Hessen: Jäger beantragen Schonzeitaufhebung für Waschbär

Die Jägervereinigung Oberhessen ist der Meinung, dass Hessen die “schlechtesten Jagdzeiten in Deutschland” hat. Zumindest in einem Fall wollen die Jäger dagegen jetzt etwas unternehmen: Der 1. Vorsitzender der oberhessischen Jäger, Helmut Nickel, fordert in einem Schreiben an das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) die sofortige Aufhebung der Schonzeit für Waschbären.

Zur Begründung des an die grüne Umweltministerin Priska Hinz gerichteten Antrags führt Helmut Nickel aus: “Nach Art. 19 der EU-Verordnung Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten haben die Mitgliedstaaten innerhalb von 18 Monaten nach der Aufnahme einer invasiven gebietsfremden Art in eine Unionsliste über wirksame Managementmaßnahmen für diejenigen Arten zu verfügen, die in ihrem Hoheitsgebiet weit verbreitet sind.

Der Waschbär ist in der Listung ab dem 3. August 2016 erfasst. Bereits ab Februar 2018 wären daher entsprechende Maßnahmen zur Eindämmung bzw. zur Populationskontrolle vorzusehen gewesen. Stattdessen bleibt es in Hessen unverändert bei der Schonzeitfestlegung durch die im Jahr 2015 verabschiedete Jagdverordnung.

Aufgrund der nicht nachvollziehbaren Schonzeit für Prädatoren diese zum Verhängnis für bedrohte Arten. Gerade im Frühjahr, wenn Feldhase, Rebhuhn und Fasan ihre Jungen aufziehen, werden diese Jungtiere von den Prädatoren als Futter für die eigenen Jungen benötigt.”

Im Folgenden dokumentieren wir das Schreiben im Wortlaut:

“Sehr geehrte Frau Ministerin, sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit beantrage ich als Jagdausübungsberechtigter die Aufhebung der Schonzeit für Waschbären für den von mir angepachteten gemeinschaftlichen Jagdbezirk Grünberg-Stockhausen. Der Schutz führender Elterntiere bleibt davon gemäß § 22 Abs. 4 BJagdG unberührt.

Begründung:

Die EU-Verordnung  Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten vom 22. Oktober 2014 ist am 01. Januar 2015 in Kraft getreten. Nach Art. 19 der VO haben die Mitgliedstaaten innerhalb von 18 Monaten nach der Aufnahme einer invasiven gebietsfremden Art in eine Unionsliste über wirksame Managementmaßnahmen für diejenigen Arten zu verfügen, die in ihrem Hoheitsgebiet weit verbreitet sind.

Der Waschbär ist in der Listung ab dem 3. August 2016 erfasst.

Bereits ab Februar 2018 wären daher entsprechende Maßnahmen – zu denen laut Bundesnaturschutzgesetz die Bejagung gehört – zur Eindämmung bzw. zur Populations-kontrolle vorzusehen gewesen. Stattdessen bleibt es in Hessen unverändert bei der besonders restriktiven Schonzeitfestlegung durch die HJagdVO.

Die oben angeführte EU-Verordnung sieht zudem mit Blick auf bereits weit verbreitete
invasive Arten wie Waschbären ausdrücklich vor: „Im Falle, dass eine Beseitigung nicht möglich ist, … sollten Eindämmungs- und Bekämpfungsmaßnahmen angewendet werden.“ Solche wirkungsvollen „Eindämmungs- und Bekämpfungsmaßnahmen“ sind jedoch für  Waschbären aufgrund  hessischen Schonzeitregelung derzeit nicht möglich.

Bereits in der Antwort ihres Ministeriums vom 22. März 2017 (Geschäftszeichen: VI  3 88 a 10.03 4/2010) auf meinen damaligen Antrag auf Schonzeitaufhebung hatte das Ministerium unter anderem darauf verwiesen. dass konkrete Management-Konzepte erarbeitet würden. Ferner heißt es in ihrem Schreiben wörtlich: „Aktuell befinden sich diese Konzepte noch in der Abstimmungsphase.“ Diese „Abstimmung“ eines Waschbär-Management-Konzepts – bei dem Hessen als „Kernland“  dieser invasiven Art die Federführung obliegt – mit den anderen Bundesländern ist jedoch bis heute noch nicht abgeschlossen, obwohl die dafür von der EU-VO gesetzte Frist vom 3. Februar 2018 längst verstrichen ist. Für den Waschbären liegt immer noch kein Management-Konzept vor.

Aufgrund dieser Versäumnisse ist  zur Umsetzung der EU-VO und zum Schutz des Niederwildes im Rahmen der Hegepflicht sowie zum Schutz bedrohter frei lebender Tierarten eine Aufhebung der Schonzeit für nicht adulte und nicht führende Waschbären umso dringlicher. Dass die beantragte Schonzeitaufhebung durchaus zielführend ist, beweisen auch die Ausnahmegenehmigungen von der offiziellen Waschbär-Schonzeit , die ihr Ministerium bereits zum Schutz des Birkwildes in der Rhön und zum Schutz des Rebhuhns in Jagdbezirken in der Wetterau erteilt hat.

Aus diesem Grund beantrage ich die sofortige Aufhebung der Schonzeit für Waschbären, selbstverständlich unter Beachtung des § 22 Abs. 4 BJagdG.

Mit freundlichen Grüßen

Helmut Nickel”

Beitragsbild: Waschbär-Apport. Foto: SE

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