DNA-Nachweis erbracht: Fohlen in der Oranienbaumer Heide von Wolf angegriffen

Pressemitteilung des Landesamtes für Umweltschutz Musterbeispiel für Orwellsches Neusprech.

Im Juni dieses Jahres wurde auf einem ehemaligen Militärgelände in der Oranienbaumer Heide bei Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) ein verletztes, wenige Tage altes Fohlen angetroffen, das Bissverletzungen aufwies. Jetzt ist durch eine DNA-Analyse der Nachweis erbracht worden, dass das Fohlen von einem Wolf verletzt wurde. Das Fohlen wurde bei dem Angriff verletzt, ist inzwischen aber wieder wohlauf. Vermutlich konnten die Alttiere in der Pferdeherde den Wolfsangriff abwehren. Das teilt das Landesamt für Umweltschutz in einer Presseerklärung mit.

Die Pressemitteilung (PM) des Landesumweltamtes ist ein Musterbeispiel für Orwellsches Neusprech, also für eine Sprache, “die aus politischen Gründen künstlich modifiziert wurde” (Wikipedia). Das beginnt mit dem Titel der PM, die nicht etwa lautet: “Angriff auf Fohlen – es war ein Wolf” oder “Wolf als Verursacher des Angriffs auf ein Fohlen festgestellt” oder ähnlich, nein, die Überschrift lautet: “Landschaftspflege mit Rindern und Pferden im Wolfsgebiet”, was keinen Hinweis auf den Anlass der PM liefert und so langweilig klingt, dass es kaum das Interesse von Journalisten wecken dürfte, die auf der Suche nach Füllmaterial für ihre Seiten sind.

Auch der für die Erweckung des Leserinteresses so wichtige Einstieg, in dem die wichtigsten Punkte anzuführen sind (W-Fragen beantworten!) dient primär der Verschleierung: “Auf dem ehemaligen Militärgelände der Oranienbaumer Heide erfolgt durch die Primigenius gGmbH des NABU Ortsverbandes Köthen seit 2008 die Pflege der für den Naturschutz wertvollen Heidelandschaft”, heißt es dort. “Auf der ca. 800 ha großen Fläche helfen Heckrinder und Konik-Pferde den offenen Heidecharakter und damit die dort anzutreffenden geschützten Lebensraumtypen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) zu erhalten. Die Rinder-und Pferdeherden fügen sich als natürlicher Bestandteil in die Heide ein und führen so eine naturnahe Landschaftspflege durch.”

Erst an einer Stelle, wo die meisten wg. Langeweile bereits ausgestiegen sein dürften, folgt die eigentliche Meldung: “Im Juni dieses Jahres wurde ein verletztes, wenige Tage altes Fohlen angetroffen, das Bissverletzungen aufwies. Die DNA-Auswertung des seinerzeit vorgenommenen Abstriches durch das Senckenberg-Institut in Gelnhausen ergab nun den Beweis, dass die Verletzung auf einen Wolf zurückzuführen ist. Es ist zu vermuten, dass die Verteidigung durch die Alttiere der Herde dem Fohlen das Leben gerettet hat.  Das Fohlen ist inzwischen wieder genesen.

Das Auftreten eines einzelnen Wolfes in diesem Gebiet wurde erstmals 2013 durch gezielte Monitoring-Untersuchungen des Landesamtes für Umweltschutz nachgewiesen. Seitdem wurde durch das Monitoring wiederholt ein weiblicher Wolf individuell genetisch bestätigt, der auch für den Vorfall im Juni 2015 verantwortlich war. Gegenwärtiggibt es Hinweise auf einen zweiten Wolf im Gebiet, jedoch steht ein Beleg für eine dauerhafte Paarbildung noch aus.”

Damit nun keine Zweifel weder an dem Projekt als solchen, noch an dem Betreiber aufkommen, bescheinigt das Landesumweltamt sogleich, dass die Haltungsform “guter fachlicher Praxis” entspreche, Angriffe von Wölfen auf eingezäunte Nutztiere angeblich “ein extrem seltenes Ereignis” seien (was hier und heute wohl nur noch bei fortgeschrittener Ausblendung der Realität behauptet werden kann) und der Nabu ein “verantwortungsbewusster Tierhalter sei, für den das Wohl der Tiere im Vordergrund stünde. Daran sind in der Vergangenheit Zweifel aufgekommen, da in Nabu-Beweidungsprojekten wiederholt Heckrinder qualvoll verhungert sind.

