Giftköder: Zwei Jagdaufseher wegen Verletzung der Aufsichtspflicht verurteilt

Obwohl sie nicht die Täter sind, wurden zwei behördlich beeidete Jagdaufseher wegen ausgelegter Giftköder im niederösterreichischen Weinviertel verurteilt

Mehr als 35 tote Tiere sowie illegal aufgestellte Fallen mit teilweise qualvoll verhungerten Tieren: So lautet die Bilanz des bisher größten Vergiftungsfalls Österreichs. Nach diesen grausigen Funden im Frühjahr 2016 in Windisch-Baumgarten im Bezirk Gänserndorf wurde gegen die beiden damals revierzuständigen Jagdaufseher Anklage erhoben. Nun liegt das endgültige Urteil vor: Die  Männer wurden vom Niederösterreichischen Landesverwaltungsgericht wegen Verletzung der Jagdaufsicht schuldig gesprochen, ihnen wurde die Jagdaufsicht entzogen. Darüber hinaus erhielten die Verurteilten eine Geldstrafe in der Höhe von 5.000 beziehungsweise 1.000 Euro.

In der Urteilsbegründung verwies der Richter darauf, dass die Missstände nur deshalb nicht aufgefallen waren, weil die Jagdaufsicht so mangelhaft geführt wurde. Der Vergiftungstäter selbst konnte nicht ausgeforscht werden, da die Beweismittel nicht ausreichten. Sylvia Scherhaufer,  Generalsekretärin des Landesjagdverbands Niederösterreich, appelliert an die Jagdaufseher, ihre Aufsichtspflicht ernst zu nehmen und keine schwarzen Schafe in den eigenen Reihen zu dulden. „Gifteinsatz in der Jagd ist ein offener Rechtsbruch, widerspricht der Weidgerechtigkeit und schadet dem Ruf der Jägerschaft. Wir erwarten uns von allen Jagdaufsehern, dass sie bei illegalen Aktionen in ihren Revieren hart durchgreifen und mit der Polizei zusammenarbeiten. Wir haben großes Interesse daran, dass solchen Menschen das Handwerk gelegt wird“, unterstreicht Scherhaufer.

Giftverdachtsmeldungen werden bereits jetzt zu einem großen Teil durch die Jägerschaft gemacht. Der WWF und der Niederösterreichische Landesjagdverband betreiben zudem seit 2003 die Aktion „Vorsicht – Gift“. Im Rahmen dieser Kooperation wird Aufklärungsarbeit betrieben und eine Gifthotline zur Meldung von Verdachtsfällen zur Verfügung gestellt.

Die Jägerschaft und wachsame Spaziergänger sind zur Mithilfe gegen Giftleger aufgefordert, tote oder verletzte Tiere – meist handelt es sich um Greifvögel – zu melden. Dazu stehen die Meldeplattform www.kaiseradler.at und die APP birdcrime zur Verfügung. Verdachtsfälle können auch telefonisch unter 0660/869 23 27 oder bei der Gifthotline des WWF und des Niederösterreichischen Landesjagdverband unter 0664/925 50 70 bekannt gegeben werden. PM

Beitragsbild: Habicht – Greifvögel fallen häufig Giftködern zum Opfer. Foto: SE

Ein Gedanke zu „Giftköder: Zwei Jagdaufseher wegen Verletzung der Aufsichtspflicht verurteilt

  1. Heinz Bökamp

    Was ist bei uns mit den Biologischen Stationen die in Beweidungskonzepten ihre Tiere nicht ausreichend schützen
    und die dadurch von Wölfen gerissen (zuletzt 40 Schafe) werden.
    Werdeb die Verantwortlichen wegen Verstoß gegen Tierschutz und Aufsichtspflichtverletzung belangt?

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.