DVO Jagd: LJV ruft zu Boykott von Jagden im Landeswald auf

“Vehement wehrt sich der Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) gegen Alleingang der Jagdbehörde”, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes. Darin heißt es: “Ein Entwurf der Verordnung zur Durchführung des Jagdgesetzes für das Land Brandenburg (DVO Jagd) liegt nach nur zwei Beratungen des Jagdbeirats Mitte und Ende April dem zuständigen Landtagsausschuss zur Kenntnisnahme vor. Die DVO Jagd ist, neben dem Landesjagdgesetz, eine der wichtigsten Grundlagen für die Ausübung der Jagd.

Inhaltlich an vielen Stellen durchaus mit gehörig Diskussionsbedarf und voller Regelungen, welche wildbiologische Erkenntnisse außer Acht lassen – genannt sei nur die Verlängerung der Jagdzeiten für diverse Schalenwildarten – blieb jedoch die Einbeziehung der Jagdausübenden, der Brandenburger Jägerinnen und Jäger qua „Maulkorberlass“ und den zusätzlich hohen zeitlichen Druck faktisch aus.

Das erweiterte Präsidium des Landesjagdverbandes Brandenburg, bestehend aus Vertretern der Jagdverbände, trat nun Anfang dieser Woche zu einer außerordentlichen Sitzung kurzfristig zusammen, um diese Vorgehensweise intensiv zu diskutieren. Einstimmig ist man zwar hier zu dem Ergebnis gekommen, den Entwurf, nicht zuletzt auf Grund der politischen Gesamtlage, trotz erheblicher Vorbehalte mitzutragen.

Dennoch wird vom Landesjagdverband Brandenburg dieser Alleingang so nicht akzeptiert! Seinen Unmut über die Vorgehensweise hat der Jagdverband der Regierung über den zuständigen Minister bereits zum Ausdruck gebracht.

Geht der Schuss nun für die Landesforst nach hinten los?

Denn der LJVB wird seinen Mitgliedern empfehlen, nicht an den Jagden derjenigen Landeswaldoberförstereien teilzunehmen, welche die neuen Regeln der DVO Jagd intensiv umsetzen und nutzen. Dann könnte es doch tatsächlich schwierig werden, die geplanten Abschusszahlen zu erreichen und die ungeliebten Cerviden aus den heimischen Wäldern zu verbannen – zum Wohle der Weidgerechtigkeit!” PM

Beitragsbild: Erlegte Forstschädlinge. Foto: SE

2 Gedanken zu „DVO Jagd: LJV ruft zu Boykott von Jagden im Landeswald auf

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Zitat aus Wikipedia: “Im akuten Krankheitsstadium treten bei schizophrenen Menschen eine Vielzahl charakteristischer Störungen auf, die fast alle Bereiche des inneren Erlebens und Verhaltens betreffen, wie Wahrnehmung, Denken, Gefühls- und Gemütsleben, Willensbildung, Psychomotorik und Antrieb.”
    Liest man den Brief, den der Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg an den zuständigen Minister Vogelsänger geschrieben hat, muss man unwillkürlich an Schizophrenie denken. Wie kann man einerseits den Entwurf der Durchführungsverordnung zum Landesjagdgesetz und ihr Zustandekommen derart kritisieren und dann doch zustimmen? Warum hat der Jagdverband diese gute Gelegenheit nicht genutzt, den Mitgliedern als wahrer Vertreter ihrer Interessen zu dienen? Welche politischen Gründe mag es geben, diesem schändlichen DVO-Entwurf zuzustimmen? Hat man Angst davor, dass Rot-Grün-Rot nach der Landtagswahl im Herbst es noch toller treibt, wenn man jetzt nicht zustimmt? Das ist reine Augenwischerei und wird einen möglichen grünen Landwirtschaftsminister nicht davon abhalten, nach der Wahl die Daumenschrauben für Wild und Jäger weiter anzuziehen.

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  2. Enrico

    Sehr guter Beitrag von Professor Doktor Pfannenstiel. Erwähnenswert wäre dazu noch die Aufnahme von Bisam und Nutria ins Jagdrecht. Die Gremien, oder besser die Damen und Herrn, die dieser DVO zugestimmt haben sind dafür Verantwortlich das nach in Kraft treten der DVO voraussichtlich die Hauptamtlichen Bisamjäger arbeitslos sind. Diese sind professionell ausgerüstet , waren täglich an den Gewässern I. Ordnung , Hochwasser Schutzanlagen usw. tätig und konnten eine Flächendeckende Jagd auf Bisam und Nutria fast gewährleisten. Hätten Jäger Interesse an der Bejagung dieser semiaquaten Nager gehabt wäre es ohne Probleme möglich gewesen Sondergenehmigungen einzuholen und wie es in anderen Bundesländern üblich ist eine Schwanzprämie zu kassieren. Beim Nutria kann ich mir noch ein Interesse der Jägerschaft in gewissen Maße vorstellen, bei Bisam wohl garnicht. Zumal beide durch Aufnahme ins Jagdrecht dem Paragraphen 22 Absatz 4 BjagdG unterstehen. Selbst wenn der Muttertierschutz geändert wird kann ich mir kaum vorstellen das Jäger in ihrer Freizeit den Bisam so bejagen können wie die Hauptamtlichen das taten.
    Welche Tierarten ins Jagdrecht kommen und welche Wildschadenpflichtig sind obliegt dem Land . Als der Bisam noch nicht im Jagdrecht war wurden die Reparaturkosten der entstandenen Schäden vom Land getragen. Ich bin gespannt wie sich die Lage entwickelt, gerade an Gewässern der I. Ordnung und an den Hochwasser Schutzanlagen.
    Einfach mal über den Tellerrand schauen und sich mit der Biologie dieser beider Tierarten beschäftigen.

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