Herdenschutz gescheitert: Wölfe reißen 34 Schafe trotz Grundschutz und Herdenschutzhunden

+++ Schleswig-Holstein: Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) will “verhaltensauffällige Wölfe” töten lassen +++

In der Nacht zum 31. Oktober 2018 ereignete sich im Landkreis Ludwigslust-Parchim (M-V) im Bereich der Rögnitz ein Wolfsangriff auf eine ca. 600-köpfige Herde tragender Mutterschafe. Das teilt das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt mit. Dabei wurden 34 Schafe getötet und mindestens elf weitere verletzt. Einige Tiere wurden heute Mittag noch vermisst. Der von dem Schäfer herbeigerufene Rissgutachter bestätigte, dass es sich um einen Wolfangriff handelte.

Ein Teil der nach Grundschutzvorgaben eingezäunten und von Herdenschutzhunden begleiteten Schafe hatte bei dem Angriff den Zaun niedergedrückt, war ausgebrochen und über etwa sieben Kilometer entlang des Flusses Rögnitz geflüchtet.

In dem Gebiet sind zwei Wolfsansiedlungen nachgewiesen, beide sind genetisch erfasst. Neben dem Kallißer Rudel kommt auch ein im Amt Neuhaus ansässiges Wolfspaar als Verursacher des Rissvorfalls in Betracht. Der Rissgutachter sicherte Spuren und Genetikproben. Die Untersuchungen dauern gegenwärtig noch an. PM

NRW: Schafzuchtverband fordert besser Prävention und Abschuss von “Problemwölfen”

Der Schafzuchtverband Nordrhein-Westfalen fordert verbesserte Präventionsförderung und den Abschuss von Problemwölfen. Die Weidetierhalter seien “nicht mehr bereit, die dauernden Risse zu akzeptieren.” In einer Pressemitteilung des Verbandes heißt es dazu:

“In Hünxe sind wiederum zwei Schafe gerissen worden, in Dinslaken zehn Stück Damwild in einem Gehege mit 2 m hohen Zäunen, aus in den Boden eingelassenem Knotengeflecht (JAWINA berichtete). Die endgültige Klärung der Risse steht noch aus, die Risse wurden vom LANUV aufgenommen und die Proben befinden sich zur Untersuchung im Senckenberg-Institut.

Die Weidetierhalter in den betroffenen Gebieten sind nicht mehr bereit, die dauernden Risse zu akzeptieren.

Im Wolfsmanagementplan für NRW wird der Schutz der Weidetiere gefordert, im ersten ausgewiesenen Wolfsgebiet wird der Herdenschutz seit 1.10.2018 nun auch auf Antrag mit Zuschüssen zu Präventionsmaßnahmen gefördert. Leider sorgt die Praxis, Prävention erst nach sechsmonatiger Anwesenheit desselben Wolfes zu fördern, in diesem Gebiet dafür, dass die territoriale Wölfin dort ein halbes Jahr Zeit zum Üben und Trainieren des Überwindens von Zäunen hatte. Die Weidetierhalter sind oft nicht imstande, Prävention über den normalen Grundschutz hinaus aus eigener Tasche zu finanzieren.

Zudem stellt sich den Weidetierhaltern immer häufiger die Frage ob und welche Präventionsmaßnahmen überhaupt geeignet sind, Schutz vor bestimmten Wölfen zu bieten. So ist die territoriale Wölfin im Kreis Wesel nun offensichtlich in ein Gehege in Ortstrandlage eingedrungen, das der Wolfsrichtlinie für den Grundschutz entspricht – in den Boden eingelassenes Knotengeflecht, 2 m hoch. Der Zaun sei nicht untergraben worden. Es scheint Wölfe zu geben, die nach entsprechendem Training in der Lage sind auch Zäune zu überwinden, die den Grundanforderungen zum Herdenschutz genügen. Allgemein setzt sich mittlerweile die Erkenntnis durch, dass Problemwölfe zu entnehmen sind. Jedoch gibt es bisher keine anerkannte Definition des Problemwolfs, die auch den Schutz der Weidetiere einbezieht.

Daher fordert der Schafzuchtverband:

1. Frühzeitige Präventionsförderung bei begründetem Verdacht der Ansiedlung von Wölfen – was eine Situation wie diese möglicherweise hätte verhindern können.

