Göttingen: 14jähriger durch Schüsse verängstigt

In der Nähe von Göttingen soll ein Jäger mehrere Schüsse in Richtung eines 14jährigen Jungen abgegeben haben, der mit seinem Fahrrad auf dem Schulweg an einer Drückjagd bei einem Maisfeld vorbeifuhr. Einem Bericht des Göttinger Tageblatts zufolge soll der Junge die Schüsse gehört und, durch ein Gebüsch in die Richtung guckend, einen Jäger bemerkt haben, der genau in seine Richtung zielte. Er habe sich dann hingeworfen, gebrüllt und seine signalrote Schultasche geschwenkt. Trotzdem sollen noch drei Schüsse auf eine krank geschossene Sau abgegeben worden sein, von denen einer gar unmittelbar vor dem Teenager im Maisfeld eingeschlagen sein soll. Dann soll auch noch ein “blutendes, humpelndes” Wildschwein zwei Meter vor ihm aus dem Gebüsch gebrochen und entflohen. Der verängstigte Junge suchte sein Heil in der Flucht, war aber noch geistesgegenwärtig genug, sich das Kennzeichen eines Autos der Jäger zu merken. Er erstattete Anzeige, die Polizei ermittelt. Verletzt wurde niemand.

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Aus gegebenem Anlass weist der Deutsche Jagdverband (DJV) auf die Sicherheitsvorschriften bei Drückjagden hin. Auf der Internetseite des Verbandes sind Formulare zu Vereinfachung der Jagdorganisation eingestellt. Die Pressemitteilung des DJV zum Thema im Wortlaut:

Sicherheit bei der Drückjagd

Zu Beginn der Drückjagdsaison macht der Deutsche Jagdverband darauf aufmerksam, unbedingt die gängigen Sicherheitsregeln einzuhalten. “Sicherheit kommt immer vor Jagderfolg”, sagt Dr. Hermann Hallermann, Vize-Präsident des DJV und zuständig für Jagdhundewesen. “Ein fehlerfreier Umgang mit der Waffe sowie schnelles und korrektes Ansprechen des Wildes sind unabdingbar für die Teilnahme an Drückjagden”. Dazu gehöre es auch, die Sicherheit des Nachbarn zu gewährleisten und die Hintergrundgefährdung zu beachten. Es sei strikt verboten in Richtung von Siedlungen oder Menschen zu schießen. Ein Kugelfang müsse immer gewährleistet sein: “Die Sicherheit von Treibern und Hunden hat absoluten Vorrang”, so Hallermann.

Der DJV stellt Filmmaterial zur Verfügung, das über wichtige sicherheitsrelevante Aspekte informiert (http://bit.ly/Drückjagdsicher). Zusätzlich stellt der DJV Formulare zur Verfügung, die über die gesetzlichen Regelungen unterrichten und Jägern bei der Organisation helfen, etwa einen Vordruck zur Waffenausleihe, eine Standkarte oder einen Vordruck zur Rückverfolgbarkeit von Wildbret (http://bit.ly/FormulareJagd). Eine Checkliste zu relevanten Arbeits- und Planungsschritten finden Jäger ebenfalls auf den Seiten des Verbandes: http://bit.ly/Drückjagd

Hintergrund Wildschweine

Die Kulturlandschaft in Deutschland hat in den letzten 25 Jahren tiefgreifende Veränderungen gesehen, von denen besonders Wildschweine profitieren. So hat unter anderem der Wandel in der Energiepolitik dazu geführt, dass auf mittlerweile 10 Prozent der Bundesfläche Mais und Raps angebaut werden – 26-mal mehr Nahrungsquelle und Lebensraum als in den 1990er Jahren. Dies schlägt sich in steigenden Bestands- und Jagdstreckenzahlen nieder. Die Drückjagdsaison zwischen Oktober und Januar bietet Jägern die wohl effektivste Maßnahme, um Wildschweinbestände zu reduzieren.

Hintergrund Jagd und Sicherheit

Jagd ist vergleichsweise sicher. Vergleicht man Statistiken aus dem Jahr 2014, ist es etwa 6-mal wahrscheinlicher als Autofahrer im Straßenverkehr tödlich zu verunglücken, als als Jäger auf der Jagd. Bergwandern ist etwa 40-mal gefährlicher als Jagen. PM DJV

 

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