Eine gute Zeit für Wölfe

Mehr Rudel, mehr Welpen, größere Territorien: Die aktuellen Monitoringberichte für Sachsen und Sachsen-Anhalt belegen die rasante Ausbreitung des Wolfs in Deutschland.

Verbreitung in Sachsen im Monitoringjahr 2014/2015:

In Sachsen wurden im letzten abgeschlossenen Monitoringjahr 2014/2015* zehn Wolfsrudel und ein territorialer Wolf nachgewiesen. Neun Wolfsterritorien liegen ganz im Freistaat Sachsen. Darüber hinaus sind zwei Territorien grenzübergreifend: Eines zu Brandenburg (SP) und ein weiteres zur Tschechischen Republik (HW). Drei Wolfsterritorien (AH, RZ und Z) haben nur zu einem kleinen Teil ihr Gebiet auf sächsischer Seite und werden daher in den Nachbarländern mitgezählt.

Entwicklungen im aktuellen Monitoringjahr 2015/2016

Im Laufe des Monitoringjahres 2015/2016 konnte in neun der bekannten sächsischen Wolfsrudel Nachwuchs bestätigt werden (DZ, DN, KH, LH, MI, NY, NO, RT, SP). Insgesamt konnten 33 Welpen nachgewiesen werden, wobei es sich dabei um Mindestzahlen handelt. Darüber hinaus hat südlich des Nieskyer Rudels im Bereich der Königshainer Berge eine weitere Reproduktion stattgefunden. Genetische Analysen ergaben, dass sich die ehemalige Kollmer Fähe mit einem unbekannten Rüden verpaart hat. Einer der Welpen wurde im Juni in den Königshainer Bergen tot aufgefunden, er starb im Alter von ca. 7 Wochen an einer Magen-Darm-Erkrankung.

Die Kollmer Fähe lebte ursprünglich mit dem besenderten Rüden „Timo“ (MT5) in einem Territorium im Gebiet um die Hohe Dubrau/ Kollmer Höhen, wo sie im Jahr 2013 mind. einen Welpen aufzogen (Kollmer Rudel). Nachdem Timo im Januar 2014 das Sendehalsband nach zweijähriger Sendezeit planmäßig verlor, verschwand das Kollmer Rudel aus ungeklärter Ursache noch im selben Jahr. Seit Winter 2014/15 wird das ehemalige Kollmer Territorium von den beiden benachbarten Rudeln (Nieskyer- und Daubaner Rudel) eingenommen. Die Lage und Größe des neuen Territoriums der ehemaligen Kollmer Fähe und ihrer neuen Familie ist unbekannt, insbesondere wie weit es sich von den Königshainer Bergen nach Süden und Westen erstreckt.

Da sich im Verlauf des Jahres 2015 auch westlich von Löbau bei Cunewalde (Landkreis Bautzen) Hinweise auf die Anwesenheit eines Wolfsrudels verdichten, stellt sich die Frage, ob dieses Gebiet noch zum Territorium des neuen Rudels der ehemaligen Kollmer Fähe gehört, oder sich westlich von Löbau bei Cunewalde ein weiteres Wolfsrudel neu gegründet hat. Auch im Bereich um die Gohrischheide im Norden des Landkreises Meißen liegen aus 2015 nach wie vor einzelne Nachweise und bestätigte Hinweise auf Wölfe vor. Im Rahmen des Monitorings soll weiter geklärt werden, ob sich Wölfe hier dauerhaft aufhalten.

Zur Klärung des Status in den Bereichen Königshain, Reichenbach, Löbau, Cunewalde, sowie Gohrischheide sind Hinweise aus der Bevölkerung sehr wichtig. Neben Sichtungsmeldungen sind insbesondere Hinweise auf Losungen (Wolfskot), Spuren oder Risse interessant. Günstig sind dabei Fotodokumentationen der Hinweise inklusive Größenvergleiche (Zollstock oder anderer Gegenstand z.B. Taschentuch).

Bitte melden Sie diese Hinweise zeitnah an das Landratsamt Ihres Landkreises, an das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland (Tel. 035727/ 57762, kontakt@buero-lupus.de) oder an das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ (Tel. 035772/ 46762, kontaktbuero@wolfsregion-lausitz.de).

Tote Wölfe:

Insgesamt wurden 2015 im Freistaat acht tote Wölfe gefunden. Fünf Wölfe starben bei Verkehrsunfällen, zwei Wölfe starben an natürlichen Todesursachen und ein weiterer wurde illegal geschossen (das Kontaktbüro berichtete).

Herdenschutz:

Im Jahr 2015 wurden dem sächsischen Wolfsmanagement insgesamt 56 Übergriffe auf Nutztiere gemeldet, bei denen der Wolf als Verursacher festgestellt bzw. nicht ausgeschlossen wurde. Dabei wurden 140 Nutztiere getötet, 11 sind vermisst und 17 weitere wurden verletzt. Es handelt sich um Schafe, Ziegen und Gatterwild (Damwild und Mufflon). In den meisten Wolfsterritorien waren keine oder nur geringe Schäden an Nutztieren zu verzeichnen. Die Schäden konzentrieren sich oft in Gebieten, wo Wölfe erst seit kurzem wieder ansässig sind und sich noch nicht alle Tierhalter auf die neue Situation eingestellt haben. Im vergangenen Jahr gab es die meisten Übergriffe im Territorium des Rosenthaler Rudels. Neben unzureichend geschützten Nutztieren wurden hier in einigen Fällen auch geschützte Tiere erbeutet, u.a. durch Überspringen von Zäunen.

