Gebietsfremde Arten: Inseln und Küstenregionen am meisten gefährdet

Erstmals haben Wissenschaftler  globale Hotspots für nicht-einheimische Arten identifiziert. Die meisten gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten kommen demnach auf Inseln und in Küstenregionen vor, so das Ergebnis einer großangelegten Studie eines internationalen Teams, an dem auch der Senckenberg-Wissenschaftler Dr. Hanno Seebens beteiligt ist. Weltweiter Spitzenreiter ist Hawaii, in Europa kommen die meisten gebietsfremden Arten in Großbritannien vor. Je stärker eine Region wirtschaftlich entwickelt und besiedelt ist, desto höher ist auch der Anteil gebietsfremder Arten, berichtet das Team aktuell in der Zeitschrift “Nature Ecology and Evolution”.

Das Grauhörnchen in Großbritannien, der Besenginster auf Neuseeland und die Wolfsbandnatter Lycodon capucinus auf den Weihnachtsinseln – alle haben etwas gemeinsam: Sie sind in ihrem jetzigen Lebensraum ursprünglich nicht heimisch. Wie viele andere Tier- und Pflanzenarten ist es ihnen – begünstigt durch menschliches Handeln gelungen – diesen neuen Lebensraum zu besiedeln.

Neue Forschungergebnisse belegen nun, dass auf Inseln und in Küstenregionen des Festlands die Anzahl solcher gebietsfremder Arten am höchsten ist. Den weltweiten Spitzenplatz hat Hawaii inne. Auf Platz zwei und drei der Gebiete, in denen weltweit die meisten gebietsfremden Arten vorkommen, liegen die Nord-Insel von Neuseeland und die Kleinen Sundainseln in Indonesien. Allein in Neuseeland besteht die Hälfte der Pflanzenwelt heute aus Pflanzen, die dort ursprünglich nicht heimisch sind. „In Europa hat sich in der Studie Großbritannien als Hotspot für gebietsfremde Arten herausgestellt; Deutschland liegt hingegen europaweit gesehen im Mittelfeld,“ erklärt der an der Studie beteiligte Dr. Hanno Seebens vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum.

Seebens und Forschende der Universität Durham, der Universität Wien, der Universität Konstanz, des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung sowie anderer Institutionen haben eine riesige Datenbank mit den weltweiten Vorkommen von acht Tier- und Pflanzengruppen außerhalb ihres Heimatgebiets erstellt. Damit wurde erstmals die Verbreitung von Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien, Fischen, Spinnen, Ameisen und Gefäßpflanzen auf 186 Inseln und 423 Regionen aller Kontinente dokumentiert.

Aus den Daten lässt sich auch ablesen, welche Faktoren die Ansiedlung und Ausbreitung gebietsfremder Arten begünstigen. „Wir fanden einen deutlichen Anstieg der Anzahl eingebürgerter Neobiota in dicht besiedelten Regionen sowie in Gebieten mit hoher ökonomischer Entwicklung”, so Dietmar Moser, der Zweitautor der Studie von der Universität Wien. „Der Grund dafür ist, dass diese Faktoren die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass der Mensch viele neue Arten in ein Gebiet ‘einschleppt’. Die dadurch mitverursachte Zerstörung von Lebensräumen begünstigt die Ausbreitung von gebietsfremder Arten. Inseln und Küstenregionen scheinen daher besonders anfällig zu sein, da sie im globalen Fernhandel eine dominierende Rolle einnehmen.”

Dass gerade Inseln, die früher isoliert waren, heute im Zentrum der Bioinvasion stehen, ist keineswegs unproblematisch. Viele der dort heimischen Arten kommen nur dort vor und sind untereinander stark aufeinander eingespielt. Außerdem gibt es wenige oder gar keine räumlichen Rückzugsmöglichkeiten. „Globalisierung befördert die Ausbreitung gebietsfremder Arten besonders auf Inseln. Die bisherigen Anstrengungen reichen nicht aus, um dem entgegen zu wirken. Deshalb müsen dringend effektivere gesetzliche Maßnahmen ergriffen werden”, resümmiert Seebens. Erfolgreiche Beispiele gibt es bereits: Neuseeland hat in den letzten Jahrzehnten umfassende Regelungen erlassen, um die Einschleppung gebietsfremder Arten zu verhindern und auf kleinen Inseln wurden in den letzten Jahren mehrfach nicht-einheimische Ratten entfernt. PM

Beitragsbild: Grauhörnchen: Kommt ursprünglich aus Nordamerika, heute weitverbreitet in Großbritannien. Hat dort großräumig das einheimische Europäische Einhörnchen verdrängt. Copyright: Tim M. Blackburn, University College London

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