Erlegerfotos: CIC und DJV fordern mehr Sensibilität der Jäger im Netz

Fotos erlegter Wildtiere treffen auf Unverständnis – ob erlegtes Reh oder aktuell eine Giraffe: Fotos von getöteten Wildtieren sorgen in sozialen Medien für Kritik an der Jagd.

Aktuell entbrennt in den sozialen Medien eine heftige Diskussion um das Bild der bekannten US-Jägerin Tess Talley, die in Siegerpose vor einer erlegten Giraffe steht. Das Bild stammt aus dem Jahr 2017 und wird nun von den Medien verwendet, da sich die Jägerin in einer US-Talkshow zu den Hintergründen der Jagd geäußert hat. Der Internationale Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) in Deutschland und der deutsche Jagdverband (DJV) appellieren an Jäger im In- und Ausland zu mehr Umsicht im Umgang mit Fotos im Internet und insbesondere in den sozialen Medien. „Es geht nicht darum, uns zu verstecken, sondern auch in Fotos Sensibilität und Respekt gegenüber nichtjagenden Mitmenschen zu zeigen. Wir wollen keine Zensur, aber wir brauchen den Dialog, wie wir die Jagd in der Öffentlichkeit künftig darstellen wollen. Da spielt es prinzipiell keine Rolle, ob es um das Foto einer erlegten afrikanischen Antilope oder eines heimischen Rehbocks geht“, so DJV-Pressesprecher Torsten Reinwald.

„Bilder wie das von Tess Talley mit ihrer Giraffe stoßen auf öffentliches Unverständnis, weil sie weder darstellen noch erklären, welchen positiven Beitrag die Jagd zum Einkommen vor Ort, im Kampf gegen die Wilderei oder für die Lösung von Mensch-Wildtier-Konflikten leistet“, so Stephan Wunderlich, Auslandjagdbeauftragter von DJV und CIC in Deutschland. Jagdfotos würden zudem von Jagdgegnern bewusst aus dem Kontext gerissen um die Jagd in Misskredit zu bringen. Der namibische Berufsjägerverband (NAPHA) hat reagiert und zusammen mit der Regierung Empfehlungen entwickelt. „Wenn die Jagd der Nahrungsversorgung von Angestellten oder lokalen Gemeinden dient, dann ist das ohne viel Aufwand fotografisch darstellbar. Und es ist allemal besser, als nur das Bild eines erlegten Tieres zu zeigen“, so Danene van der Westhuyzen, NAPHA-Präsidentin.

„Vom Erlegerfoto zur Schlagzeile“ war der Titel einer Podiumsdiskussion anlässlich der Jahreshauptversammlung des Deutschen Jagdverbands (DJV) vergangene Woche. Abzurufen ist die Diskussion hier. Unter dem Titel „Waidgerechtigkeit 2.0“ hat der DJV einen Verhaltenskodex veröffentlicht, der Jäger im Umgang mit den sozialen Medien sensibilisieren soll. Als Grundsatz für Film und Bild im Internet gilt die Frage: Würde man die Aufnahmen einer Freundin oder einem Freund ohne jagdlichen Hintergrund zeigen? Ist die Antwort „nicht unbedingt“, sind die sozialen Medien kein Ort dafür. PM

Beitragsbild: Aktuell entbrennt in den sozialen Medien eine heftige Diskussion um das Bild der bekannten US-Jägerin Tess Talley. Quelle: Screenshot Twitter @africlandpost/DJV

7 Gedanken zu „Erlegerfotos: CIC und DJV fordern mehr Sensibilität der Jäger im Netz

  1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Wenn die Amis mit Schnellfeuergewehren aus Helikoptern auf Wildscheine Jagd machen (youtube) zeigt das eine Mentalität, die uns (hoffentlich) fremd ist. Wenn diese Killermentalität als Ego noch über die asozialen Netze verbreitet wird, wird die Perversität sichtbar wie in USA Jagd verstanden wird. Wir verlangen heute von angehenden Jägern, dass sie unsere Begriffe von Jagdethik, Tierschutz- und Naturschutzgesetzen “runterbeten” können. Wer in Deutschland meint sich noch mit Waffe und Siegerpose auf oder hinter einem erlegten Stück Wild posieren zu müssen und dies noch bildhaft an die halbe Welt schickt, hat jegliches Gespür für Anstand entweder noch nicht gehabt oder verloren. Jagderfolg und -erlebtes ist vorrangig etwas persönliches und wenn ich einen guten Freund habe, lasse ich ihn noch daran teilnehmen – basta.