Um dem entgegen zu wirken, wurden die dort ansässigen Schaf- und Ziegenhalter aufgerufen, ihre Schutzmaßnahmen zu überprüfen und ggf. zu verbessern (siehe PM des KB vom 14.09.15). Hierfür wurden 10.000 lfm „Flatterband“ (Breitbandlitze) inklusive der dafür erforderlichen Weidepfähle kostenfrei ausgeliehen und die Tierhalter bei Bedarf vor Ort in Sachen Herdenschutz beraten. Diese Maßnahmen waren offenbar erfolgreich, da seit nunmehr 3 Monaten keine neuen Übergriffe in diesem Gebiet gemeldet wurden. Wenn Wölfe wiederholt erfolgreich unzureichend geschützte Nutztiere töten können, lernen sie, dass diese deutlich einfacher zu erbeuten sind, als ihre natürlichen Beutetiere Rehe, Hirsche oder Wildschweine. Im Ergebnis dieses Lernprozesses kann es dazu kommen, dass Wölfe gezielt versuchen geschützte Nutztiere zu töten. Deshalb ist es wichtig, dass möglichst alle Schafe und Ziegen im Wolfsgebiet ausreichend geschützt werden.

Seit Anfang des Jahres 2015 haben Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im gesamten Freistaat Sachsen die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen zu 80% der Nettokosten fördern zu lassen. Dies wurde von zahlreichen Tierhaltern angenommen. So wurden 2015 insgesamt 386 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 305.260,90 € ausgezahlt. Durch den zeitlichen Vorlauf für Tierhalter in noch nicht vom Wolf besiedelten Gebieten können Schäden verhindert werden, bevor sie entstehen. *Im Rahmen des Wolfsmonitorings werden die erhobenen Daten jährlich basierend auf dem Monitoringjahr, nicht anlehnend an das Kalenderjahr, zusammenfassend ausgewertet. Das Monitoringjahr läuft jeweils vom 01. Mai eines Jahres bis zum 30. April des darauffolgenden Jahres. Der Zeitabschnitt umfasst ein biologisches „Wolfsjahr“, von der Geburt der Welpen bis zum Ende ihres ersten Lebensjahres. PM Büro Lupus

Monitoringbericht für den Wolf in Sachsen-Anhalt, Monitoringjahr 2014/2015

Im Monitoringjahr wurden insgesamt 1.963 Hinweise auf Wölfe aufgenommen und bewertet. Dies stellt eine erhebliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr mit 1.149 Hinweisen dar.
Der Bestandstrend gemessen an der Zahl territorialer Ansiedlungen ist weiterhin steigend. Es wurden sieben Rudel, zweiterritoriale Wolfspaare und ein territorialer Einzelwolf in Sachsen-Anhalt festgestellt. In zwei weiteren Gebieten besteht der Verdacht auf eine Ansiedlung. Die Rudelterritorien liegen teilweise im Grenzbereich zu den benachbarten Bundesländern Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen.

Als Populationsgröße wird europaweit einheitlich die Anzahl erwachsener, geschlechtsreifer Tiere (Alter > 2 Jahre) innerhalb der territorialen Ansiedlungen herangezogen, da nur diese Tiere für die Reproduktion in Frage kommen. Im Monitoringjahr 2014/2015 wurden 22 adulte, geschlechtsreife Wölfe inner-halb der Rudel nachgewiesen, im Vorjahr waren es noch 16. Darunter sind neben den Elterntieren der Rudel auch einige ältere Tiere aus früheren Würfen (z.B. Rudel Altengrabow).

Abgenommen hat hingegen die Zahl der Welpen. Im Jahr 2014 wurden mindestens 25 Welpen (2013: 29 Welpen) geworfen und aufgezogen. Insgesamt wurde zum Ende des Monitoringjahres innerhalb der territorialen Ansiedlungen eine Gesamtzahl von 64 Wölfen aller Altersklassen nachgewiesen. Weitere Wölfe durchwanderten das Land, ohne sich dauerhaft anzusiedeln. Die Anzahl dieser nicht residenten Wölfe kann nicht seriös geschätzt werden und bleibt bei der Populationsgröße unberücksichtigt, da diese Tiere nicht zum reproduzierenden Bestand gehören. Zwei Wölfe wurden im Monitoringjahr Verkehrsopfer an Straßen in Sachsen-Anhalt, darunter ein Welpe.

