Einer muss ja schuld sein…

Tierquäler-Prozess gegen Jäger endet mit sofortigem Freispruch – Landwirt wegen Verleumdung angeklagt

Denkwürdige Szenen vor dem Landesgericht Innsbruck: Dort standen ein 62 Jahre alter Landwirt und ein “bekannter Jäger aus Osttirol” vor dem Richter, wie die Tiroler Tageszeitung (TT) berichtet. Es ging um einen Spitz. Einen acht Monate alten Spitz, genauer gesagt, den der Landwirt nicht loswurde, nicht einmal für 65 Euro fand sich ein Käufer für den bedauernswerten Junghund. Denn in der so rustikalen wie traditionellen Vorstellungswelt des Bauern hieß das: Der Hund muss weg. Dummerweise fragte wohl der Amtstierarzt bei einer Kontrolle des Hofes nach, wo denn der Hund geblieben sei. Tja, und da sollte es dann halt der Jäger gewesen sein…

Den habe er beauftragt, den Hund zu erschießen, dichtete der Landwirt:  “I zohl do nit fürs Einschläfern. Und ein Jäger darf des. Der derschießt doch übers Jahr einen Haufen streunende Hunde und Katzen!”, zitiert die TT den Mann der Scholle. Abgesehen von der zweifelhaften Auffassung von der Tätigkeit eines Jägers war dem Landwirt anscheinend entgangen, dass das Töten eines Wirbeltiers ohne vernünftigen Grund auch in Österreich verboten ist – wenn auch erst seit diesem Jahr.

Der Jäger verweigerte vor der Polizei zunächst die Aussage – was, wenn man nicht weiß, worum es überhaupt geht, sicherlich nicht die schlechteste Strategie ist – um vor Gericht dann aus der Haut zu fahren: “I glab’s nit, dass i jetzt do sitz. I bin seit 50 Jahr’ Jäger, aber so viel Dummheit hab’ ich noch nicht gesehen. A den Hund hab’ ich nie gesehen!”, schrie der Jäger, wie die TT zitiert – dankenswerterweise unter Beibehaltung der Original-Mundart und somit eine im heutigen Medienwesen selten erreichte atmosphärische Dichte erzielend.

Der erfindungsreiche Bauer ersann dann sogleich eine Alternativ-Todesart für den armen Hund: Wenn es der Jäger partout nicht gewesen sein wolle, dann sei, stimmt, jetzt fällt es mir wieder ein, der unverkäufliche Vierbeiner bedauerlicherweise einem “Rosstritt” zum Opfer gefallen. Unter einem strengen Blick von Strafrichter Norbert Hofer fiel auch diese Geschichte und die auf einer blühenden Fantasie aufgebaute Verteidigungsstrategie des Landwirts in sich zusammen: Kleinlaut gestand er schließlich, den Spitz mit seinem Bolzenschussgerät selbst ins Jenseits befördert zu haben.

Der Jäger wurde freigesprochen, der Landwirt muss sich demnächst wegen Verleumdung vor Gericht verantworten. SE

Beitragsbild: Zwergspitz. Autor: Pleple2000, Quelle Wikimedia, veröffentlicht unter der  GNU Free Documentation License

Ein Gedanke zu „Einer muss ja schuld sein…

  1. RK

    Immerhin (ohne die Tötung ohne vernünftigen Grund oder gar die Verleumdung entschuldigen zu wollen) hat sich der Mann von der Scholle eines Bolzenschussgerätes bedient. Mittlerweile sind ja weitere Methoden bekannt (von Hundefleischfestivals in China bis zu Lebendverbrennungen sowohl im arabischen Kulturkreis als auch in Osteuropa [Straßenköterentnahme]), die deutlich weniger tierschutzgerecht erscheinen als die “Verzweiflungstat” des Bauers. Wir jammern auf hohem Niveau 😉

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