“Experten” erstaunt: Wolf kann springen

Update: Locker drübergehüpft – Bild veröffentlicht Wärmebild-Video des Wolfsrisses

Brandenburg: Wolf überwindet 1,60 hohen High-Tech-Zaun

Bei Streetz in Sachsen-Anhalt hat ein Wolf einen 90-Zentimeter-Zaun übersprungen, neun Schafe getötet und eins gefressen, es ist der dritte Angriff auf die Herden des Schäfers in kurzer Zeit. Der Sprung über den Koppelzaun “aus dem Stand” wurde von einem Jäger gefilmt, weshalb Faktenleugnung in diesem Fall keine Option darstellt. Die sog. “Experten” des Wolfskompetenzzentrums Iden sahen sich aufgrund dieser erstaunlichen (wenn freilich auch von vielen Schoßhunden locker zu übertrumpfenden) Leistung nun veranlasst, von einer “kleinen Sensation” zu sprechen,  wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtet. Denn eigentlich sei “der Wolf kein Springer.” Zwar seien die 90 Zentimeter für den Wolf “physisch keine Hürde”, doch “im Zweifelsfall würde er sich eher unter einem Zaun durchgraben, als ihn zu überspringen.” Wie locker und routiniert der Wolf über den Zaun setzt, ist in dem mit einer Wärmebildkamera aufgenommenen Video zu sehen, das die Bild-Zeitung veröffentlicht hat. Die Tatsache, dass z.B. in der Brandenburger Wolfsverordnung 90 Zentimeter hohe Zäune schon lange nicht mehr als ausreichend angesehen werden, oder für Nachtpferche in Frankreich mittlerweile gar drei Meter hohe Schutzzäune gefordert werden, wäre diesen “Experten” zufolge dann was? Aberglaube? So kann es nicht weitergehen: Wenn wir nicht riskieren wollen, dass das Wort “Wolfsexperte” endgültig zu einem Synonym für “Scharlatan” und “ideologisch motivierten Tatsachenverdreher” wird, muss etwas passieren. Zu fordern ist eine Qualitätsoffensive für Wolfsexperten.

Es müssen endlich rechtlich verbindliche Mindeststandards für Wolfsexperten gesetzt werden: Abgeschlossenes Hochschulstudium in einem Studienfach mit thematischem Bezug (Forstwirtschaft z.B. kann keinesfalls als ausreichend angesehen werden…), eine Mindestzahl von Veröffentlichungen zum Thema Wolf in angesehenen wissenschaftlichen Publikationen, praktische Erfahrungen im Umgang mit dem Wolf zum Beispiel durch Feldforschung oder Praktika bei einem Wanderschäfer müssten nachgewiesen werden. Zu erwägen ist darüber hinaus, dem “Wolfsexperten” den Status eines geschützten Berufsbilds zu verleihen, so dass dreiste Anmaßung und Hochstapelei gänzlich unqualifizierter Minderleister endlich geahndet werden können. Für die zu erwartende Vielzahl der durch diese Maßnahmen arbeitslos werdenden bisherigen sogenannten Wolfsexperten könnte man nach dem Vorbild der Medizinalhilfsberufe untergeordnete Qualifikationen à la Heilpraktiker schaffen. “Wolfsversteher” wäre als mögliche Bezeichnung in Erwägung zu ziehen. Die “Wolfsversteher” müssten in Rang und Ansehen deutlich unterhalb der bereits bestehenden “Wolfsbeauftragten” angesiedelt werden.

Wölfe überwinden High-Tech-Zaun

Im brandenburgischen Michelsdorf (Landkreis Potsdam-Mittelmark) ist ein 1,60-Meter hoher,  40 Zentimeter tief in den Boden eingegrabener sowie mit Elektrolitzen (eine davon 20 Zentimeter über dem Erdboden) gesicherter Zaun vom Wolf überwunden worden. So könnte “ein Militärobjekt beschützt sein”, schreibt die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ). Die Einzäunung der acht Hektar großen Weide wurde aus Steuermitteln mit 10.000 Euro gefördert, ein ortsansässiges Unternehmen beteiligte sich ebenfalls an der Finanzierung des High-Tech-Zauns.

Acht Schafe fielen dem jüngsten Angriff zum Opfer, die zur Beweidung der Fläche im Auftrag der Naturschutzbehörde des Landkreises gehalten wurden. Der Schäfer erklärte gegenüber der MAZ, er habe seinen Beitrag zum Artenschutz leisten wollen. Jetzt rüste er nur noch auf. Ob die Schafhaltung unter diesen Umständen aufrecht erhalten werde, sei fraglich. Der Wolfsbestand müsse reguliert werden. SE

Beitragsbild: Von Wolf gerissenes Schaf (Archivbild). Foto: SE

 

2 Gedanken zu „“Experten” erstaunt: Wolf kann springen

  1. Ronbi

    Zur Qualitätssicherung und Vertrauenswürdigkeit von sogenannten Wolfsexperten, trägt die Antwort auf die Frage bei: “Wes Brot ich ess.”
    Das kann man auch im übertragenen Sinn verstehen, denn wenn der Wolf des Wolfsexperten Kuscheltier ist, wird der Wolfsexperte von allem überrascht sein, was ein Wolf so drauf hat.

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