2. Einstufung von Wölfen, die mehrfach Herdenschutzmaßnahmen überwinden und Nutziere reißen als Problemwölfe und als Konsequenz Entnahme dieser Wölfe.” PM

Beitragsbild: Von Wolf gerissene Schafe (Archivbild)

8 Gedanken zu „Herdenschutz gescheitert: Wölfe reißen 34 Schafe trotz Grundschutz und Herdenschutzhunden

  1. Kr.-Itisch

    Ich glaube uns geht es viel zu gut. Wie wir mittlerweile mit dem Thema Wolf umgehen grenzt schon an vollkommen dekadenten Luxus. Da reißt ein Rudel mal eben, trotz Sicherung, 40-50 Schafe und das Einzige, was denen einfällt, ist Gen-Proben zu nehmen oder dumme Sprüche zu machen, wie man sich vor ihn schützt. Erkenntnisgewinn gleich null, Kosten aber erheblich. Die einzig sinnvolle Erkenntnis ist, dass es hier zu viele Wölfe gibt vor denen man sich offensichtlich nicht adäquat schützen kann. Wann kommen wir endlich auf den Pfad der Vernunft zurück. Keiner, aber auch absolut Keiner, braucht den Wolf in unseren Kulturlandschaften. Er gehört in Tundra, Taiga oder andere Urlandschaften, wo er evtl. noch natürliche Feinde, entsprechende dezimierende Lebensbedingung und nicht Fraß wie im Schlaraffenland hat. Da wo er zur Gefahr für unsere Nutztierwirtschaft wird, hat er nichts verloren. Wer in betrachten möchte, kann ins Wolfsgehege oder in den Zoo fahren.

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    1. Titus von Unhold

      Warum soll die Nutztierwirtschaft Vorrang vor dem Wolf haben? Außer Geld/Raffgier gibt es keinen erkennbaren Grund dafür.

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  2. Ronbi

    Vielleicht geht es auch nur darum, dass den Menschen beim Thema Wolf langweilig wird.
    Also werden von offizieller Seite Worthülsen abgesondert, weil tun, will man offensichtlich nichts.
    Und das Nichts, wird seit Jahren erfolgreich getan.

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  3. JK

    @„Titus von Unhold“
    Einerseits soll das Grünland erhalten, gepflegt und offengehalten werden. Das ist politisch so gewollt, gefördert und ist auch vernünftig. Ohne extensiv genutztes Grünland geht unser letztes Niederwild wie Hase, Kaninchen, Fasan und Rebhuhn völlig zugrunde. Ganz zu schweigen von Insekten und aller anderen davon abhängiger Tierarten.
    Durch extensive Tierhaltung ist noch niemand reich geworden, wenn man Glück hat trägt es sich gerade so eben. Durch immer krasser werdende Vorschriften irgendwelcher praxisfremder Bürokraten muß man das schon in Frage stellen.
    Jetzt dringt der Wolf in das für ihn gelobte Land ein und muß sich nur ein Stück vom eingezäunten Kuchen einverleiben. Er ist eben ein Nahrungsgeneralist, der auf Grund seiner Lernfähigkeit bis heute — trotz Verfolgung — überlebt hat. Frei lebende Wildtiere laufen entweder weg oder im Fall von „Wildschweinen“, wehren die sich und können tödliche Wunden zufügen.
    Und nun?
    Jäger wollen nicht, daß der Wolf ausgerottet wird. Es ist eine hochintelligente und interessante Tierart. Aber man muß bei allem Verständnis für den Wolf aber der Realität in’s Auge sehen. In der Form, in der der Wolf hier sein uneingeschränktes Bleiberecht haben soll, geht es nicht. Wir brauchen praxisnahe und durchführbare Entscheidungen, *bevor* die Situation weiter eskaliert!

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  4. Anko

    Vielleicht sollte man Fütterungen oder Opfer-/ Ablenkgatter schaffen, in denen zum Riss bestimmte Weidetiere vorrätig gehalten und regelmäßig aufgefüllt werden.

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    1. ahe

      Gute Idee!
      Quasi ein Karnismusgatter. (Weisergatter auf Fleischbasis)
      Damit wäre eine weitere Möglichkeit geschaffen die positive Populationsentwicklung in der Fläche zu erfassen bzw. zu dokumentieren.
      Des weiteren wäre hier der Feldversuch von Zäunen, Mauer etc. möglich um damit den Nutztierhaltern (Betroffenen) weitere Ratschläge/Auflagen zum Ausbau Ihrer Abwehrmassnahmen zu unterbreiten.
      Um diese Gatter (Umkreis = eine Wolfstagesroute in km) wäre allerdings ein Jagdverbot sowie das führen von Hunden, Pferden und sonstigen potentiellen “Ablenkopfern” im Sinne eines profunden Messergebnisses einzuführen bzw. verboten.
      😉

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