Federspiele

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Der Falkner hat den Habicht auf der Faust. Das Frettchen ist in den Kaninchenbau eingeschlieft, in angemessener Entfernung kauert der Frettchenführer im Gras. Es ist ganz still, kein Wort, kein Hundelaut, kein ferner Schrotschuss beeinträchtigt die Stille – Beizjagd ist lautlose Jagd.

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Alle Beteiligten, Falkner, Greif und Frettchenführer, eint die fast atemlose Anspannung.

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Ein dumpfes unterirdisches Rumpeln in der Tiefe des Baus. Die trügerische Ruhe der Szenerie zerstiebt, als ein grauer Blitz aus einer Röhre des Baus schießt.

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Die Stille weicht dem Klingen der Bells, kleiner, an den Ständern des Habichts befestigter Glöckchen, als der Beizvogel zum Jagdflug startet. Mit sicherem Kopfgriff hat der Habicht das Kaninchen geschlagen.

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Mantelnd steht der Habicht auf der Beute.

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Der Falkner eilt hinzu, lässt den Habicht auf den Handschuh übersteigen. Dazu verdeckt er die Beute mit der Falknertasche und bietet dem Vogel einen Brocken Atzung auf dem Handschuh an. Die Beute lässt er derweil unauffällig in der Falknertasche verschwinden.

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Ist das Kaninchen nicht sofort verendet, so fängt es der Falkner mit dem Falknermesser ab. Dessen schlanke Klinge ist nur wenige Zentimeter unterhalb der Spitze scharf geschliffen, die restliche Schneide ist stumpf. So kann sich der Beizvogel beim Abfangen nicht an den Fängen verletzen.

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Oft genug entscheiden die grauen Flitzer das Duell jedoch für sich und verschwinden unverletzt in der nächsten Röhre. Es ist Jagd wie sie sein soll, nah an der Natur, dem Beutetier eine Chance lassend. Nach einem Fehlflug landet der Habicht entweder im Gras, wo ihn der Falkner wieder auf den Handschuh übersteigen lässt, oder er unternimmt einen kleinen Freiflug und baumt irgendwo in der Nähe auf. Dann lässt der Falkner das Federspiel kreisen, um den Habicht wieder einzuholen. Das Federspiel ist eine Beuteattrappe, ein an einer Schnur befestigter Flügel eines Fasans oder eines anderen Beutetiers. Manche Falkner verwenden anstelle des Federspiels auch einen Kaninchenbalg als Lockmittel. Die Beuteattrappen sind dem Habicht seit seiner Abrichtung vertraut, und da er sie mit der Aussicht auf Atzung in Verbindung bringt, bewegen sie ihn zur Rückkehr.

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Viele Falknerinnen und Falkner reisen mit Partner und Kindern an. „Wir legen Wert darauf, dass die Leute ihre Familie mitbringen“ erklärt Thilo Henckell, Vorsitzender des DFO-Landesverbands Hamburg. „Nicht nur, weil wir es nett finden, wenn abends alle zusammen sitzen, sondern weil es einen Ausgleich dafür schafft, dass der Falkner seine Familie schon öfter alleine lassen muss.“ Schließlich sollte der Vogel in der Jagdzeit von Oktober bis Februar optimalerweise jeden Tag fliegen. Das kostet Zeit, die insbesondere Berufstätige von der knapp bemessenen Zeit fürs Familienleben abknapsen müssen.

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Die Zeiteinteilung bei der Föhrer Beizjagd, die wir begleiteten, ist familienfreundlich geregelt: Man trifft sich um zwölf, fährt in die Reviere und jagt bis es dämmert, also bis etwa 17 Uhr. Da bleibt viel Zeit für den vormittäglichen Strandbummel. Bei der Betreuung von Hund und Frettchen werden alle eingebunden.

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Wenn auf Föhr ein Familienmitglied zu kurz kommt, dann ist es der Hund, hier der bei Falknern beliebte Epagneul Breton.

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Auf Föhr wird nämlich weniger in den Dünen gejagt, wo das Vorstehtalent des Bretonen gefragt wäre, sondern überwiegend an den langgezogenen Knicks. Das sind kleine, von den Kaninchen völlig durchwühlte Wälle, die die Felder vor Wind und Wetter schützen – ein Job für Frettchen.

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Fairer Ausgleich: Epagneul Breton beim Strandspaziergang.

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Falkner mit besendertem Habicht.

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Falke.

Text und Fotos: Stephan Elison

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