Fred Weg II/2: Gegen Verleitungen

Schweiß auch ohne Kanin – das reicht selbst dem kleinen Fred nun, sich ohne den Schleppwildduft nur am Schweiß weiter voran zu arbeiten. Um so größer seine Freude, dass er am Ende der Spur natürlich wieder das abgelegte Kaninchen findet, das er nun mit erkennbar größerem Stolz aufmerksamkeitsheischend aufnimmt und Anne entgegenstreckt: “Sieh’ her, was ich für Dich gefunden habe!” “Mit der Kombination aus Futter, Schweiß und Schleppenwild schaffst Du eine gleichzeitige Prägung des Hundes auf mehrere Düfte, durch Wegnehmen einzelner begreift er, dass schon ein einziger der Schlüssel zum Suchenglück ist”, erklärt Markus: “Da kannst Du beinahe beliebig kombinieren und variieren, auch immer längere Fährten legen, in die Du irgendwann auch Haken einbaust. Hauptsache Du achtest drauf, dass der Hund verstanden hat, Duft in Verbindung dem Kommando Such heißt Nase runter und voran, so lange sich auch nur einer der Düfte weiter durchzieht.” Die Irritation, die entsteht, wenn einer der Düfte plötzlich fehlt, festige die Hunde nur darin, sich ein Element zur Not neu zu suchen und eben dies weiter zu verfolgen. Eine Unterscheidungsfähigkeit, die für die spätere sichere Nachsuchenarbeit ohne Verleitung bereits einen ersten Grundstein legt.

Fred auf der getupften Schweißfährte. Fotos: Frank Martini

Angesichts des Altersunterschieds von Fred und Luca kaum nötig zu erwähnen, dass auch die Retrieverhündin die ‘unterbrochene Schleppe mit Schweiß’ blind am langen Riemen voranbringt.

Luca wird angesetzt… Fotos: Frank Martini

… und los geht’s. Fotos: Frank Martini

Konzentriert arbeitet die Retriever-Hündin auf der Fährte. Fotos: Frank Martini

Und weil es schon beim ersten Mal so gut geklappt hat, Nadja sich das Kaninchen am Spurende nun auch auf ein paar Meter von Luca zutragen lässt. Klar hilft hier bei jungen Hunden noch die Kontrolle mit dem Riemen, auch ein selbständiges korrektes Setzen des Hundes und Halten des Wildes bis zum Kommando ‘Aus’ ist noch nicht gefordert. Aber für korrektes Bringen und den Apport sind mit dieser Übung ebenfalls schon Vorbereitungen zur weiteren einschlägigen Ausbildung gemacht.

Korrektes Setzen des Hundes und Halten des Wildes bis zum Kommando ‘Aus’ ist noch nicht gefordert. Fotos: Frank Martini

Fehlendes Futter

Nach dem bisherigen Verlauf ist Markus sicher, dass es nun auch ganz ohne Kanin und auch ohne Futter klappt. Von dem zumindest wird nur noch als Belohnung für ein kleines Häufchen ans Ende der neuen Fährten gelegt. Ansonsten nur noch Schweiß, dafür nun obendrein in einer neuen Gasse. Wiederum etwa 30 Meter weit geht Markus hier nach Präparieren des Anschusses, für die er in eine mit dem Stiefel erzeugte Bodenverwundung etwas Schweiß spritzt. Und erneut, ohne dass ihm die Hunde dabei zusehen können. Wieder ist Fred der erste Hund, der angesetzt wird.

Fred hat gefunden… Fotos: Frank Martini

Und inzwischen mit erkennbar selbstbewusster Routiniertheit seine Nase Annes Finger zum Anschuss folgen lässt, um sogleich von dannen zu ziehen. Zu ziehen, nicht zu stürmen, wohlgemerkt! Die Ruhe, das besonnene Vorgehen der Ausbilder, auch das anfängliche leichte ‘Einbremsen’ der Hunde bei überschüssigem Arbeitseifer, machen sich nun bezahlt. Beide Hunde nehmen die Spur mit tiefer Nase an und bringen sie zügig beharrlich, aber nicht übereilt, Meter um Meter voran. Genau so, wie man es sich als Ergebnis der späteren Schweißarbeit wünscht.

