EU will Wolfsschäden zu 100 Prozent ersetzen

EU-Kommissar: Schutzstatus der Wölfe wird nicht angetastet

In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) hat EU-Agrarkommissar Phil Hogan angekündigt, dass die EU künftig sämtliche durch Wolfsangriffe entstehenden Kosten zu 100 Prozent übernehmen will. Bisher bekamen Weidetierhalter zwar die Kosten für die getöteten Tier ersetzt, wenn denn der Nachweis erbracht werden kann, dass der Wolf “als Verursacher nicht ausgeschlossen werden kann”. Herdenschutzmaßnahmen wie die Anschaffung von Herdenschutzhunden, Herdenschutzeseln oder speziellen Weidezäunen konnten aufgrund der Bestimmungen des EU-Beihilferechts bislang jedoch mit höchstens 80 Prozent gefördert werden. Bereits im November hatte die EU in Aussicht gestellt, dass diese Kosten künftig vollständig übernommen werden würden. Auf der Grünen Woche präzisierte Hogan am Freitag, dass der Steuerzahler nun auch für Tierarztkosten und die Aufwendungen für die Suche nach verlorenen Schafen aufkommen soll. Die Beihilferegeln würden entsprechend angepasst.

Zugleich habe Hogan klargestellt, dass “Brüssel nicht daran denke, den Schutz der Wölfe preiszugeben”, wie u.a. der Weser-Kurier berichtete.

Aufwand und Kosten für Herdenschutzmaßnahmen sind beträchtlich, wie das Blatt unter Berufung auf eine Schätzung des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) schreibt: Demnach müssten nur für den Schutz von Schafherden vor Wolfsangriffen in Deutschland “26.500 Kilometer Sicherheitszäune gezogen werden, was mit rund 16,5 Millionen Euro zu Buche schlägt. Für die Anschaffung der benötigten 17.150 Herdenschutzhunde würden weitere 51,4 Millionen Euro benötigt, hinzu kämen Ausgleichszahlungen für gerissene Tiere – das waren 2016 knapp 140.000 Euro – mit stark steigender Tendenz.

Ausgleichszahlungen für Wolfsschäden in Deutschland. Quelle: DBBW

In einer Pressemitteilung vom November 2018 erklärte das Bundesamt für Naturschutz: “Ein ausführlicher Bericht der wolfsverursachten Schäden, Präventions- und Kompensationszahlungen für das Jahr 2017 wird unter www.dbb-wolf.de veröffentlicht, sobald alle hierzu notwendigen Länderdaten vorliegen. Die Aktualisierung des Berichtes für das Jahr 2018 erfolgt Ende 2019.” Anfang 2019 scheinen die Zahlen für 2017 (!) immer noch nicht vorzuliegen, der aktuellste auf der entsprechenden Internetseite der DBBW abrufbare Bericht ist von 2016…

Berichte zu Prävention- und Nutztierschäden auf der Internetseite der DBBW, Screenshot v. 19.01.2019.

SE

Beitragsbild: Von Wolf gerissenes Schaf. Foto: SE

 

6 Gedanken zu „EU will Wolfsschäden zu 100 Prozent ersetzen

  1. Ralf

    Es geht hier nicht um Logik oder wissenschaftliche Erkenntnisse. Es geht um Lobbyarbeit für die Naturschutzverbände- und nichts anderes. Warum haben denn die beiden letzten Bundesumweltministerinnen keinen Hehl aus ihrer NaBu-Mitgliedschaft gemacht? Und- ach wie komisch- wurde der ex-NaBu-Vorsitzende Flasbarth Staatssekretär? Was für ein Zufall!

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  2. Andrea Seiler

    Arbeiten die womöglich noch immer mit dem völlig unbelegten ‘ungünstigen Erhaltungszustand??? Dabei sind die Wölfe seit 2002 nicht mal mehr auf der roten Liste.

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  3. Grimbart

    Wir brauchen eine Wolfssteuer! Die wird von denjenigen eingezogen, die den Wolf hier haben möchten. Wer nicht, tritt aus, wie bei der Kirchensteuer. Meine Steuergroschen sind mir zu schade für dieses Freilandexperiment.

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    1. admin Beitragsautor

      Vorsicht – in unserem Land wird das vermutlich ein Wolfs-Zwangsbeitrag, den alle entrichten müssen, die Meldeadresse haben…

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  4. Grandelschmied

    Schon wieder ein unvollständiger Ansatz. Wer erstattet denn den Schaden, der uns Jägern in der Wildpretvermarktung entsteht???

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