Freds Weg (II): Schweiss mit Schleppe

Schleppen zieht man eigentlich für den Apport, das Bringen des Hundes sowie das Arbeiten mit tiefer Nase. Deshalb lassen sich Schleppen auch sinnvoll mit der Einarbeitung auf Schweiß kombinieren.

Vier Wochen sind vergangen, ehe ich mich mit Markus, Anne, Nadja, Fred und Luca zum zweiten Mal treffe. Fred ist nun bereits 14 Wochen alt, stubenrein – und hat mit Anne seit unserem letzten Treffen offenbar ebenso geübt, wie Luca mit Nadja. Jedenfalls, so findet Ausbilder Markus, wird es nun mal Zeit, den Schwierigkeitsgrad bei der Einarbeitung auf Schweiß für beide Hunde zu steigern. Das betrifft aber nicht nur die Länge, sondern auch die Beschaffenheit und die Umgebung unseres heutigen Treffens. Zunächst mal fahren wir in ein kleines Waldstück mit lauter Stangenholz – lauter junge kahle Eichen stehen hier in Reih’ und Glied auf Laub übersätem Waldbodenbewuchs.

Die Eichenpflanzung ist ein idealer Parcours – Fred ist, wie immer, mit Feuereifer bei der Sache. Fotos: Frank Martini

Ein idealer Parcours, um Leinenführigkeit zu trainieren, denke ich. Doch heute sollen sich die Hunde nicht kreuz und quer durch die Eichenstangen bewegen, für die nächste Stufe, so Markus, reichen die schmalen Schneisen zwischen den Stangenreihen vollauf aus. “Im Prinzip haben wir ja schon beim letzten Mal auch den Grundstein für die spätere Schweißausbildung gelegt”, so Markus, “und da Nachsuchen auf Schalenwild in der Regel nicht auf gemähter Wiese stattfinden, kommen wir jetzt gleich mal auch landschaftlich näher an die Wirklichkeit.” Doch nicht nur bei der Übungsumgebung hat Markus heute hochgeschaltet – auch die Art der Übungen baut er nun sukzessiv aus.

Trainingsgeräte auf der Heckklappe des Pick-Ups: Dummy, Futter, Schweiß, Kreide. Fotos: Frank Martini

Nachsuche auf Kaninchen?

Wie beim letzten Treffen bereits angedeutet, kommt diesmal neben Futter und etwas Schweiß auch das Kaninchen zum Einsatz. Wobei die Wildart nicht zwingend ist – ebenso gut wäre auch ein Hase oder eine Ente denkbar. Wichtig ist Markus die Kombination verschiedener Geruchsreize, wie sie zum Beispiel auch beim Üben mit verschiedenen Wildaromen eingesetzt werden, um den Hund auf verschiedene Geruchsreize zugleich zu trainieren. “Das ist im Prinzip nix anderes, als diese ‘Multigeruchsprägung'”, so Markus. Für das schnelle Ausarbeiten einer Schleppe, das korrekte Aufnehmen, Bringen und Apportieren des Wildes ist es noch zu früh. Aber abgesehen davon, dass die Hunde hier nun etwas kennen lernen, das ihnen später bei der Schleppenarbeit wieder begegnen wird, geht es nun erst mal nach wie vor um die Wundspur.

… und ein ordentlicher Schluck Schweiß obendrauf: Markus schwört auf die Kombination von Wildaromen. Fotos: Frank Martini

Die Markus dieses Mal eben nicht mit Futter legt, sondern stattdessen einfach eine kurze, etwa 30 Meter lange Wildschleppe zieht. Und daneben gleich beim ersten Mal auch eine Schweißfährte tropft, und das alles unter den aufmerksamen Blicken beider Hunde. “Nur für den nächsten Schwierigkeitsgrad gleich im Anschluss”, grinst Markus.

Schleppe mit Schweiß – um auf den nächsten Schwierigkeitsgrad vorzubereiten. Fotos: Frank Martini

Und weil es bei dieser Einarbeitung um den Grundstein für die spätere Schweißarbeit geht, wird jeder Anschuss sorgfältig markiert: eine deutliche Bodenverwundung mit dem Stiefel, das Schleppwild darin gewendet, ordentlich Schweiß drauf – und los geht’s. Am Schleppenende legt Markus das Kaninchen einfach ab und geht aus der Gasse – das Zeichen für Anne, Fred jetzt anzusetzen.

Fred wird angesetzt. Fotos: Frank Martini

Nicht so verbissen, bitte: Für ein kleines Spielchen zwischendurch ist immer Zeit. Fotos: Frank Martini

An kurz gefasstem, aber bereits knotenfrei abgedocktem Riemen führt sie den kleinen Fred an den Anschuss, den sie ihm deutlich mit dem Finger verweist. Wie bereits vier Wochen zuvor, nimmt Fred nun auch die futterfreie Fährte neugierig an und zieht los. Anders als beim letzten Mal dagegen bleibt Anne nun zurück und lässt einfach den Riemen durch ihre Hände gleiten. Drei Meter lässt sie Fred nun allein vorausarbeiten.

