Guns of London

Teil 2: Holland & Holland & Amy

Wenn ich ein “clubbable man” wäre, Tycoon, Oligarch oder einfach nur ein Snob – eine Holland & Holland wäre die Waffe meiner Wahl. “Wir sind meines Wissens die einzige der Londoner Waffenmanufakturen, die nur genau zwei Rohstoffe einkauft: Türkisches Walnussholz und Stahl aus Sheffield (which we still think is the best)”, erklärt Patrick Murphy, Verkaufsrepräsentant im London Gunroom (33 Bruton Street) nicht ohne Stolz. Aus diesen zwei Werkstoffen fertigen die Büchsenmacher jede Feder, jedes Schräubchen, immer noch überwiegend in Handarbeit, bis daraus eine nach den Wünschen und Maßen des Käufers maßgefertigte Büchse oder Flinte entsteht, jede ein einmaliges, individuelles Einzelstück, jede ein kleines Kunstwerk, ein makelloses Meisterstück gediegenster Handwerkskunst.

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Fünf edle Schätzchen im Wert von weit über einer halben Million Pfund. Fotos: SE

Fünf dieser erlesenen Waffen im Wert von über einer halben Million Pfund liegen im London Gunroom vor uns auf dem Tisch. In den Vitrinen stehen etliche weitere, darunter unverkäufliche Museumsstücke aus der stolzen Geschichte des Hauses, aber auch fertige Neuwaffen für den eiligen Käufer. “Welchen Sinn hat das, eine Holland & Holland von der Stange zu kaufen, wenn der Reiz und Wert einer London Best Gun doch gerade darin besteht, dass sie nach Maß gefertigt und exakt auf den Käufer zugeschnitten wird?”, frage ich Patrick Murphy. Das stimme schon, meint Mr. Murphy. Doch gebe es halt Interessenten wie jenen Börsenmakler, der gerade seinen stattlichen Jahresendbonus ausbezahlt bekommen habe. Er ließ sich die Waffen zeigen, war interessiert, begeistert, kaufwillig, solvent. Doch es dauere halt zwei bis drei Jahre, bis eine bestellte Waffe ausgeliefert werden kann. “Und so ging er hinaus und kaufte sich gleich um die Ecke einen Bentley – das Geld brannte ein Loch in seine Tasche”, bedauert Murphy. Für solche Kunden habe man stets einige Waffen vorrätig, und in der Regel sei es problemlos möglich, eine Waffe relativ kurzfristig an die körperlichen Gegebenheiten des künftigen Eigentümers anzupassen.

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Use enough gun á la Holland & Holland…

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… Patrick Murphy mit einer fetten Großkaliberbüchse. Schießt sich nicht so schlimm, wie sie aussieht, mutmaßt Murphy, weil für Schwarzpulver mit langsamem Abbrand bestimmt.

Holland & Holland beschäftigt lt. Wikipedia zwischen 101 und 250 Mitarbeiter und befindet sich heute – eine Schmach für jeden patriotisch fühlenden Engländer – mehrheitlich im Besitz des französischen Luxuswarenherstellers Chanel.

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Feine Accessoires.

Feine Acccessoires und Mode gehören heute zum Produktportfolio, auch eine Zusammenarbeit mit dem Range Rover-Edeltuner Overfinch trägt zum Umsatz bei. Neben dem Showroom und der Manufaktur betreibt Holland & Holland auch eine Schießschule, mit renommierten Flintenschützen als Lehrpersonal.

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Edle 16er Doppelflinte von Holland & Holland.

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60.000 bis 100.000 Pfund muss man für eine Holland & Holland einplanen. Mit aufwändigen Gravuren lässt sich der Preis locker verdoppeln.

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Der Stolz jedes Gunmakers: Die seit Jahrhunderten penibel geführten Auftragsbücher…

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… einem Who Is Who der High Society.

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Nobel: London Gunroom von Holland & Holland in der Bruton Street.

Am Nachmittag gab es ein paar Stunden zur freien Verfügung im dicht gepackten Rahmenprogramm der IWA-Tour. Mich zog es nach Camden Town. Und da wir ja versprochen haben, nicht nur Kanonen, sondern auch etwas vom Drumherum dieser genialen Stadt zu zeigen, hier ein paar Impressionen.

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Okay, es IST eine Touristenfalle, aber eine nette.

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Unzählige kleine Läden und Stände in reizvoller Architektur…

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Kneipen, Bars, Live-Musik…

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Ähm, Erfrischungen…

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Unsterblich, unvergessen: Amy-Winehouse-Statue in Camden. Die Fans stehen Schlange, um sich mit ihr zu fotografieren.

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Gegen aufdringliche Fans kann sie sich ja leider nicht mehr wehren.

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Im Horse Stables Market (Pferdestall-Markt) sind Pferde immer noch allgegenwärtig.

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In den riesigen, unterirdischen ehemaligen Stallungen bekommt man einer Vorstellung davon, was für eine gigantische equine Infrastruktur erforderlich gewesen sein muss, um eine Millionenstadt zu versorgen. Café in ehemaligen Pferdeboxen.

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Lampenladen – farbenfroher als Erich seiner.

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Proud Camden.

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Bad Sex.

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Plattenladen.

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Jeder London-Aufenthalt gebiert einen Entschluss: Ich komme wieder, und zwar bald!

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Ein Sehnsuchtsort.

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Fotos: SE

 

Hier geht es zu Teil 1: Rigby und die Remembrance Poppies 

Text/Fotos: Stephan Elison

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