Entschädigung für Jäger nach “missglücktem” SEK-Einsatz

Ein 22 Jahre alter Jäger aus Friesoythe (Niedersachsen, Landkreis Cloppenburg) war Anfang März bei einem SEK-Einsatz festgenommen und in die Psychiatrie eingewiesen worden. Angeblich sollte der Mann in sozialen Netzwerken einen “erweiterten Suizid” angekündigt und gedroht haben, seinen jüngeren Bruder und seine Frau zu töten. Bei dem Einsatz wurde eine Blendgranate gezündet, ein SEK-Beamter gab einen Schuss ab. Auch der Jäger schoss drei Mal in der Annahme, bei dem Zugriff um 3.20 Uhr nachts handele es sich um einen Einbruch. Es sei “reine Glückssache” gewesen, dass bei dem Einsatz niemand verletzt wurde, schreibt die NWZonline.

Nachdem die NWZ in der Berichterstattung zum Fall genüsslich gruselnd den leicht verwahrlosten Zustand des Hauses des vermeintlichen Täters geschildert (“Alte Reifen, Farbeimer, blaue Müllsäcke türmen sich vor dem kleinen Haus im Friesoyther Ortsteil Schwaneburgermoor. Drinnen ein ähnliches Bild: Wenig Möbel, auf dem Kleiderständer hängt etwas Wäsche. Die Haustür besteht längst nur noch aus einer Holzplatte…”) und besondere Gefährlichkeit des Legalwaffenbesitzers suggeriert hatte (“Dass bei dem Einsatz niemand verletzt worden war: reine Glückssache. In der Wohnung wurden eine Kurz- und eine Langwaffe gefunden…”) – nun die Kehrtwende:

Der Jäger, “der sich schwersten Vorwürfen ausgesetzt gesehen hatte”, sei “voll rehabilitiert”, meldet die NWZ. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg habe das Verfahren wegen versuchten Totschlags eingestellt und eine Entschädigung für die Untersuchungshaft angeboten. Was der Grund für die plötzliche Wendung ist, teilt die Zeitung nicht mit. Die Polizei, die den Jäger stundenlang observiert und ohne vorherige Kontaktaufnahme zugegriffen hat, verteidigte den Einsatz: Wegen der Schusswaffen des Beschuldigten habe man “umsichtig” handeln müssen. Der SEK-Einsatz sei erforderlich gewesen.

Der Fall verdeutlicht ein weiteres Mal die problematische polizeiliche Sonderbehandlung, der Legalwaffenbesitzer – auch bei Falschbeschuldigungen – regelmäßig ausgesetzt sind. SE

Beitragsbild: Kaputte Tür (Symbolbild). Foto: SE

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.