Genetische Untersuchungen sind ein wichtiger Bestandteil des Monitorings. Durch Analysen des Senckenberg-Instituts für Wildtiergenetik in Gelnhausen im Auftrag des Landesamtes für Umweltschutz wurden von 2008 bis April 2015 insgesamt 88 Wölfe individuell genetisch nachgewiesen. Für etliche dieser Tiere konnten Herkunft und Verwandtschaftsverhältnisse ermittelt werden, bei einigen Rudeln bzw. Individuen ist dies vorerst noch nicht möglich. Es gibt keine Hinweise auf Hybridisierung mit Haushunden, alle Tiere gehören zur zentraleuropäischen Flachlandpopulation.

Der Bericht steht unter folgendem Link zum Download zur Verfügung: http://www.lau.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MLU/LAU/Naturschutz/Grossraubtiere-Wolf/Dateien/Bericht_Wolfsmonitoring_2014_2015.pdf. PM LAU Sachsen-Anhalt

Beitragsbild: Wolfsvorkommen in Sachsen (Monitoringjahr 2014/2015). Die Darstellung der Territorien ist schematisch. Tatsächlich grenzen die einzelnen Territorien überall aneinander oder überlappen sich teilweise. Angrenzend an das sächsische Wolfsgebiet gibt es auch in Brandenburg und Polen weitere Wolfsterritorien. Schraffiert gekennzeichnet sind Gebiete in denen der Status unklar ist (Gohrischheide und Raum Löbau/Zittau). Copyright: LUPUS

3 Gedanken zu „Eine gute Zeit für Wölfe

  1. Gottfried Schnurr

    Die kantonalen Wolfskonzepte der Schweiz bauen auf dem „Konzept Wolf Schweiz“ auf. Es sind verbindliche Leitlinien (kantonale Vollzugshilfen) für alle Fragen im Umgang mit dem Wolf.

    Das vom Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) erarbeitete „Konzept Wolf Schweiz“ legt die Rahmenbedingungen fest, welche die Koexistenz von Mensch und Wolf ermöglichen sollen. Es legt unter anderem auch die Erteilung von Abschussbewilligungen fest. Das Schema unterteilt das Verhalten der Grossraubtiere in «unbedenklich», «auffällig», «unerwünscht» und «problematisch». In letztere Kategorie fallen sieben Verhaltensarten, die einen Abschuss rechtfertigen:

    1. Der Wolf taucht mehrfach während der Aktivitätszeit des Menschen (6 bis 22 Uhr) in einer Siedlung auf.
    2. Der Wolf folgt dem Menschen trotz dessen Versuchen, ihn zu vertreiben.
    3. Der Wolf nähert sich zwischen 6 und 22 Uhr in offenem Gelände Menschen an und bleibt mehrere Minuten in einer ­Distanz von weniger als 50 Metern.
    4. Der Wolf nähert sich zwischen 6 und 22 Uhr in einer Siedlung dem Menschen an und lässt sich nur schwer vertreiben.
    5. Der Wolf nähert sich dem Menschen mit Hunden an und reagiert mit Drohverhalten oder Angriff auf die Hunde.
    6. Der Wolf tötet einen Haushund in ­einer Siedlung.
    7. Der Wolf reagiert unprovoziert aggressiv auf den Menschen – mit Drohgebärden oder einem Angriff.

    Die aktuellen Monitoringberichte für Sachsen und Sachsen-Anhalt belegen die rasante Ausbreitung des Wolfs in Deutschland (https://www.jawina.de/?p=9462).

    So sehr ich auch persönlich ab und an eine aufrichtige Empathie für den Wolf nachempfinden kann, so wenig Verständnis halte ich da für angebracht, wo sich das Engagement für die Reintegration des Wolfs in Deutschland für Mensch und Wolf kontraproduktiv auswirkt. Die aktuelle Gefahrenlage läßt meines Erachtens den Schluß zu, dass wir uns in einem Zustand befinden, wo es jederzeit auch zu einem rabiaten Übergriff des Wolfes auf den Menschen kommen kann. Daran ändern auch die Auffassungen diverser fanatischer Wolfsbefürworter mit verharmlosenden Kampagnen nicht das geringste.

    Müssen wir in Deutschland wirklich erst wieder abwarten bis es nach einem Übergriff des Wolfes auf den Menschen, und hier dann bevorzugt auf Kinder, zu ernsthaften Folgen gekommen ist ? Ich hoffe nicht !

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    1. haberzettl frank

      Ja, es ist nur eine Frage der Zeit. Der Wolf (und der Bär) wurde nicht umsonst ausgerottet. Illegaler Abschuss kann als Notwehr bezeichnet werden. Wie bei Kampfhunden, die bevorzugt immer kleine Kinder reißen, wird es auch beim Wolf kommen. Unlängst erzählte mir eine rumänische Bekannte, dass in Rumänien oft Vorfälle mit Menschen und Bären gegeben sind – zuletzt wurden drei angefallen, einer tot und 2 schwer verletzt. Warum glauben die verantwortlichen kranken Gehirne, dass es bei uns nicht dazu kommen wird. Sicher machen wieder viele eine Geschäft dabei, dass es unbedingt wieder Raubtiere bei uns geben soll. Kann man nicht mehr die Bevölkerung mobilisieren ? Aber die ist wohl auch blöd genug…

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