Fred arbeitet zügig voraus… Fotos: Frank Martini

Der verweist hier mal ein wenig, verweilt dort mal, geht auch mal kurz von der Spur – zieht insgesamt aber recht zügig und bestimmt ans Ende der Fährte, an der er erst mal freudig das Kanin bewindet und versucht aufzunehmen. Sofort ist Anne bei ihm, nimmt ihn ab und lobt ihn überschwänglich. Der Fortschritt in der Entwicklung des kleinen DK ist unverkennbar.

… und nimmt bereitwillig das Kaninchen auf. Fotos: Frank Martini

Streicheleinheit: Verdientes Lob für den kleinen Kurzhaar-Rüden. Fotos: Frank Martini

Zeit für Tricks

Das findet auch Markus. Derweil Anna ihm das Kaninchen zurückgibt und Fred abträgt, zieht Markus erneut an gleicher Stelle eine identisch kombinierte Spur für Luca. Kaum erstaunlich, dass angesichts schon der Fortschritte Freds nun auch die Retrieverhündin gleich von dannen zieht. Nur zwei Schritte geht Nadja mit Luca mit, dann lässt sie den Riemen durch ihre Hände laufen und setzt sich erst wieder mit dem Riemenende in den Händen hinter ihrer Hündin in Bewegung. Nach nicht mal einer Minute hat Luca das Wild erreicht und freudig aufgenommen.

Luca ist schnell beim Kaninchen… Fotos: Frank Martini

… nimmt auf und wendet… Fotos: Frank Martini

… bringt. Fotos: Frank Martini

Entsprechend dem Entwicklungsunterschied beider Hunde ruft Nadja die Hündin zu sich heran, ehe sie ihr das Kanin abnimmt. “Super”, so Markus, “dann wird’s jetzt Zeit für fiese Tricks.” Er hat sich nun mit einem Stück Kreide bewaffnet. Zwar bleibt er, um keine zu großen Sprünge in den Schwierigkeitsgraden zu machen noch in der gleichen Gasse, die Hunde müssen mit ihren Führerinnen aber erst mal weg. Weil die Damen wie die Hunde das erneute legen der Spur nun nicht so gut verfolgen können, markiert Markus die Position des Anschusses mit der Kreide deutlich an einem der Stämmchen.

Kreidemarkierung. Fotos: Frank Martini

Anschuss legen, Schweiß rein, und los geht’s. Doch nach etwa zehn, 15 Metern hält Markus inne und malt eine weitere Markierung links der Schleppe an einen Stamm. Ehe er weitergeht, hebt er das Schleppenwild nun hoch und lässt es nicht mehr zu Boden! Auf weiteren 15 Metern wird jetzt nur noch Schweiß gespritzt – kein Kaninchenduft, keine Futterbröckchen, nichts mehr sonst! Nun wird es spannend. Anne nähert sich mit Fred als erste dem Anschuss, setzt ihren Hund zu Boden und weist ihm erneut den Anschuss. Bekanntes Spiel, scheint Fred zu denken, nimmt die Nase runter und legt sich in den Riemen. Kurz hinter der zweiten Markierung hält er verdutzt inne und blickt zu Anne, die sich nun nähert, zurück.

Fred und Anne auf der Fährte. Fotos: Frank Martini

Pendelt, gefolgt von seiner Führerin ein wenig herum, macht Anstalten, aus der Gasse zu gehen – und zieht plötzlich und unvermittelt wieder in deren Mitte mit tiefer Nase weiter. “Siehste? Kaninchen weg – aber den Schweiß gefunden und weiter auf dessen Duftspur!”, freut sich Markus.

Fred hat verstanden. Fotos: Frank Martini

Spielerische Belohnung am Stück. Fotos: Frank Martini

Fred hat verstanden, was er will: “Wenn ich meinen Hund ansetzte, hat er auch immer ein ganzes Duft-Konglomerat am Anschuss in der Nase. Es kommt nun zunächst nur drauf an, darauf mit tiefer Nase zu reagieren – und bei der Verfolgung auch nur eines einzelnen, vom Anschuss her bekannten Dufts zu bleiben!” Klar, denn auf späteren Nachsuchen werden auch andere Fährten die Spur mal kreuzen. Also kommt es darauf an, sich nicht verleiten zu lassen, sondern nur dem Duftreiz vom Anschuss beharrlich weiter zu folgen. FM

Fotos: Frank Martini

Beitragsbild: Fred am Anschuss. Fotos: Frank Martini

Ein Beitrag (Text und Fotos) von Frank Martini  www.wildhygiene.de

Bisher erschienen:

Teil 2: Altersgerechtes Arbeiten

Teil 1: Mit dem Welpen auf die Spur

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