“Es gibt keinen Grund, Blei in Jagdgeschossen zu verbieten”

Ein Kommentar von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel, ursprünglich veröffentlicht als Leserkommentar zum JAWINA-Betrag über die Novellierung des niedersächsischen Landesjagdgesetzes.

Es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund, Blei in Jagdgeschossen zu verbieten!

1. Obwohl jedes Jahr einige Seeadler an Bleivergiftung sterben, haben wir in Deutschland mehr Brutpaare als je zuvor (über 600), und das von den Vögeln aufgenommene Blei stammt keineswegs immer aus Jagdmunition.

2. Die EFSA (European Food Safety Authority – Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hat Zahlen zur Herkunft des Bleis veröffentlicht, das wir Menschen täglich aufnehmen. Nur 0,04% der Bleiaufnahme beim Menschen stammt aus Wildbret!

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Grafik: HDP, Quelle: EFSA

3. Im Median enthält Wildbret von mit bleihaltigen Geschossen erlegten Rehen nahezu die gleiche Menge Blei wie solches von Rehen, die bleifrei erlegt wurden, wie das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) festgestellt hat. Die hohen Ausreißer bei Wildbret von mit bleihaltiger Munition erlegten Rehen geht mit großer Wahrscheinlichkeit auf nicht sach- und fachgerechte Entfernung des Schusskanals und seiner Umgebung zurück bzw. auf zu geringe Sorgfalt bei der Gewinnung der vom BfR untersuchten Proben.

4. Kupfer als mögliche Bleialternative für Geschosse ist zumindest in aquatischen Ökosystemen wesentlich toxischer als Blei! Man darf insbesondere gespannt sein, welche Auswirkungen es hat, wenn kupferhaltige oder verkupferte Schrote in Gewässer gelangen.

5. Trotz vieler Beteuerungen der Protagonisten eines Bleiverbots lässt die Tötungswirkung mancher bleifreier Geschosse zu wünschen übrig, um es vorsichtig auszudrücken. Sehr lange Nachsuchen und langes Leiden von Stücken trotz bester Schüsse sind bei Verwendung verschiedener bleifreier Büchsengeschossen nach wie vor an der Tagesordnung. Muss das sein? Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Beitragsbild: HDP: “Der kupferne Wetterhahn kräht seit 22 Jahren auf unserem Dach. Wo der Regen vom Hahn abläuft wächst noch heute nichts an Algen, Moosen oder Flechten auf den Dachsteinen!”

 

3 Gedanken zu „“Es gibt keinen Grund, Blei in Jagdgeschossen zu verbieten”

  1. Anko

    Ich bin kein Fan von Verboten und meine, Bleigeschosse/ Bleischrote sind in Teilbereichen sinnvoll bzw. bei Schroten tatsächlich noch ohne bezahlbare gleichwertige Alternative. Aber einige der angeführten Argumente hakeln doch etwas bzw. werfen Fragen auf:

    “2. Die EFSA (European Food Safety Authority – Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hat Zahlen zur Herkunft des Bleis veröffentlicht, das wir Menschen täglich aufnehmen. Nur 0,04% der Bleiaufnahme beim Menschen stammt aus Wildbret!”

    Könnte das daran liegen, dass eben die wenigsten Menschen der untersuchten Gruppe kaum jemals Wild auf den Teller bekommen? Wenn dem so ist, würde der Anteil der Bleiaufnahme bei denen, die tatsächlich bleihaktig erlegtes Wildbret verzehren, zwangsläufig höher ausfalllen.

    Zu 3: “Die hohen Ausreißer bei Wildbret von mit bleihaltiger Munition erlegten Rehen geht mit großer Wahrscheinlichkeit auf nicht sach- und fachgerechte Entfernung des Schusskanals und seiner Umgebung zurück bzw. auf zu geringe Sorgfalt bei der Gewinnung der vom BfR untersuchten Proben.”

    “Mit großer Wahrscheinlichkeit heisst”, es ist nicht wirklich klar und eine noch abzuklärende Vermutung. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei mit bleikernigem *Zerlegungsgeschoss* erlegtem Wild das eine oder andere Fragment doch in die Nahrung gelangt, würde ich für nicht weniger wahrscheinlich halten. “Wahrscheinlich” sind bei der Blei(frei)Diskussion auch tatsächlich nur die Blei-Zerlegungs- und Teilzerelgungsgeschosse das Problem und damit zugleich die einzigen, deren Einsatz jedenfalls mir regelungsbedürftig erscheint.

    “5. Trotz vieler Beteuerungen der Protagonisten eines Bleiverbots lässt die Tötungswirkung mancher bleifreier Geschosse zu wünschen übrig, um es vorsichtig auszudrücken. Sehr lange Nachsuchen und langes Leiden von Stücken trotz bester Schüsse sind bei Verwendung verschiedener bleifreier Büchsengeschossen nach wie vor an der Tagesordnung. Muss das sein?”

    Untaugliche bzw. an der Brauchbarkeit vorbei eingesetzte Geschosse gibt es ebenso bei den Bleikerngeschossen. Nicht das Material, sondern die Konstruktion des Geschosses ist entscheidend. Und hier gibt es sehr gute Geschosse in beiden Lagern.

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  2. Grimbart

    Diese Schlacht lässt sich nicht mehr gewinnen. Das ist genau wie mit Amalgam als Füllungsmaterial für Zähne. Wirtschaftlich und haltbar, enthält aber Quecksilber. O Gott, das geht aber mal gar nicht. Die Belastung durch Lebensmittel ist um ein Vielfaches höher.

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