Hasen und Nasen

F.C.I.-Europapokal für Laufhunde/Bracken: Ein langer, harter Wettkampftag, die besten Bracken und Laufhunde Europas treten gegeneinander an, Tracker ist dabei.

Mit tiefer Nase, bedächtig und konzentriert, sucht Daisy, eine Bracke der hierzulande seltenen Rasse Hamilton Stövare, den Feldweg neben dem frisch umgebrochenen Acker ab. Mit hängenden Schultern und nachdenklichen Gesichtern verfolgen die schwedischen Hundeführer Andreas Brelin und Ernst Bjureflo die Arbeit des Hundes, offensichtlich nicht so angetan von Daisys heutiger Leistung. “Daisy ist die Jagd in den schwedischen Wäldern gewöhnt”, erklärt Andreas. Mit der fränkischen Agrarsteppe fremdelt sie offenbar etwas.

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Irritiert vom ungewohnten Geläuf buchstabiert der Hamilton Stövare die Fährten aus.

Wir sind zu Gast beim F.C.I.-Europapokal für Bracken, der 2014 erstmalig in Deutschland stattfindet. 14 Reviere, verteilt auf fünf ober- und unterfränkische Landkreise, stellen das Suchengelände. Angetreten sind die 14 leistungsstärksten Gespanne aus sieben Ländern.

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Gruppenbild mit Hunden: 14 Gespanne aus sieben Ländern traten zum F.C.I. Eurocup an.

Beim Europapokal der Bracken und Laufhunde müssen die Hunde ihr Können auf der Hasenspur beweisen. Das ist auch in Zeiten sinkender Niederwildbesätze kein Anachronismus, denn: “Die Hasenspur ist die schwierigste aller Spurarbeiten”, erklärt Manfred Parr, 1. Vorsitzender vom Klub Tiroler Bracke Deutschland und als Richter beim Europapokal dabei: “Hunde, die am Hasen spurlaut arbeiten, können dies bei allen anderen Wildarten auch.”

FCI Laufhunde Championat 2014

Spurlaute Hunde sind ein Muss auf Stöber-, Drück- und Bewegungsjagden. Auf der schwierigen Hasenspur beweisen sie ihr Können.

Beim F.C.I. Europapokal müssen die Hunde selbständig einen Hasen suchen und finden und dann mindestens zehn Minuten laut am Stück arbeiten, mehr als 90 Minuten werden nicht gewertet. Wenn der Hund spätestens zum Ende der Prüfung nicht zurück beim Führer ist oder sich nicht einfangen lässt, hat er nicht bestanden. Richter bewerten die Suche nach festgelegten Kriterien. Das Problem dabei ist, dass sich gerade Bracken und Laufhunde bei ihrer weitläufigen Arbeit gerne einmal dem Gesichtskreis der Richter entziehen. Beim F.C.I. Championat 2013 in Kuopio (Finnland) konnten einige Hunde nicht bewertet werden, weil die Richter sie nicht arbeiten sahen.

Auch beim diesjährigen Europapokal verschwindet etwa der norwegische Hygen Hound “Froya” im Morgennebel und ist stundenlang nicht zu sehen. Hätte Froya nicht das G500FI Ortungshalsband des finnischen Hundeortungsspezialisten Tracker getragen, so wüsste niemand, wo die Hündin war und was sie getan hat. Aber die Ortungsgeräte von Tracker zeichnen nicht nur den zurückgelegten Weg des Hundes, den Track, auf – der Belllautsensor in der Halsung registriert auch, wann und wo der Hund laut war: So wird der Weg, den der Hund stumm zurückgelegt hat, mit einer dünnen Linie wiedergegeben, die Stellen, wo er spurlaut jagte, hingegen mit einer breiten. Das ermöglicht live oder im Nachhinein eine Auswertung der Arbeit des Hundes, die so kein anderes Hundeortungsgerät leistet. Die Hundeführer konnten sich übrigens frei entscheiden, ob sie ihrem Vierläufer das G500FI-Ortungshalsband bei der Prüfung anlegen oder nicht, die Ergebnisse der Trackaufzeichnung flossen nicht in die Wertung ein.

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Das Webtracking mit dem G500FI ermöglicht es, die Froyas Arbeit zu analysieren: Die Hündin hat auf dem Feld mit den Richtern (Hundesymbol mit Richtungspfeil) begonnen. Nach wenigen Minuten verschwindet sie mit Vollgas im Wald.

 

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Dort, wo der Track als dicke Linie wiedergegeben ist, hat Froya laut gejagt – was es war, wissen wir nicht. Nachdem sie 28,8 Kilometer zurückgelegt hat, wurde sie auf der anderen Seite des Waldstücks eingesammelt. Die vom G500FI aufgezeichneten Tracks bleiben dauerhaft gespeichert und können im zeitlichen Verlauf abgespielt werden.