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    1. Robin

      Wildschweine gibt es erst in Nordamerika, seit der Weiße Mann dort ankam. Jetzt sind sie eine invasive Art. Es wird überlegt/probiert, Wildschweine zu vergiften. Da ist es doch besser die Massenverbreitung der Wildschweine mit Schnellfeuergewehren, auf Einzelschuß, zu bekämpfen.
      Die sogenannten Sozialen Medien sind alles, nur nicht sozial. Jeder darf darin seine qualifizierten und genauso unqualifizierten
      Ansichten verbreiten. Die Kontrolle ebensolcher Meinungsäußerungen ist mehr als spärlich.
      Aus unqualifizierter Ansicht, wird schnell ein sogenannter Shitstorm. Vor welchem die Politik, Einzelne und Verbände Angst haben.
      Es werden Erlegerfotos, auch Trophäenfotos genannt, kritisiert. Von Menschen, die offensichtlich so zartbesaitet sind, dass sie Erlegerfotos nicht ertragen, die aber das Grillen eines toten Hundes in der Öffentlichkeit, zum Zwecke des Protests gegen Fleischverzehr, gelungen finden.
      Wir sind also soweit, dass wir uns vor diesen Menschen verstecken sollen.
      Vor Menschen, die nichts dabei finden, das Schweineschnitzel aus der Tiefkühltheke zu nehmen und wenn sie Hardcore Veganer sind, sich nichts dabei denken, wenn sie lebendes, wenn auch pflanzliches verzehren.
      Die Konsequenz kann natürlich nur sein, keine Trophäenfotos mehr, keine ausgestopften Tiere mehr und das Atmen einstellen.
      Denn einerseits produziert Atmen CO2 und andererseits könnte man einem Lebewesen, die dringend benötigte Luft wegatmen.
      Ich halte nichts von Jagdtrophäen, von Trophäenschauen und von Trophäenfotos.
      Ich halte aber auch nichts davon, wenn irgendwelche, selbsternannten Sittenwächter andere, welche eine andere Ansicht vertreten, vor sich her treiben.

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    2. admin Beitragsautor

      Die Jagd auf feral pigs, die ja eher verwilderte Haussschweine als wirkliche Wildschweine sind, wird in den USA tatsächlich eher als Schädlingsbekämpfung verstanden. Daher wäre es verfehlt, daraus Rückschlüsse auf die Jagd in den USA oder das Verständnis der Jagd in den USA zu ziehen. Ich kenne US-amerikanische Jäger, von denen viele deutsche Weidmänner eine Menge lernen könnten. Und von einer wahrhaft demokratischen und freien Jagd wie in den USA, vielerorts noch in weitläufiger und weitgehend unberührter Wildnis, können wir in Deutschland nur träumen. Das Wissen, die Fähigkeiten und Kenntnisse, die man haben muss, um etwa in Alaska weitab von der Zivilisation zu jagen, dürften den meisten deutschen Jägern abgehen. Es steht uns nicht wirklich an, über amerikanische Jagd und Jäger die Nase zu rümpfen

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  2. Zündelnerlaubt

    Bilder von Menschen in Siegepose vor dem erlegten Tier gehören nirgends hin. Die Jagd ist kein Kampf. Dem erlegten Wild ist immer Respekt zu zollen auch wenn man verständlicherweise Freude über den Jagderfolg hat. Menschen in diesen Posen halte ich persönlich für sittlich unreif, da sie offensichtlich den Aspekt ein Leben genommen zu haben nicht hoch bewerten.
    Aber jedem das Seine, wir werden diese Bilder nicht verhindern und diese Leute werden weiter jagen und sie werden weiterhin nicht verstehen, warum viele über sie die Nase rümpfen und viele wegen ihnen die Jagd ablehnen.

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  3. RK

    @Carpe diem: Ich kann mich dem admin nur anschließen. Die Aussage “wird die Perversität sichtbar wie in USA Jagd verstanden wird” ist/klingt zu pauschal. Jagd ist in den USA sehr vielgestaltig und teilweise auch innerhalb der Bundesstaaten sehr unterschiedlich geregelt. Man hat den Eindruck, dass bisweilen die Waidgerechtigkeit noch größer geschrieben wird als hier. Es gibt sicher auch Formen der Jagd, die eher Richtung “Schädlingsbekämpfung” gehen (varmint, feral hogs, Kojoten). Das ist aber ein Einzelaspekt, wo ich nicht weiß, ob europäische Glanzleistungen wie das Vergasen von Gänsen in den Niederlanden (nach dem Jagdverbot) oder hierzulande Saufänge (die ja aktuell immer mehr promoted werden) oder Vernichtungsaktionen zulasten des Schalenwildes durch diverse öffentliche Forstbetriebe besser sind.
    Insofern sollten wir uns durchaus interessiert und offen/lernfähig anderen Ländern zuwenden, aber nicht die eigene Meinung (durch Sozialisation hier entstanden) als den alleingültigen Maßstab ansehen: Auch die deutsche Vorgabe beispielsweise, dass man für Jagd auf Hochwild keine Kaliber unter 6mm verwenden darf, ist so per se gesehen eine unnötige Einschränkung. In den USA und diversen anderen Ländern werden Sauen auch mit .223 gejagt und sterben auch nicht langsamer als hierzulande…

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    1. Zündelnerlaubt

      Ês wird immer das Negative gesehen, die von Ihnen angezeigten negativen Aspekte bzgl. Suafänge, Forst etc sind nicht öffentlich genug um sich darüber, auch in einer breiten Öffentlichkeit zu äußern. Leider Filmen die ihre Aktionen nicht und stellen sie auch nicht ins Netz, anders als Hubschrauberjagden, oder das Leeren großer Magazine auf Leoparden etc.
      Sollten hier Videos von der Erlegung von Sauen in einem Saufang auftauchen, werden die Jadgegner Hochkonjunktur und Massenzulauf bekommen.

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  4. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Jedes Land hat s eigene Jagdkulturen und je größer es ist, um so differenzierter können sie sein. In Bezug auf den eingestellten Artikel und die Außenwirkung der Bilder fallen mir die zutreffenden Worte von Helmut Kohl ein: “Es kommt drauf an was hinten rauskommt!”

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