“Ein Minister auf dem Irrweg”

Deutsche Wildtier Stiftung kritisiert die Verlängerung der Jagdzeiten in Mecklenburg-Vorpommern

Mit Beginn des neuen Jagdjahres am 1. April wird Mecklenburg-Vorpommern mit die längsten Jagdzeiten in Deutschland haben (JAWINA berichtete). Ob die Verlängerung der Jagdzeiten das richtige Mittel ist, um überhöhte Wildbestände abzubauen, stellt die Deutsche Wildtier Stiftung in Frage, so der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung, Hilmar Freiherr von Münchhausen.

Mit der neuen Verordnung beginnt die Jagdzeit auf Jährlinge beim Rot-, Dam- und Rehwild bereits am 16. April und soll bis zum 31. Januar andauern. „Die Deutsche Wildtier Stiftung begrüßt einen früheren Beginn der Jagdzeit auf einjähriges Rot- und Damwild, jedoch erst ab dem 1. Mai.“ Der Rehbock ist nach der neuen Regelung 9,5 Monate zum Abschuss freigegeben. Das ist ein Negativrekord, den Mecklenburg-Vorpommern im bundesweiten Vergleich erreicht. „Das Management von Wild in unserer Kulturlandschaft und die Reduktion hoher Wildbeständen sind anspruchsvolle Aufgaben, die weit über das Totschießen von Wildtieren hinausgehen“, so Münchhausen. „Der Fokus auf die Verlängerung der Jagdzeiten bringt nicht die notwendigen Erfolge, wenn nicht alle jagdlichen Mittel vorher ausgeschöpft werden. Verlängerte Jagdzeiten führen zu mehr Störungen der Wildtiere mit der Konsequenz von scheuem Wild, das in den Wäldern steht und dort Bäume verbeißt.“

Der zuständige Minister ignoriert mit seiner Entscheidung sowohl wildbiologische Erkenntnisse als auch die Einwände des Landesjagdverbandes. Er vertritt einseitig die Interessen von Privatwaldbesitzern und der Landesforst und vermittelt, dass hohe Wildbestände alleine durch längeren Jagddruck reduziert werden können. Die Praxis zeigt aber, dass der hohe Abschuss von Rot-, Dam- und Rehwild auch innerhalb einer kurzen Jagdzeit gelingen kann. „Auf dem Gutsbetrieb der Deutschen Wildtier Stiftung werden 65 Prozent des gesamten Jahresabschusses im August und September und damit in zwei Monaten erreicht. Im Januar herrscht Jagdruhe und wir werden auch im April nicht auf Rot- und Rehwild jagen“, betont Münchhausen. PM

Beitragsbild: Nur ein totes Reh ist ein gutes Reh… Foto: SE

6 Gedanken zu „“Ein Minister auf dem Irrweg”

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    So wildfeindlich die geänderten Jagdzeiten in MV sind, in einem Punkt irrt Herr von Münchhausen. Der Beginn der Jagdzeit am 16. April kann nicht im Interesse von Privatwaldbesitzern und der Landesforst liegen. Wird das gerade aus der Winterdepression kommende Wild, das sich auf Freiflächen gierig auf das frische Grün stürzt, um seine Energiespeicher aufzufüllen, von dort durch zu zeitige Bejagung vertrieben, muss es notgedrungen im Wald zu Schaden gehen. Wird das Wild, das gerade seine Organe und seinen Stoffwechsel auf Wintersparbetrieb umgestellt hat, im Januar durch Jagd, insbesondere durch Bewegungsjagden, gestört, wird es wegen seines dadurch gesteigerten Energiebedarfs ebenfalls notgedrungen zu Schaden gehen müssen. Das kann doch nicht im Interesse von Waldbesitzern liegen, oder? Warum ist es anscheinend so unendlich schwer, diesen Zusammenhang zu begreifen und darauf adäquat jagdlich zu reagieren?

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  2. Enok1969

    Lieber Herr Professor. Herr Münchhausen spricht von 1. Mai. Da geht bei uns im Revier DVO-widrig die Bockjagd auch auf.

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  3. Waldjäger

    Die Synchronisation war längst überfällig und bietet den Jägern mehr Freiheiten auf die Aktivitäten des Wildes bei sich im Revier einzugehen. Ab Mai sieht man im Wald nichts mehr und die angrenzenden Feldjäger schießen das Wild zu Holze. Die wildbiologischen Argumente ergeben durchaus Sinn aber werden zu oft nur vorgeschoben um eine erfolgreiche Freizeitjagd zu erhalten. Reagiert man nun mit rechtlichen Änderungen um im Wald effizient zu jagen damit die Bestände reduziert werden, bekommen alle die Krise, die an überhöhten Wildbeständen interessiert sind.

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    1. Dr. Wolfgang Lipps

      Hallo Waldjäger,
      ich jage in Brandenburg seit 1992 und habe viele Jahre lang dem Vorstand meiner Hegegemeinschaft angehört, war ebenfalls viele Jahre lang Dozent für Jagdrecht an der HNE Eberswalde, und kenne die Verhältnisse recht gut. Mein Eindruck: es gibt überhöhte Schalenwildbestände, aber häufig territorial begrenzt und oft nicht so gravierend, wie sie als pauschales “Totschlagargument” von der Forstpartie gern verwendet werden. Es gibt auch Jäger, die an hohen (vielleicht sogar überhöhten) Wildbeständen interessiert sind. Aber dennoch kann man diesen Mißständen mit dem bislang geltenden Jagdrecht gut begegnen, ohne zu rechtswidrigen Mindestabschüssen, wildschädlichen Schonzeitmanipulationen oder anderen Tricks (Verkürzung des Mutterschutzes bei Sauen usw.) zurückgreifen zu müssen.

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  4. Frank

    Mecklenburg-Vorpommern? Kommt da nicht unsere Kanzlerin her? Und so „hoffnungsfroher“ Politnachwuchs wie dieser Philipp Amthor?

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