Für Daisy und die Schweden läuft die Sache langsam etwas runder. Eine ganze Weile hat die Hamilton Stövare-Hündin auf dem blanken Acker gesucht, ohne einen Hasen zu finden. Die Richter beschlossen, die Suche auf dem Nachbaracker neu zu starten. Und hier, in der Nähe eines Feldgehölzes, wird die Hündin laut und arbeitet sauber auf der Spur. Richter Emil Klopf schwingt sich auf sein Quad und brettert los, der Berichterstatter auf dem Soziussitz klammert sich fest, um beim Beschleunigen nicht hinten herunter zu fallen. Aus dem Gebüsch klingt der jauchzende Spurlaut der Hündin.

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Daisy wird abgerufen und an einer anderen Stelle neu angesetzt.

Zurück im Suchenhotel scharen sich die Hundeführer um Tomas Slesar von Tracker, um sich die Tracks ihrer Hunde auf dem Tablet anzusehen. Das ist für jeden Hundeführer eine spannende Sache und eine tolle Erinnerung, denn an großen internationalen Prüfungen wie dem F.C.I. Europapokal nehmen viele Hundeführer nur einmal im Leben teil.

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Spannende Sache: Andreas Brelin und Ernst Bjureflo schauen sich Daisys Track auf dem Tablet an. Die Tracks hat Tracker dem öffentlichen Link http://www.tracker.fi/de/events/fci-europa-cup-für-laufhunde-2014 ins Internet gestellt.

Abends bei der Preisverleihung gibt es eine freudige Überraschung für die Schweden: Mit ihrer Leistung sichert sich Daisy den zweiten Platz in der Gesamtwertung.

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Ernst Bjureflo freut sich über den zweiten Platz – und das G500FI-Ortungshalsband.

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Nicht minder groß ist die Freude bei Leo Duschen aus der Schweiz, der mit seinem Schweizer Laufhund Cheyenne den dritten Platz belegte – auch er nimmt gern das von Tracker, einem der Hauptsponsoren des F.C.I. Europapokals, spendierte G500FI entgegen.

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Den ersten Platz belegte Gianfranco Biordi aus San Marino mit seiner Segugio Italiano-Hündin Sony.

Der F.C.I. Europapokal für Laufhunde brachte internationales Flair und gelebte Jagdkultur ins beschauliche Franken. Dass es in Deutschland mit seiner kleinteiligen Revierstruktur gelungen ist, das Prüfungsgelände für eine naturgemäß raumgreifende Angelegenheit wie den Europapokal der Laufhunde zu stellen, nötigt einem Respekt für das Organisationstalent der Veranstalter ab. Der F.C.I.-Europapokal für Laufhunde 2015 findet in San Marino statt.

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Schlappohriger Champion: Die Segugio Italiano-Hündin Sony darf sich mit einem CACIT (Certificat d’Aptitude au Championnat International de Travail) schmücken, zu deutsch: F.C.I. Internationaler Arbeitschampion.

Dieser Beitrag wurde gesponsort von Tracker. Inc., Finland.

2 Gedanken zu „Hasen und Nasen

  1. Philip Alsen

    Kein Kommentar -außer “interessantes Thema!” – nur eine Frage: wie werten die Richter, bzw. wo liegt der Sinn des Wettbewerbs, wenn doch die Leistung des Hundes weit außerhalb des Sicht- und “Hörfeldes” der Führer liegen? 28 Kilometer Wegstrecke ist enorm (wieviele Hauptstraßen hat sie dabei überquert?) für den Hundeführer aber “einfach nur weg”… Und was heißt “zehn Minuten am Stück arbeiten”? Ein aufstehender Hase gibt Gas, Hund hinterher, das kann man ein paar hundert Meter mit den Augen verfolgen, dann aber geht die Hatz “unter Ausschluss der Öffentlichkeit” weiter. Da kommt doch auch kein Quad hinterher…. Oder doch?

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    1. admin Beitragsautor

      Gute Frage(n), also: Der “28-km-Hund ist, wie jeder Hund, der nach Abschluss der Prüfung nicht wieder beim Hundeführer ist oder sich nicht einfangen lässt, durchgefallen. Den Hasen, den Hamilton-Stövare-Hündin Daisy erfolgreich arbeitete, hat sie 20 Minuten lang um ein relativ kleines Feldholzinselchen verfolgt – das ließ sich entsprechend gut beobachten. In anderen Fällen, SCHÄTZE ICH, geht man davon aus, dass ein Hund, der spurlaut mit dem Hasen verschwindet, außer Sicht gerät und nach, sagen wir mal, einer Viertelstunde zurück kommt, nicht die läufige Hündin im Dorf gesucht, sondern am Hasen gearbeitet hat. Die Hundeortung liefert da natürlich wertvolle Hinweise – und im Zweifelsfall helfen die Prüfungsbedingungen weiter.
      Beste Grüße
      SE

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