Erfurt: Jäger erlöst alkoholkranken Waschbär

Zum Schluss war es nicht mehr schön mit Willi Waschbär: Betrunken torkelte er am Samstag über den Weihnachtsmarkt der Thüringer Hauptstadt, berauscht von Glühweinresten, die ihm zum Teil vermutlich von Leuten ausgegeben wurden, die so etwas lustig finden. Sternhagelvoll schwankte er zwischen den Besuchern des Weihnachtsmarkts umher und scherte sich einen Dreck darum, dass Passanten ihn filmten und fotografierten und die Bilder seines würdelosen Zustands in den sozialen Netzen veröffentlichten – Endstation einer Suchtkarriere. Schließlich schlief er unter einem Papierkorb an einer Straßenbahnhaltestelle ein. Dann wachte er nochmal auf, torkelte über die  Schienen und rieb sich in unzweideutiger Absicht am Fuß einer Passantin, brach den aufgrund fortgeschrittener Alkoholisierung untauglichen Versuch jedoch ab. Unverdientes Glück für den Säufer, dass MeeToo auf Waschbären bislang keine Anwendung findet. In einem Hauseingang wollte er seinen Rausch ausschlafen, dort wurde er dann weitgehend wehrlos von der Feuerwehr mittels Transportbox aufgegriffen.

Man wolle den Bär ins Tierheim bringen, hieß es. Doch dort kam er nie an, wie diverse Medien berichten. Stattdessen wurde die Transportbox auf einer Wiese abgestellt und geöffnet. Geh, sagten die Menschen, du bist frei. Wenig begeistert lief der überzeugte Stadtbewohner über die öde, keinerlei Annehmlichkeiten oder Amüsement versprechende Wiese – und damit in die Falle. Der Jäger schoss aus dem Hinterhalt, den Schrotschuss hörte Willi Waschbär nicht mehr. Er war auf der Stelle tot.

Der Jäger hatte den alkoholkranken Waschbär erlöst und war damit seiner gesetzlichen Hegeverpflichtung nachgekommen, die es gebietet, krankes und kümmerndes Wild unverzüglich zu erlegen. Die Natur wird es dem wackeren Weidmann danken, denn überdies ist – bzw. war – Willi Waschbär Angehöriger einer invasiven Art, die massiven Schaden unter einheimischen Arten anrichtet und dank ihrer Kletterkünste zahllose Nester und Spechthöhlen ausraubt. Trotz alldem werden jetzt Feuerwehr und Jäger von selbsternannten Pseudo-Tierschützern bedroht, womit diese Leute ihr seltsames, völlig fehlgeleitetes Verständnis (u.a.) von Tierschutz wieder einmal unter Beweis stellen. Wir wünschen Weidmannsheil… SE

Beitragsbild: Er starb brauchtumsgerecht – ein letztes “Raubwild tot” und einen Schluck aus der Flasche für Willi Waschbär. Foto: SE

10 Gedanken zu „Erfurt: Jäger erlöst alkoholkranken Waschbär

  1. Anko

    Kommentar des NABU Thüringen zum “Zwischenfall mit dem im Raum Erfurt geborenen Waschbären”:

    “Der Naturschutzbund (Nabu) Thüringen verweist derweil darauf, dass die Jagd auf Waschbären einer Sisyphusarbeit gleichkomme. Die Bestandsdichte des Waschbären „wird man nicht durch Bejagung dezimieren können“. Dabei spiele es keine Rolle, ob es um Waschbären gehe, die in der Stadt oder andernorts lebten, sagte Nabu-Sprecher Jürgen Ehrhardt. Die Tiere könnten Verluste durch eine erhöhte Fortpflanzungsrate wieder ausgleichen.”

    Das Übliche halt.

    Quelle: https://www.bild.de/regional/thueringen/thueringen-aktuell/darum-wurde-der-betrunkene-waschbaer-vom-weihnachtsmarkt-erfurt-getoetet-66580302.bild.html

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  2. RK

    Der Todesfall ist insofern bedauerlich, als Willi Waschbär eine wichtige didaktische Funktion erfüllt hat (welcher er am Schluss nicht mehr ganz gerecht werden konnte):
    https://www.lokalkompass.de/gladbeck/c-ratgeber/willi-waschbaer-hilft-beim-haende-waschen_a1030959
    Ein ehrendes Angedenken kann man unter Zuhilfenahme des folgenden Spieles zelebrieren:
    https://www.reich-der-spiele.de/kritiken/WillyWaschbaer

    Erstaunlich, welche Verbreitung dieses Neozoon auch in der virtuellen und Kinderwelt hat…

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  3. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Wäre doch ganz nett, wenn auch mal ein besoffener Wolf über den Weihnachtsmarkt liefe, dann könnte der NABU in seinem Kommentar den “Waschbären” gegen “Wolf” austauschen und blieb bei der Wahrheit. Und am Ende könnte es frei nach Wilhelm Busch ebenso heißen -doch immerhin und einerlei! Ein Flintenschuss ist schnell vorbei.

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  4. Ronbi

    Was ist eigentlich mit allen anderen volltrunkenen Besuchern, der Weihnachtsmärkte?
    Werden die vorläufig erschossen?
    Herr/Frau ???, wir haben eine vorläufige Erschießung für Sie.

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