Hessen: Landesjägertag 2018 in Fulda – Dissens um Prädatorenbejagung

Im Jahr der Landtagswahl in Hessen sorgten die Themen Jagdverordnung, Schonzeitaufhebung für Prädatoren sowie die Unterstützung bei der ASP-Prävention für reichlich Zündstoff auf dem Landesjägertag. Erfreulich: Für die Grünbrücke an der A45 gäbe es „grünes Licht“ vom Verkehrsminister.

Im Festsaal des Maritim-Hotels begrüßte LJV-Präsident Prof. Dr. Jürgen Ellenberger den Oberbürgermeister der Stadt Fulda, Dr. Heiko Wingenfeld, die hessische Umweltministerin Priska Hinz, weitere Ehrengäste, sowie alle Jägerinnen und Jäger, die aus ganz Hessen angereist waren. Stellvertretend für alle Unterstützer aus der Jäger- und Gebrauchshundevereinigung Rhön-Vogelsberg e. V. dankte der LJV-Präsident Dr. Rudolf Leinweber für die Ausrichtung der großen jährlichen Hauptversammlung.

Staatsministerin Priska Hinz dankte den Jägerinnen und Jägern für ihre zahlreichen ehrenamtlichen Aktivitäten zur Erhaltung der Biodiversität. „Die ersten Projekte für die Leitarten der Feldflur sind gestartet und ich freue mich, dass wir in diesem Feld so produktiv zusammenarbeiten“, so Ministerin Hinz. Gewinner von solchen Projekten sei sicherlich auch der Feldhase, der nach den Ergebnissen der letzten Zählungen nachhaltig bejagt werden kann.

Ministerin Hinz hatte sich nach dem Gespräch im LJV-Präsidium vor wenigen Wochen mit Verkehrsminister Tarek Al-Wazir verständigt. „Das Problem scheint erledigt. Hessen Mobil ist dran an der Planung, es wird eine Grünbrücke geben, wahrscheinlich jenseits der Landesgrenze NRW.“

Absage zur Schonzeitaufhebung für Waschbären

Hinz: „Wenn Waschbären Ranz- und Wurfzeit haben, sollen sie von der Bejagung verschont bleiben“, das sei gute Jagdethik. Noch vor der Sommerpause sollen die Managementpläne beschlossen sein. Für die Wetterau und die Rhön seien die Ausnahmeregelungen der Schonzeit wieder auf dem Weg. Allerdings würden diese ab diesem Jahr artenschutzrechtlich mit einem Monitoring begleitet, um zu sehen, ob sich die gewünschten Ergebnisse tatsächlich bestätigen.

7.600 Stück Rotwild sind neuer Höchststand

Dafür dankte Hinz den Jägerinnen und Jägern ausdrücklich. Die Rotwildstrecke habe sich seit dem Jahr 2000/2001 um den Faktor 2,4 mehr als verdoppelt. Diese Ergebnisse erklärten auch die Entwicklung frischer Schälschäden, die besorgniserregend hoch seien. Daher sei eine weitere deutliche Reduktion der Rotwildbestände notwendig

Dauerthema ASP:

Seit April 2018 sind erste ASP-Fälle aus Ungarn bekannt und Hinz betonte, dass wir durchaus irgendwann mit einem Befund bei uns rechnen können. Nach wie vor gelte es, die Wildschweinpopulation in ganz Deutschland abzusenken. Auf der Strecke im vergangenen Jagdjahr lagen 96.000 Stück Schwarzwild, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um rund 30 Prozent.

LJV-Präsident begrüßt Engagement im Offenland

Der LJV-Präsident begrüßte das Engagement des grün geführten Umweltministeriums im Offenland, stellte jedoch klar: »Der LJV Hessen, vor allem auch Vizepräsident Dr. Klaus Bretschneider-Herrmann sind die Ideengeber und die Motoren der Offenlandinitiativen und das nicht erst seit gestern. …Maßnahmen zur Förderung wurden von uns schon seit Jahren eingefordert und praktiziert“.

Großen Applaus erhielt LJV-Präsident Ellenberger für die Forderung, dass zum Artenschutz auch eine intensive Prädatorenbejagung gehöre: „Wer das Rebhuhn retten will, darf dem Fuchs im Sommer keine Schonzeit gönnen. Wer Artenschutz fördern will, muss dafür sorgen, dass der Waschbär ganzjährig bejagbar ist.“

Lebensraumverbesserungen für Rotwild nötig

„Die Politik muss dafür sorgen, dass der Bevölkerungsdruck auf den Wald abnimmt. Es nützt nichts, Äsungsflächen anzulegen, wenn das Rotwild wegen Mountainbikern, Geo-Cachern oder sonstigen Naturfreunden nicht aus den Dickungen heraustritt – dann schält es eben. Das ist sein natürliches Verhalten, dafür kann es nichts.“

Bau der Grünbrücke auf Forderung des LJV

Auf die Ankündigung zum Bau der Grünbrücke an der A45 bei Haiger/Burbach zeigte sich der LJV-Präsident sehr erfreut. Durch die Erkenntnisse des LJV-Naturschutzreferenten Rolf-Walter Becker seien die Fernwechsel des Rotwildes bekannt. Genau dort müssten Grünbrücken platziert werden.

ASP: LJV sieht große Bedrohung

Die Jägerschaft habe im vergangenen Jagdjahr knapp 100.000 Wildschweine erlegt, dies verdiene Anerkennung. Eine weitere Bestandsreduzierung und insbesondere ein intensiver Eingriff in die Frischlingsklasse seien dafür unerlässlich. Allerdings dürften die Bemühungen der Jägerschaft nicht durch hohe Trichinengebühren behindert werden. Weiterhin forderte der LJV-Präsident Vermarktungshilfen für Frischlinge unter 20 Kilogramm, die schwer zu verkaufen seien. Hier müsse das Land den Jägern Hilfe anbieten, ein Aufkaufprogramm starten oder wie in Mecklenburg-Vorpommern Prämien ausloben.

Aufruf zur Landtagswahl:

Von einer möglichen neuen Koalition wünscht sich der LJV-Präsident den Satz: ‚Wir erkennen die Jagd als nachhaltige Nutzungsform an und wollen sie weiterhin stärken‘, so wie dieser auch im Vertrag der großen Koalition zwischen CDU, CSU und SPD in Berlin verankert ist.
Er schließt mit den Worten: »Setzen wir uns ein für die Jagd als gelebtes Kulturerbe, als aktiven Umwelt-, Arten- und Naturschutz. Waidmannsheil!« PM LJV Hessen

Beitragsbild: Hauptversammlung beim Landesjägertag Hessen 2018 in Fulda. Foto: Markus Stifter, LJV Pressesprecher

Ein Gedanke zu „Hessen: Landesjägertag 2018 in Fulda – Dissens um Prädatorenbejagung

  1. Kr.-Itisch

    Frau Hinz macht Klientelpolitik, nichts anderes. Fachleute, selbst aus der Naturschutz-Ecke (NABU etc.) , wissen es mittlerweile besser. Warum sollte die Jungfuchs oder -bärenbejagung nicht ganzjährig möglich sein? DerRückschluss läßt nur zu, dass sie die Jägerschaft für zu blöd hält, den Unterschied zwischen Jung- und Alttieren zu erkennen. Auch EU-Vorgaben scheint sie nicht wirklich zu interessieren. Schade nur, dass die CDU nichts dagegen unternimmt. Wir haben jedenfalls mangels Möglichkeiten der vernünftigen Prädatorenbejagung die Niederwildhege weitestgehend eingestellt.

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