Erleichterte Wolfsabschüsse: Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes passiert Bundesrat

Zusätzliche finanzielle Förderung für Weidetierhalter beschlossen

Der von der Bundesregierung formulierte Gesetzesentwurf zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes hat heute den Bundesrat passiert. Die Änderung soll das Töten von Wölfen, die gut geschützte Nutztiere wiederholt reißen, erleichtern und rechtssicher machen. Dieser Vorstoß ist bei den Bundesländern mehrheitlich auf Zustimmung gestoßen. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus, der die Anpassung des betroffenen Paragraphen 45 des Bundesnaturschutzgesetzes maßgeblich vorangetrieben hatte, sprach in seiner Rede von einem „wichtigen Tag“ für die Weidetierhalter in Mecklenburg-Vorpommern und in anderen „Wolfsländern“.

„Beim Wolf gibt es für mich drei Grundsätze. Erstens: der Schutz des Menschen steht an erster Stelle. Zweitens: der Wolf ist eine geschützte Art und ein beeindruckendes Lebewesen. Und drittens – und da sind heute weitergekommen: die Weidetierhaltung darf nicht unter der Rückkehr des Wolfes leiden. Nur ein Miteinander erlaubt nachhaltigen Artenschutz“, fasste Minister Backhaus seinen Standpunkt zusammen.

Er betonte, dass die Anpassung des Bundesnaturschutzgesetzes ein langwieriger Prozess gewesen sei, mit dessen Ergebnis er für den Moment zufrieden sei: „Die intensiven Abstimmungen insbesondere mit der Bundesregierung und einzelnen betroffenen Ländern haben sich gelohnt. Diese Gesetzesänderung erleichtert die Tötung von problematischen Wölfen und bietet höhere Rechtssicherheit. Das ist ganz wichtig. Es ist aber nur eine Zwischenetappe. Wir brauchen klare Leitlinien für ein nachhaltiges Wolfsmanagement und wir müssen offen und mit aller Sachlichkeit über die Frage des Erhaltungszustandes sprechen.“

Darüber hinaus sprach sich der Bundesrat für eine zusätzliche finanzielle Förderung von Weidetierhaltern aus. „Es ist gut, dass die Länder meine Initiative aufgegriffen haben, die Weidetierhaltung deutlich stärker zu fördern. Die Ertragssituation insbesondere der Schäferinnen und Schäfer ist sehr problematisch. Andererseits leisten sie einen erheblichen Beitrag für den Natur- und Artenschutz und für den Erhalt unserer Kulturlandschaft. Besonders in Regionen, in denen der Wolf etabliert ist, brauchen die Weidetierhalter eine gezielte finanzielle Kompensation für die tatsächlichen Mehraufwendungen, die z.B. durch Präventionsmaßnahmen entstehen. Dieser zusätzliche Beitrag ist wichtig und deshalb ist es heute ein guter Tag für die Weidetierhaltung in Deutschland“, kommentierte Backhaus.

Offizielle Zahlen der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf gehen für das Monitoringjahr 2018/2019 gegenwärtig von 73 Rudeln, 5 Wolfspaaren und 10 territorialen Einzeltieren in Deutschland aus. Betroffen sind in erster Linie die Länder Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, aber auch zunehmend Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Vor dem Hintergrund, dass das Thema für alle Bundesländer zunehmend relevant wird, forderte Minister Backhaus die Bundesregierung erneut dazu auf eine Managementstrategie für die gesamte Bundesrepublik vorzulegen. PM

Beitragsbild: Gesetzesentwurf zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes (Screenshot, Ausschnitt)

3 Gedanken zu „Erleichterte Wolfsabschüsse: Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes passiert Bundesrat

  1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Da bin ich dann mal gespannt, wie diese Erleichterung in der Praxis aussieht und wer sie realisieren soll. Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube, denn für die “höhere Rechtssicherheit” und die “klaren Leitlinien” schlägt unser föderales System in den grünen Landesparlamenten zu. Und was da rauskommt, wenn was rauskommt, das wissen wir wenn es rauskommt.

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    1. Chris

      Aber Backhaus hat es doch gesagt: Die Nutztiere stehen für ihn erst an dritter Stelle – NACH dem Wolf.
      Allein diese Äußerung macht doch deutlich, dass die Nutztierhaltung im aktuellen politischen Koordinatensystem allenfalls noch als Nebenbedingung vorkommt – so wie der Mensch nicht als Teil der Natur sondern als Störfaktor gesehen wird.

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  2. D. Seiler

    Vorausgesetzt, der Wortlaut ist so korrekt, dann fehlen doch Informationen:
    Ab welcher Herdengröße wird gefördert?
    Förderung ausschließlich in “Wolfsgebieten”?
    Das ist immer wieder die Crux. Beispiel: wir sind hier genau zwischen den drei ersten bekannten Rissen, aber außerhalb des Wolfsgebietes und bezahlen alles selbst. Der Wolf in Bad Wildbad wurde innerhalb eines halben Jahres zweimal nachgewiesen werden und hat sich damit quasi wohnhaft gemeldet.
    Hier sind zehn Durchzügler zwar zehn Wölfe, aber solange die keinen Meldezettel ausfüllen, nix zu wollen. Fazit: die Wölfe können sich ein halbes Jahr lang – oder länger, falls kein Nachweis gelingt – austoben bei Tierhaltern, die sich weitere Maßnahmen nicht leisten können. PRÄvention geht anders.
    Aber verbreitet wird immer wieder, dass es vorwiegend zu Übergriffen kommt, wo die Wölfe “neu” sind. Finde den Fehler.

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