Zufrieden nach einem langen Übungstag: Nadja und Luca. Fotos: Frank Martini

Nur, dass sie am Ende dann ein Stück Wild finden werden, an dem sie sich – anders, als nun noch bei den ausgelegten Lammbröckchen – dann nicht ‘schadlos’ halten dürfen. Aber mit zunehmender Länge, immer schwierigerem Gelände, immer weniger Schweiß usw. ist die Ausbildung zur Nachsuche auch eine anspruchsvolle Angelegenheit, die sie erst viel später beherrschen müssen.

Nasenarbeit auf der Kunstfährte. Fotos: Frank Martini

Die Riemenarbeit wird erst mit der Schweißergänzungsprüfung oder der VGP verlangt, die Schleppenarbeit müssen sie erst zur Feld- und Wasserprüfung zeigen. Viel Zeit also noch zum weiteren Lernen und verfeinern. Aber eine Suche, die müssen die beiden Hunde bereits im kommenden Frühjahr auf der Prüfung zeigen. Und dabei gefundenes Wild möglichst auch Vorstehen.

Suche und Vorstehen

Zeit also, sich allmählich mit diesen Prüfungsanforderungen zu befassen. Die bislang vorgestellten Übungen lassen sich zwischendurch in unterschiedlichen Varianten und mit zunehmender Schwierigkeit weiter ausbauen. Dafür empfiehlt sich zunächst eine sukzessive Verlängerung und der Einbau ‘prüfungsgerechter’ Haken, ehe man Zug um Zug auch die gespritzte oder getupfte Schweißmenge auf das zulässige Maß minimiert. Doch dafür ist noch bis frühestens in den nächsten Herbst genug Zeit. Für den zeitigen Januar verabreden wir nun also einen Termin noch vor Beginn von Markus neuem Kurs. “Da weißt Du vorher nie, wie bunt die Truppe wird, wie alt die Hunde sind und ob und wie sie bereits gearbeitet worden sind.

Ausbilder Markus Koslowski. Fotos: Frank Martini

Mit seinen beiden besonderen Schützlingen, dem Kurzhaar von Anne und dem Retriever von Nadja will Markus zum Kursbeginn aber schon soweit sein, dass Fred und Luca dort möglichst ‘vorlegen’ können. Übungen für eine ordentliche Quersuche und das Vorstehen werden also Inhalt unseres nächsten Beitrags sein. Denn beide Damen streben einen möglichst frühen Termin für die Anlageprüfungen an. Derweil Anna Fred auf einer Derby, der Anlageprüfung des DK-Verbandes, vorstellen will, wird Nadja eine Verbandsjugendsuche, die Entsprechung zur ÖJGV-Anlageprüfung führen. Wir werden über das Prüfungsgeschehen berichten und darüber, wie sich die Hunde mit ihren Führerinnen dabei geschlagen haben. Denn das auf diese Prüfung folgende Programm hat es in sich – für die Feld- und Wasserfächer, die beide Hunde ebenfalls noch in diesem Jahr absolvieren sollen, wird noch ordentlich mehr zu lernen sein. Und zu lesen – damit Sie sich mit Ihrem eigenen Hund gleich in die weitere, hoffentlich erfolgreiche Prüfungsvorbereitung einklinken können. Und sehen, wie es Fred und Luca auf ihrem weiteren Weg ergangen ist.

Ein Beitrag (Text und Fotos) von Frank Martini  www.wildhygiene.de

Bisher erschienen:

Teil 3: Schweiß mit Schleppe

Teil 2: Altersgerechtes Arbeiten

Teil 1: Mit dem Welpen auf die Spur

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