu sind sie gut?

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  3. Ronbi

    Nachtrag;
    Als ich vor gut 40Jahren von der Unität, auf einem Feldsträßchen 47er Ordnung auf dem Nachhauseweg war, begegneten mir oft Rehe, Feldhasen und sogar einige, wenige Rebhühner.
    Die Unität hat ein neues Großklinikum bekommen, weitere Spezialkliniken sind dazu gekommen. Es entstanden mehrere Industrieparks mit diversen Forschungseinrichtungen. Eine Osttangente kam dazu und eine Straßenbahn.
    Die Rebhühner sind gegangen, auch die Hasen und Rehe, geblieben ist der Fuchs. Der ernährt sich und seine Jungen, wie vor 40 Jahren mit allen Arten von Mäusen. Abgesehen davon Feldhamster gab es bereits vor 40 Jahren keine mehr.

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    1. jochen

      Post Scriptum:
      Die Aussage als Allgemeingut, taugt leider überhaupt gar nichts. Das war vielleicht bei Ihnen so, bei uns gab es damals aber noch massenhaft Feldhamster. Da wurden die Baue geflutet und dann die Hamster erschlagen. Auch Rebhühner gab es nicht nur ein paar wenige, sondern praktisch überall.Die wurden dann in den 80érn weniger und verschwanden dann in den 90érn ganz. Rehe hingegen gab es aber nur im Wald, nie im Feld. So war das jedenfalls bei uns in den 70érn.
      Heute gibt es viele Feldrehe, im Frühling viele Hasen, im Herbst ist davon aber nicht mehr viel zu sehen, Fasane auf niedrigem Niveau und immer mehr Gänse. Sehr viele Kaninchen, wenn sie nicht gerade von einer Seuche dahin gerafft werden und massenhaft Raubwild und Raubzeug.

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  4. Edelmann

    Ich befürchte, wenn man Füchse stark dezimiert, dann vermehren sich die Mäuse.
    Das hat 2 Folgen:
    – Hantaviren nehmen zu
    – Landwirte setzen großflächig Mäusegift ein.

    Hamster, Rebhühner, Lerchen und Feldrehe kenne ich aus meiner Jugend.
    Damals gab es im Ort 50 landwirtschaftliche Betriebe mit einer entsprechend abwechslungsreichen Fruchtfolge.
    Irgendwo war immer ein Pflanzenbestand und es gab stets Kulturen, die bewässert wurden.
    Heute gibt es nur noch 5 Betriebe und überwiegend Maismonokultur.
    Und der Fuchs soll nun der Schuldige sein, wenn kein Niederwild mehr hoch kommt?

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    1. Grimbart

      Nein, nicht nur der Fuchs ist dafür verantwortlich. Am Wetter, der Fruchtfolge, dem Wegebau etc. können wir nichts ändern. Die einzige Stellschraube an der wir drehen können, um dem Niederwild und anderen gefährdeten Arten zu helfen, ist das Prädatorenmanagment.

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    2. jochen

      Feldrehe sind eigentlich ein relativ neues Phänomen, jedenfalls in dieser Größenordnung. DER Fuchs ist natürlich nicht der einzige Grund, warum heute kein Niederwild mehr hochkommt. Aber man kann sich ja mal die “goldenen Jahre” der Niederwildjagd, die 70ér Jahre, anschauen. Was gab es damals für Faktoren? Fuchsbaubegasung wegen Tollwutgefahr. Dem sind natürlich auch Dachs, Iltis und co. zum Opfer gefallen. Massive Fangjagd, weil es für die Pelze noch echtes Geld gab. Krähenvögel wurden die Nester ausgeschossen und mit Gifteiern zugesetzt. Die Greifvögel waren noch stark wegen den DDT Eiern dezimiert. Der Feldhamster als Nahrung für Raubwild, hat dem Niederwild zusätzlich Luft verschafft. Wildschweine waren deutlich seltener als heute und kommen heute auch an Orten vor, wo man früher nie welche gesehen hatte. Da wo die jetzt im Schilf stecken, wird man keine Fasane mehr finden.
      Das sind nur die Prädatoren Faktoren! Jetzt noch die Umweltfaktoren dazu rechnen, dann bekommt man langsam eine Idee davon, warum das mit dem Niederwild nichts mehr wird.
      Bei uns werden im Jahr ca. 60 Füchse geschossen, auf den Bestand hat das allerdings keinerlei Auswirkungen. Also die Mäuseinvasion sehe ich jetzt noch nicht wirklich vor mir.

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  5. Grimbart

    Nachtrag: Biotopverbesserungen sind natürlich auch hilfreich, nur braucht es dafür die Mitarbeit der Landwirte und die ist nun mal leider nicht immer gegeben.

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