Falknerei ist immaterielles Kulturerbe

Nach Frankreich, Belgien, Österreich und Tschechien hat nun auch Deutschland die Beizjagd in die Liste immaterieller Kulturgüter aufgenommen. 83 Kulturformen hatten sich um Aufnahme beworben, 27 Bewerbungen waren erfolgreich, darunter Chorsingen, Deutsche Brotkultur, Flößerei, Vogtländischer Musikinstrumentenbau in Markneukirchen und Umgebung oder auch Köhlerhandwerk und Teerschwelerei. Die vollständige Liste findet sich hier. Deutschland setzt damit das Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes um, das von der UNESCO-Generalkonferenz am 17. Oktober 2003 verabschiedet wurde und am 20.April 2006 in Kraft trat, nachdem 30 Staaten es ratifiziert hatten. Die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) ist die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur. In Deutschland ist das UNESCO-Übereinkommen 2013 in Kraft getreten. Seitdem wird schrittweise ein Verzeichnis des hierzulande gepflegten immateriellen Kulturerbes erstellt.

Zur Falknerei heißt es auf der Internetseite der UNESCO:

“Falknerei, auch Beizjagd genannt, ist die Jagd mit abgerichteten Greifvögeln (Beizvögeln) auf freilebendes Wild in seinem natürlichen Lebensraum. Das Abtragen, also Zähmen und Abrichten, sowie Einjagen eines Beizvogels durch den Falkner bzw. die Falknerin ist ein sensibler Prozess, in dem der Greifvogel sich langsam und nur mit positiven Erfahrungen und Belohnungen an den Falkner gewöhnt. Der Falkner benötigt viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Da Greifvögel Bestrafungen nicht verstehen, werden sie zu keiner Zeit angewendet.

Obwohl die Kunst der Falknerei mindestens 3.500 Jahre alt ist, sind die Grundprinzipien beim Abtragen und bei der Beizjagd im Kern die gleichen geblieben, wobei der technische und medizinische Fortschritt, wie auch die ethologischen Kenntnisse der heutigen Zeit, eine dem modernen Tierschutzgedanken Rechnung tragende Praxis ermöglichen. Rechtlich sind in Deutschland von den heimischen Arten nur Habicht, Steinadler und Wanderfalke als Beizvögel zugelassen, die, abgesehen von Ausnahmen beim Habicht, von Falknern gezüchtet werden. Mit Ausnahme von Züchtern ist die Haltung auf insgesamt zwei Vögel je Falkner beschränkt. Zusätzlich zur regulären Jägerprüfung muss von den Praktizierenden eine spezielle Falknerprüfung erfolgreich abgelegt werden, um den Falknerjagdschein zu erlangen. Diese doppelte Prüfungspflicht besteht weltweit nur in Deutschland.

Auch die verwendeten Gerätschaften haben sich in den letzten Jahrtausenden kaum verändert. Aufgrund der hohen qualitativen und speziellen Anforderungen an diese Gerätschaften werden sie bis heute in Handarbeit hergestellt. Insbesondere die Herstellung von Bells (kleine Glöckchen) oder Hauben, die für das Bedecken des Kopfes zum Beruhigen von Beizvögeln dienen, ist aufwändig und erfordert großes Geschick und Erfahrung.

Das Erlernen der Falknerei als Kunstfertigkeit ist über ein alleiniges Theoriestudium nicht möglich, da es um den Umgang mit lebenden Tieren geht. Der Erfahrungsaustausch der Falkner untereinander und die Tradierung von Wissen und Erfahrung an künftige Generationen sind für den langfristigen Erhalt der Falknerei unerlässlich. Die meisten Falkner sind in Vereinen organisiert, wobei nicht alle Mitglieder aktive Falkner sind; nur etwa die Hälfte übt die Falknerei praktisch aus. Die Vereine fördern den Erfahrungsaustausch der Falkner untereinander. Gemeinsame Beizjagden, auch im Ausland und die Weitergabe und Verbreitung von falknerischen, ornithologischen und geschichtlichen Kenntnissen auf mündlichem und medialem Weg, unterstützen wissenschaftliche Projekte, leisten aktiven Greifvogelschutz und Öffentlichkeitsarbeit.”

Beitragsbild: Falkner, Copyright: SE

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