So geht es in der PM weiter: “Die Primigenius gGmbH positioniert sich zum Wolf auf ihrer Homepage: „Wir werden die weitere Entwicklung genau beobachten und in der Konsequenz auch, wenn notwendig, unsere Haltungsformen anpassen.“ Für den NABU-Regionalverband und die Mitarbeiter der Primigenius gGmbH steht als verantwortungsbewussten Tierhaltern das Wohl der Tiere im Vordergrund.

Hintergrund: Die Landschaftspflege mit Robustrindern oder Pferden erfolgt in der Regel ganzjährig und unter weitgehender Anpassung an natürliche Gegebenheiten. Die Einzäunung ist als Teil der „Guten fachlichen Praxis“ in der Landwirtschaft folgend so ausgelegt, dass ein Entweichen der Nutztiereverhindert wird, wild-lebende Arten das weiträumige Gelände aber queren können. Die naturnah gehaltenen Tiere sind in der Lage, sich in ihrem Verhalten an vorhandene Beutegreifer anzupassen. Es ist allerdings – wie auch bei konventioneller Tierhaltung – nicht ausgeschlossen, dass Jungtiere Wölfen zum Opfer fallen können. Deutschlandweit sind derartige Übergriffe auf Pferde und Rinder ein extrem seltenes Ereignis. Im vorliegenden Fall handelt es sich um ein wenige Tage altes Fohlen, welches Bissverletzungen durch einen Wolf aufwies. Das Überleben des Fohlens lässt die Vermutung zu, dass die Verteidigung des Fohlens durch den Herdenverband erfolgreich war.” PM LAU/SE

Beitragsbild: Stute mit Fohlen (Symbolbild), Copyright: SE

5 Gedanken zu „DNA-Nachweis erbracht: Fohlen in der Oranienbaumer Heide von Wolf angegriffen

  1. PK

    Erst Schafe, dann Rinder und Pferde. Und was kommt als nächstes? Die Verharmlosung des Wolfes in unserer Kulturlandschaft betrachte ich als eine Frechheit gegenüber der Bevölkerung. Man kann auch die Freilandhaltung von Tieren nicht nur durch Sicherungszäune 1,5 hoch und 0, 5 m in der Erde regeln. Bürger macht den verantwortlichen Politikern druck! Diese unwissenden Volksvertreter handeln nicht zum Wohle des Volkes.

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  2. Hubertus Hunter

    Schlechte Pressearbeit.Aber auch der o.Kommentar ist nicht besser.
    Was hier VORSÄTZLICH nicht erwähnt wird, ist, dass die Herde das Fohlen vereidigt und beschützt hat.
    Passt halt nicht in die hysterische Schreierei.
    Aber genau das wissen wir aus den Ländern, die Pferdeherden in WolfsGegenden halten, dass Pferde , und Kühe wenn man ihnen nicht die Hörner entfernt( wofür die Natur die wohl vorgesehen hatte???), sich sehr gut erfolgreich gegen Beutegreifer zur Wehr setzen. Muß man einfach nur mal einsehen und zugeben, statt andauernd Panik und Hysterie zu verbreiten.

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    1. admin Beitragsautor

      Dass die Herde das Fohlen verteidigt hat, steht gleich zweimal da:
      1. Absatz: “Vermutlich konnten die Alttiere in der Pferdeherde den Wolfsangriff abwehren.”
      4. Absatz: “Es ist zu vermuten, dass die Verteidigung durch die Alttiere der Herde dem Fohlen das Leben gerettet hat.”
      Wer lesen kann, ist klar im Vorteil…

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  3. Wilhelm

    Wie ist es zu erklären, daß in Nordamerika auch ausgewachsene Bisons, die in Herden leben und ihre Hörner noch dran haben und Elche, die ebenfalls über nicht unerhebliche Hörner verfügen, von Wölfen gerissen werden wovon genügend Filmmaterial im Netz zu finden ist? Mal nachdenken, nur lesen können allein genügt nicht.i

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  4. Schäferlein

    Wenn es den Pferden und Hundebesitzer mal an ihren lieben Tieren geht werden sie vielleicht mal Wach in Deutschland und fragen sich wo die dubiosen Wölfe alle herkommen. Komisch das unsere Schafe immer erst dann gerissen werden von wildernden Hunde wenn Wölfe da sind.

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