Doktorand entwickelt Wildunfall-Warnsystem

Jäger können mithelfen!

Die Zahl der Wildunfälle und auch die Schadenshöhe steigt in Deutschland seit Jahren an, dennoch reagieren die meisten Autofahrer kaum noch auf die üblichen Wildwarn-Schilder. Matthias Böhm will an dieser Situation etwas ändern: Der Doktorand entwickelt im Rahmen seiner Dissertation im Hause der hessischen Straßenbaubehörde nebenberuflich ein Warnsystem, das künftig vor Wildunfällen warnen soll – und zwar an dem Ort und Zeitpunkt, wo die Wildunfallgefahr tatsächlich besonders hoch ist. Dazu sammelt Böhm Daten über Wildunfälle. Zuträger sind Polizei, Jäger, Straßenmeistereien. Mit im Boot sind der LJV Hessen, aber auch das Tierfundkataster, das vom LJV Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit der Uni Kiel entwickelt wurde. Das Tierfundkataster ist Bestandteil des vom Deutschen Jagdverband (DJV) durchgeführten WILD-Monitorings. Für die zu entwickelnde Wildwarn-App sammelt und analysiert Böhm die Wildunfall-Daten wie Jahres- und Uhrzeit, Wetter, geografische und topografische Eigenheiten des Unfallorts und andere mehr. Die Auswertung dieser Daten soll dann eine Prognose ermöglichen, wo und wann ein besonders hohes Risiko von Wildunfällen besteht.

Aus dem ausgewerteten Datenmaterial will Böhm dann ein “Prognosesystem entwickeln, das
über eine offene Schnittstelle die aktuelle Gefährdungsstufe der Streckenabschnitte für alle Interessenten online verfügbar macht”, wie der Ingenieur im Gespräch mit JAWINA berichtet: “Radiosender, Websitebetreiber und insbesondere Anbieter von Navigations-
Apps Zugriff werden Zugriff auf die Daten haben, um den individuellen Fahrer, wenn er sich auf einer zum aktuellen Zeitpunkt stark gefährdeten Straße befindet, anhand einer Warnmeldung zu sensibilisieren.” Auch die Entwicklung einer eigenständigen App ist angedacht. Das System soll bis Ende 2020 abgeschlossen und in der Lage sein, Unfallrisiken an Navibetreiber oder Apps bereitzustellen. Die hessische Lokallösung könnte dann möglicherweise in ein bundesweit funktionierendes System erweitert werden. Der Aufbau der hessischen Analyse findet unter Betreuung der Hochschulen Geisenheim und Kiel statt.

Es liegt im Interesse jedes Jägers, Wildunfälle vermeiden zu helfen. Wir können hier dazu beitragen, Wildtieren einen sinnlosen und oft qualvollen Tod zu ersparen. Deshalb ruft JAWINA zum Mitmachen auf! Es ist ganz einfach, Matthias Böhm und das Tierfundkataster zu unterstützen: Auf der Seite des Tierfundkatasters kann sich jeder Jäger registrieren und mitmachen. Es gibt kostenlose Tierfundkataster-Apps für Android und iPhone, die Desktop-Version steht auf http://tierfund-kataster.de/ bereit.

Matthias Böhm freut sich über Gespräche insbesondere mit hessischen Jägern, um mehr über die Gegebenheiten an Unfallstellen oder an Streckenabschnitten mit besonders hohem Aufkommen von Wildunfällen zu erfahren. JAWINA leitet Kontaktanfragen an Matthias Böhm weiter. SE

Beitragsbild: Internetseite des Tierfundkatasters. (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

 

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