EU-Parlament fordert “drastische Reduzierung der Kormoranbestände mit allen Mitteln”

Das EU-Parlament hat in einem Beschluss vom 12. Juni die EU-Kommission aufgefordert, “gemeinsam mit den Mitgliedstaaten Maßnahmen zu ergreifen, die die Kormoranbestände mit allen Mitteln drastisch auf ein derartiges Maß reduzieren, dass einerseits die Bestandserhaltung der Kormorane gewährleistet wird und andererseits keine Bedrohung für andere Artenentsteht und Schäden in den betroffenen Aquakulturen abgewendet werden.” Das EU-Parlament wies auf die schwierigen Lage von europäischen Fischern und Teichwirten hin, die “aufgrund von Räubern, wie Ottern, Fischreihern und Kormoranen, mit erheblichen Verlusten, die ihren gesamten Bestand betreffen, zu kämpfen haben; [das EU-Parlament] betont, dass diese Räuber auch den Laich von Zander und Karpfen töten und folglich die Zucht und die Reproduktion von Süßwasserfischen erheblich einschränken; fordert die Mitgliedstaaten deshalb auf, für Fischreiher und Kormorane von den geltenden Ausnahmeregelungen Gebrauch zu machen, und fordert die Kommission auf, den Erhaltungsstatus des Otters zu überprüfen und gegebenenfalls den Abbau und die Kontrolle der Bestände dieser Räuber zuzulassen.”

Der Deutsche Angelfischerverband und der Deutsche Fischerei-Verband begrüßen die Entscheidung des Europäischen Parlaments und erwarten von der EU-Kommission und der Bundesregierung jetzt umgehend Schritte hin zu einem tatsächlichen Bestandsmanagement beim Kormoran, heißt es in einer Pressemitteilung der Verbände: Während die Branche weltweit ein enormes Wachstum verzeichne, stagnier sie innerhalb der Europäischen Union und zeige in Teilbereichen sogar einen rückläufigen Trend. Besonders betroffen sei dabei die Fischzucht in Naturteichen, wo besonders massive Schäden durch geschützte Tierarten wie Kormoran, Reiher und Fischotter aufträten. Bereits im Jahr 2008 hat das Europäische Parlament die EU-Kommission zur Etablierung eines Bestandsmanagements für den Kormoran aufgefordert. Seither ist von der EU-Kommission in dieser Hinsicht nichts Substantielles unternommen worden, kritisieren die Angler- und Fischereiverbände.

Der Präsident des Deutschen Fischerei-Verbandes, Holger Ortel, sagt zu den Forderungen des Parlamentes: „Die bisherige Tatenlosigkeit von EU-Kommission und Bundesregierung angesichts der Kormoranschäden gefährdet die Existenz der naturnahen Teichwirtschaft in Deutschland und Europa. In den Teichgebieten existiert eine große Artenvielfalt, die von der Bewirtschaftung der Teiche abhängig ist. Geben die Teichwirte angesichts der finanziellen Einbußen auf, verlieren dadurch zahlreiche bedrohte Arten wichtige Lebensräume. Die Regulierung des Kormorans sollte so selbstverständlich sein wie die Regulierung von Schwarz- und Rehwild.“

Auch die Präsidentin des Deutschen Angelfischerverbandes, Dr. Christel Happach-Kasan, findet deutliche Worte: „Artikel 1 der Europäischen Vogelschutzrichtlinie sieht neben dem Schutz ausdrücklich auch Maßnahmen zur Bestandsregulierung vor. Voraussetzung dafür ist die längst überfällige Aufnahme des Kormorans in den Anhang II dieser Richtlinie. Ziel muss eine geordnete und grenzübergreifend koordinierte Bestandsreduzierung sein, wie sie das Europäische Parlament nun in einer noch nie dagewesenen Deutlichkeit einfordert.“

Der Vorsitzende der Kormorankommission, Stefan Jäger, sagt: „Die im Zusammenhang mit der Kormoranproblematik oft angeführte Selbstregulierung der Population ist Ausdruck eines realitätsfernen Wunschdenkens. Seit vielen Jahren verzeichnen wir massive Beeinträchtigungen der Fischfauna selbst in vergleichsweise kleinen Fließgewässern, deren Ursache nachweislich in den rasant angewachsenen Kormoranbeständen liegt. Die inzwischen vielerorts möglichen Vergrämungsabschüsse können nur dazu dienen, lokal akut gefährdete Fischarten zu schützen und kleinräumig wirtschaftliche Schäden zu vermeiden. Zu einer nachhaltigen Entspannung des Problems können sie nicht beitragen, denn der Kormoranbestand hat sich allein in Deutschland in den letzten zwanzig Jahren mehr als verfünffacht und liegt derzeit bei ca. 160.000 Kormoranen. Hinzu kommen ab dem Spätsommer die zahlenmäßig noch weit größeren Kormoranbestände aus den Brutkolonien entlang der gesamten Ostseeküste, die auf dem Weg in die Winterquartiere auch im deutschen Binnenland Station machen.“ Und Jäger weiter: „Daher fordern wir von der Europäischen Kommission und der Bundesregierung: Setzen Sie jetzt den Entschließungsantrag unserer demokratisch gewählten Vertreter im Europäischen Parlament zügig um. So können noch vor der Europawahl erste sicht- und messbare Erfolge für den Fischartenschutz erzielt werden.“

Beitragsbild: Beschluss des EU-Parlaments, der die Forderung nach einer drastischen Reduzierung der Kormoranbestände (z.B. Ziffern 38, 90, 91) enthält. (Screenshot)

Die Red. dankt JAWINA-Leser JS für den Hinweis!

2 Gedanken zu „EU-Parlament fordert “drastische Reduzierung der Kormoranbestände mit allen Mitteln”

  1. MH

    Der Abschuß von Kormoranen liefert aber keine schönen Bilder, die der jetzigen “Bundesregierung” doch so wichtig sind. Die Kormoranverordnungen der Länder bieten bereits Möglichkeiten, Kormorane zu reduzieren. Jedoch sind diese in der praktischen Umsetzung so eingeschränkt, dass nach wie vor keine wirkliche Verringerung stattfinden kann, und sicher auch nicht soll. Daran wird diese Forderung der EU nichts ändern. Denn wenige aus der Jägerschaft werden Zeit und Geld aufwenden, zur Korrektur eines Problems, welches vorsätzlich von anderen verursacht wurde. Die politisch Verantwortlichen werden die Fischer, die neben den anderen Tierarten den Schaden haben, weiterhin verhöhnen, solange sie in diesem Land an der Macht sind.

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    1. AG

      Danke, MH, für die klare und deutliche Schilderung der Realität. Dem ist nichts hinzuzufügen.
      Außer vielleicht: Politiker suchen ausschleißlich nach Macht.

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