EU-Parlament stimmt für flexibleres Naturschutzrecht

Schutzstatus von Arten, die einen günstigen Erhaltungszustand erreicht haben, soll geändert werden – Management von Großprädatoren wie Wölfen wird damit ermöglicht

Mit einer überwältigenden Mehrheit von 612 Ja- gegen 33 Nein-Stimmen hat das Europäische Parlament gestern den Aktionsplan für Natur, Menschen und Wirtschaft (Action plan for nature, people and economy) angenommen. Der Aktionsplan ist Teil des sogenannten “Fitness-Checks” der EU-Naturschutzgesetzgebung, die in den vergangenen Monaten die EU-Institutionen beschäftigte. Der Dachverband der europäischen Jagdverbände, FACE, wertet die Abstimmung als Entscheidung für eine pragmatischere Herangehensweise der EU an den Naturschutz.

In dem Antrag heißt es unter Punkt 35: [Das EU-Parlament] stellt fest, dass Spezies, die in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie als besonders schutzbedürftig aufgeführt sind, in einigen Regionen Europas einen günstigen Erhaltungszustand erreicht haben und so andere Wild- und Haustiere gefährden, wodurch das natürliche Gleichgewicht des Ökosystems gestört wird, [das EU-Parlament] ruft die EU-Kommission auf, eine Bewertungsprozedur zu entwickeln, um zu ermöglichen, dass der Schutzstatus von Spezies in bestimmten Regionen angepasst werden kann, sobald der gewünschte Erhaltungszustand erreicht ist.

[Notes that species that are designated as requiring special protection in the Habitats Directive have in some regions of Europe attained good conservation status and could thus endanger other wild species and domestic animals, thereby disturbing the natural balance of the ecosystem; calls on the Commission to develop an assessment procedure to enable the protection status of species in particular regions to be amended as soon as the desired conservation status is reached;]

Und weiter unter Punkt 36: [Das Europäische Parlament] erinnert daran, dass die Koexistenz von Menschen und Großkarnivoren, insbesondere Wölfen, in bestimmten Regionen negative Auswirkungen auf die nachhaltige Entwicklung von Ökosystemen und bewohnten ländlichen Gegenden haben kann, insbesondere in Hinblick auf traditionelle Landwirtschaft und nachhaltigen Tourismus sowie weitere sozioökonomische Aktivitäten; [Das EU-Parlament] ruft die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten auf, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um diese Probleme anzugehen und die nachhaltige Entwicklung ländlicher Gebiete nicht zu gefährden, als auch die gegebene Flexibilität der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie anzuerkennen. [keine offizielle Übersetzung, Hervorhebungen und Übersetzung durch SE].

[36.  Recalls that the coexistence of people and large carnivores, particularly wolves, can have negative impacts in certain regions on the sustainable development of ecosystems and inhabited rural areas, particularly with regard to traditional agriculture and sustainable tourism, and on other socio-economic activities; calls on the Commission and the Member States to take concrete measures to address these issues, so as not to endanger the sustainable development of rural areas, while recognising the available flexibility within the Habitats Directive;]

FACE sieht diesen Beschluss als starke Bestätigung des EU-Parlaments, dass “einige Populationen von Großkarnivoren des strengen Schutzes durch EU-Gesetze dank erfolgreicher Schutz- und Managementmaßnahmen nicht mehr bedürfen. […that some populations of large carnivores no longer qualify for strict protection under EU rules – due to successful conservation and management.]

Desweiteren wird die EU-Kommission unter Punkt 39 aufgefordert anzuerkennen, dass angepasste Bejagung das anerkannte und bewährte Verfahren (best practice tool) zum nachhaltigen Management von Wasservögeln darstellt, die in ausreichend großer Populationen in der EU heimisch sind sowie zum Schutz jener, die im Rückgang begriffen sind.

[Calls on the Commission to consider especially adaptive harvest management as a best practice tool to sustainably manage those waterbird populations that are sufficiently abundant within the EU and to conserve those which are in decline.] SE

Beitragsbild: “Action plan for nature, people and economy” auf der Seite des EU-Parlaments (Screenshot)

 

 

 

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