Erntejagd – Stand der Technik

Ein Gastbeitrag von Dr. Armin Freund

Wie einige bedauerliche Vorfälle bei Erntejagden jüngst gezeigt haben (Jawina hat darüber berichtet), hat sich anscheinend noch nicht ausreichend herumgesprochen, wie solche Jagden unter Sicherheitsgesichtspunkten durchgeführt werden müssen. Auch der alles entscheidende Punkt, Sicherheit muss stets vor Jagderfolg gegen, wird nicht ausreichend berücksichtigt. Hier deshalb ein paar Anhaltspunkte, zur Durchführung von Erntejagden, die den heutigen Sicherheitsstandards genügen.

Ein Jagdleiter muss alle Fäden in der Hand behalten. Er weist den Teilnehmern ihre Stände zu, führt die Sicherheitsbelehrung durch, erläutert den zeitlichen Ablauf und die Freigabe. Vorher hat er mit dem Landwirt die Jagd besprochen. Auch eine intensivere Absprache mit dem Häcksler- oder Mähdrescherfahrer unmittelbar vor Jagdbeginn ist notwendig. Dabei kann dann auch abgesprochen werden ob und wenn ja, wo und wann Schneisen in den Schlag gelegt werden. Der Jagdleiter hat auch Vorbereitungen getroffen, wie mit erlegten Stücken verfahren wird. Das ist bei Schwarzwild besonders wichtig, da Stücke leicht verhitzen können, wenn sie nicht rechtzeitig versorgt und gekühlt werden.

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Mobiler Ansitz auf einem Pickup. Jäger sind mit Sprechfunkgeräten ausgerüstet. Foto: privat

Jeder Jäger muss Signalkleidung (mindestens Signalweste und -hutband) tragen und im Besitz eines gültigen Jagdscheins sein. Kein Schütze steht auf dem Boden. Entweder werden Drückjagdböcke aufgestellt oder fahrbare Leitern benutzt. So können sich die Jagdteilnehmer ständig gegenseitig sehen. Im Idealfall sind die Jäger mit Sprechfunkgeräten ausgestattet, die so geschaltet sind, dass jeder Jagdteilnehmer jede Mitteilung mithören kann. Das ermöglicht den Jägern auf mobilen Ansitzeinrichtungen je nach Situation einen Ortswechsel während der Jagd, der allerdings stets mit dem Jagdleiter abzusprechen ist. Die Waffe wird erst nach Einnahme des Standes geladen und vor Verlassen des Standes wieder entladen.

Stark vergrößernde Zielfernrohre mit schmalem Gesichtsfeld sind für die Erntejagd denkbar ungeeignet. Günstig sind Zieloptiken, wie sie für die Drückjagd eingesetzt werden. Der Jagdleiter ist gut beraten, wenn er seine Jäger schon im Vorfeld dazu animiert hat, ihre Schießfertigkeit auf dem Stand oder im Schießkino zu überprüfen oder gegebenenfalls zu verbessern. Im raschen Ansprechen von Wild und im Flüchtigschießen ungeübte Schützen haben auf einer Erntejagd (und auch auf Drückjagden) nichts zu suchen.

Ganz wichtige Punkte, die meist nicht ausreichend angesprochen werden, sind die Einstellung und das Gefahrenbewusstsein der Schützen. Man muss bei einer solchen Jagd ständig und in allen denkbaren Situationen mit dem Erscheinen von Wild rechnen. Um dann die Entscheidung schießen ja oder nein treffen zu können, muss man sich ständig vergegenwärtigen, wo sind die Erntemaschinen, wo sind die Abfahrer des Ernteguts, wo sind Nachbarschützen, wo sind mögliche unbeteiligte Zuschauer, wo führt ein Straße in der Nähe vorbei, was ist auf der Straße los. Und sozusagen zu jeder Minute muss man dann beim Erscheinen von Wild einschätzen können, ob ein Schuss in die entsprechende Richtung verantwortbar ist oder nicht. Und hier gilt eben der oberste Grundsatz: Sicherheit geht vor Jagderfolg. Schützen, die beim Auftauchen von Sauen nur noch diese sehen und sorglos in alle Richtungen schießen, müssen vom Jagdleiter unverzüglich nach Hause geschickt werden. Auch der alte Grundsatz „was Du nicht kennst, das schieß nicht tot“ ist ganz wichtig. Erst wenn Wild ganz eindeutig angesprochen werden konnte, darf ein Schuss abgegeben werden.

Beitragsbild: Mobiler Ansitz mit Drehleiter. Foto: privat

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