Hessen: “Ideologisch geprägte Vorurteile und unerträgliche Ächtung der Heger und Pfleger”

Der hessische Landrat im Joachim Arnold (SPD) warnt vor den Auswirkungen eines “ideologisch geprägten” Jagdgesetzes: Dies führe zu “einer Entmündigung, zu einem Wegfall eigenverantwortlichen Handels und zu einer weiteren unnötigen Bürokratisierung.” Außerdem “gefährde die geplante neue Jagdverordnung gefährdet die gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen Wetterauer Jägerschaft, Naturschutz und Landwirtschaft. Arnold forderte die hessische Landesregierung auf, zentrale Inhalte der neuen Verordnung zu überdenken und die Befürchtungen sehr ernst zu nehmen.

Insbesondere die Inhalte des Paragraphen 3 im Entwurf der neuen Jagdverordnung führen zu erheblichen Verärgerungen. So sollen die Beutegreifer Baummarder, Iltis, Hermelin  und Mauswiesel nicht mehr bejagt werden. Bei Altfüchsen soll dies nur noch vom 15. August bis 31. Januar möglich sein. Die effektivste Jagdzeit im Februar bleibt außen vor, obwohl es hierfür keine biologischen Gründe gibt, denn Jungfüchse werden dann erst gezeugt. Die Graugans soll keine Jagdzeit mehr haben, sie soll aber bei Schäden auf Wintergetreide oder Raps oder Sonderkulturen vom 1. August bis zum 31. Oktober auf Antrag bejagt werden können.

„Dieser Auszug von noch umfangreicheren Änderungen, denen keinerlei sachliche Argumente zu Grunde liegen, wird zu einer Enteignung der Grundstückseigentümer führen, denn das Jagdrecht ist Teil der grundgesetzlich geschützten Eigentumsgarantie“, sagt Arnold. Naturschutzfachlich bemängelt Landrat Arnold, dass es bei den Bodenbrütern, und hier auch den nichtjagdbaren Arten, zu einem weiteren Rückgang kommen wird. Ferner werden alle Bemühungen für Blühstreifen durch die Landwirte, Jäger und Naturschützer zunichte gemacht. Die Wetterau ist als Ackerbauregion besonders davon betroffen. „Wird diese Verordnung in der jetzt bekannt gewordenen Fassung in Kraft gesetzt, sehe ich die konkrete Gefahr, dass die zumindest in der Wetterau sehr gedeihliche und ohne Ideologie gelebte Zusammenarbeit von Jägern, Landwirten und Naturschutzverbänden bald der Vergangenheit angehört“, so die Befürchtung von Landrat Arnold.

So hat die Jägerschaft im Wetteraukreis seit Jahren ihrem Auftrag als Heger und Pfleger entsprechend in enger Zusammenarbeit mit den Landwirten, den  Naturschützern und den Aufsicht führenden Behörden überaus erfolgreich Blühstreifen und Wildäcker im gesamten Kreisgebiet angelegt. Diese dienen einem vielseitigen Nahrungsangebot und der Deckung in der intensiv landwirtschaftlich genutzten Feldflur. Hiervon haben viele Arten profitiert, so auch Feldlerche, Grauammer oder die Schafstelze. „Das Rebhuhn wird bei uns in der Wetterau traditionell in großer Eigenverantwortung der Jägerschaft ebenso geschont wie der Feldhase“, so Arnold. Diese werden in der Wetterau nur bejagt, wenn es genügend Nachwuchs gibt. Gleiches gilt für die Graugans und die Stockente.

“Die geplanten Regelungen führen zu einer Entmündigung, zu einem Wegfall eigenverantwortlichen Handels und zu einer weiteren unnötigen Bürokratisierung von Seiten des Landes. Verlierer werden die betroffenen Arten sein, weil jeglicher Anreiz genommen wird in der intensiv genutzten Agrarlandschaft Rückzugsflächen zu erhalten bzw. neu anzulegen“, so Landrat Arnold, der das Land auffordert, mit allen Betroffenen die Auswirkungen der geplanten Reform ohne Scheuklappen zu diskutieren und die vorgebrachten Bedenken sehr ernst zu nehmen. „Aus all diesen geplanten neuen Regelungen sprechen ideologisch geprägte Vorurteile und eine unerträgliche Ächtung der Heger und Pfleger des Wildes in unserer Kulturlandschaft, der Wetterauer Jägerschaft“, so Landrat Arnold resümierend.

Beitragsbild: Landrat Joachim Arnold (SPD), Copyright: Wetteraukreis

Ein Gedanke zu „Hessen: “Ideologisch geprägte Vorurteile und unerträgliche Ächtung der Heger und Pfleger”

  1. LM.

    Was ist denn in NRW mit Zustimmung der SPD vor einigen Monaten geschehen? Unsere großen Volksparteien sollten sich nicht von der Meinung einer sogn. Verbotspartei lenken lassen. Insbesonder sollten daher auch Anhörungen und Gesetzgebungsverfahren entsprechend verlaufen. Wenn man Gesetze über die Köpfe der tatsächlich betroffenen Menschen hinweg macht, hat das meiner Meinung nach nichts mit einem demokratischen Verfahren zutun. Die Bürger sollten sich dieses auch vor einer Stimmabgabe bei zukünftigen Wahlen einmal vor Augen halten. Bedenken wir auch einmal, was die Grünen bereits in Vergangenheit verbieten und erlauben wollten. Z.B. gingen seiner Zeit nach einer Forderung von 5,00 DM für den Benzinpreis bei den Grünen die Stimmen in den Keller und schnell war denn das Thema vom Tisch. Für andere Dinge entschuldigte man sich im nachhinein usw. “Politik für Land und Leute” das erwarteten die Bürger.

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