Hessen: Gutachten zur Klage der FDP gegen die Jagdverordnung liegt nun vor

Der Wildökologe Prof. Dr. Dr. Sven Herzog von der Technischen Universität Dresden spricht sich in seinem nun vorgelegten Gutachten für eine Überarbeitung der Hessischen Jagdverordnung unter Ausschluss sachfremder Argumente aus. Die FDP-Fraktion im Hessischen Landtag hat bereits 2016 gegen die Jagdverordnung Klage vor dem Staatsgerichtshof eingereicht und das Gutachten in Auftrag gegeben.

Herzog zu den im Rahmen der Hessischen Jagdverordnung geänderten Jagd- beziehungsweise Schonzeiten: „Die überwiegende Mehrzahl der Änderungen schränkt das Jagdausübungsrecht ein, ohne dass mit der jeweiligen Einschränkung ein durch wissenschaftliche Untersuchung belegbarer Vorteil, etwa aus Sicht des Tier- oder Artenschutzes, gegenübersteht.“ Der Umfang der Änderungen in der Jagdverordnung lasse darauf schließen, „dass man sich hierbei nicht ausschließlich von sachlichen, sondern politischen Erwägungen leiten ließ“, so Herzog weiter.

Beim Waschbären kommt er beispielsweise zu dem Schluss, dass für Jungtiere eine Schonzeit kontraproduktiv sei. Herzog empfiehlt eine ganzjährige Bejagung der Waschbär-Jungtiere, da die Kleinbären sowohl wassergebundenen Arten, Bodenbrüter und baumbrütende Vogelarten erbeuten und somit einen negativen Einfluss auf gefährdete Arten haben.

Auch für Jungfüchse empfiehlt der Experte eine ganzjährige Jagdzeit aus Gründen des Artenschutzes als „angemessen und lokal auch erforderlich“, da der Fuchs ein Profiteur der großflächigen industrialisierten Landwirtschaft ist, in der es viele seiner Beutearten ohnehin schwer haben und sie in ihrem Bestand gefährdet sind.

Der Landesjagdverband Hessen fordert alle Parteien auf, die in den Hessischen Landtag gewählt werden, die Jagdverordnung nach der Wahl schnellstmöglich nach den Forderungen des LJV Hessen zu ändern.

Jürgen Ellenberger: „Vor diesem Hintergrund heißt es für alle Mitglieder und Freunde der Jagd: Gehen Sie am 28. Oktober zur Landtagswahl. Mit rund 24.000 Jägerinnen und Jägern, deren Familien und Bekannten haben wir mit mindestens 150.000 Personen eine starke Stimme in Hessen. Nutzen wir diese Chance für ein Umdenken in der hessischen Landespolitik – für eine zukunftsfähige Jagdverordnung.“ PM

Beitragsbild: Waschbär-Porträt. Autor: Quartl, Quelle: Wikipedia. Veröffentlicht unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported Lizenz.

2 Gedanken zu „Hessen: Gutachten zur Klage der FDP gegen die Jagdverordnung liegt nun vor

  1. Grimbart

    Die Grünen sind gestärkt aus den Landtagswahlen hervorgegangen, was das für die Gesetzgebung bedeutet, kann man sich an drei Fingern abzählen.

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  2. Kr.-Itisch

    Leider lassen sich alle Parteien eher von politischen Erwägungen leiten als von sachlichen. Bei den Grünen war und ist das aber eigentlich schon immer der Fall und das nicht nur im Bereich der Jagd. Ein politischer Dialog/Erörterung findet immer weniger statt. Es wird Klientel-Politik wider besseren Wissen und Gewissen betrieben. Da setzt man sich auch mal locker über europäische Vorgaben hinweg. Leider ist bei dem jetzigen politischen Trend auch keine Besserung in Sicht. So werden für Koalitionen zur Regierungsbeteiligung traditionelle oder parteieigene Werte gnadenlos verschachert.

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