Gänsemarsch in Schleswig-Holstein

Wildgänse sind charakteristisch für Schleswig-Holstein. Besonders eindrucksvoll ist die Brutzeit, wenn Elternvögel mit ihrem Nachwuchs unterwegs sind. Derzeit leben im nördlichsten Bundesland rund 6.300 Graugans-Familien. Gänse gehören zu Schleswig-Holstein wie der Wind und die Knicks. Besonders Graugänse erfreuen derzeit mit ihrem flauschigen Nachwuchs die Naturfreunde im ganzen Land. Wer Glück hat, sieht die Familien im „Gänsemarsch“ auf Nahrungssuche gehen – vorn und hinten die Elternvögel, die Küken trippeln in der Mitte. Aktuell ziehen rund 6.300 Paare ihren Nachwuchs im nördlichsten Bundesland auf, berichtete Jan Kieckbusch vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Bis vor wenigen Jahren brütete in Mitteleuropa nur die Graugans, während die anderen Gänsearten ausschließlich Rast- und Wintergäste in Schleswig-Holstein waren.

Heute brütet die Graugans (Anser anser) in fast allen Landesteilen. Ihre Nester baut sie an Seen, Weihern und Teichen auf kleinen Inseln oder im Röhricht, sagte der Ornithologe. Die Graugans gilt als Stammmutter unserer Hausgänse.

In Deutschland gehörte die Region um den Plöner See schon im 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten Brutplätzen der Graugans. Wegen intensiver Jagd, Eiersammeln und dem Fangen der Jungen lag der Bestand seinerzeit auf sehr niedrigem Niveau. Nur ganz langsam setzte in den 1950er und 1960er Jahren eine Wiederausbreitung und ab den 1970er Jahren auch eine deutliche Bestandszunahme ein. Anfang der 90er-Jahre war der Bestand auf über 1.500 Paare angewachsen. 1999 wurden etwas mehr als 3.000 Paare gezählt und der Bestand auf 3.200 geschätzt. „Besonders starke Zuwächse sind an der Westküste zu verzeichnen“ , sagte Kieckbusch.

Viele Graugänse bleiben mittlerweile das ganze Jahr über in Schleswig-Holstein. Sie fliegen seit Anfang der 1990er Jahre auch nicht mehr zum Mausern in die Niederlande oder nach Skandinavien, sondern sammeln sich zum Federwechsel in großen Gruppen im Juni und Juli im ganzen Land. Die größten Mauseransammlungen befände sich aktuell nördlich von St. Peter-Ording im Hauke-Haien-Koog sowie am Großen Plöner See, sagte Kiekbusch. „Durch die Ausbildung der neuen Mausertradition ist auch die Zahl der Mausergäste auf bis zu 30.000 Graugänse angewachsen. Bei milder Witterung bleiben auch in den Wintermonaten bis zu 25.000 Graugänse im Lande“, so der Ornithologe weiter. PM DJV

Bild: Graugänse vor einem Priel in Schleswig-Holstein, Copyright: SE

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