DJV kritisiert Schalldämpfer-Urteil des Bundesverwaltungsgerichts

Der Deutsche Jagdverband (DJV) kritisiert, dass mit dem gestrigen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Genehmigung von Schalldämpfern für Jäger (JAWINA berichtete) der bestehende Flickenteppich bei der behördlichen Genehmigung von Schalldämpfern gefestigt wird. Zwar sollte zunächst die schriftliche Begründung abgewartet und analysiert werden, sagte DJV-Präsident Hartwig Fischer. Unabhängig davon setzt sich der DJV dafür ein, dass Schalldämpfer bundesweit für Jäger zugelassen werden. Der Gesetzgeber sollte die Rechtsunsicherheit beseitigen und klarstellen, dass der Einsatz von Schalldämpfern sinnvoll ist und jedem Jäger ermöglicht werden sollte, sagte Fischer weiter.

Die Aussage des Verwaltungsgerichts Berlin, dass es gleichwertige Alternativen zum Schalldämpfer gebe, musste das Bundesverwaltungsgericht aus formalen Gründen übernehmen. Der DJV sieht das anders – wie zuvor schon mehrere Verwaltungsgerichte: Ein Gehörschutz ist keine gleichwertige Alternative – er verändere das Richtungshören und ein Schalldämpfer vermindere zugleich den Rückstoß der Waffe.

Es sei zudem ein weit verbreiteter Irrglaube, dass mit dem Schalldämpfer eine lautlose Schussabgabe möglich sei. Nur die Spitze des Mündungsknalls wird weggenommen und von etwa 150 auf 130 Dezibel gemindert – das ist lauter als ein startender Düsenjet in 100m Entfernung oder ein Presslufthammer in einem Meter Entfernung. Trotzdem führt diese Reduzierung dazu, dass die Gefahr einer Schädigung des Gehörs für den Jäger deutlich reduziert wird. Aus Arbeitsschutzgründen wird daher Forstbediensteten und Berufsjägern auch in Berlin eine Schalldämpfererlaubnis erteilt.

Aus Gründen der Wildereiprävention sieht der DJV keinen Bedarf für ein Schalldämpferverbot. Auch das Bundeskriminalamt verneint in einer Stellungnahme aus dem Jahr 2013 die Deliktrelevanz von Schalldämpfern für Langwaffen. Der Geschossknall bleibt deutlich zu hören und liegt weiterhin über 140 Dezibel, allerdings weit genug vom Gehör des Schützen entfernt.

Mehrere Bundesländer haben daraufhin in den letzten Jahren die Verwendung von Schalldämpfern durch Jäger zugelassen und einige Verwaltungsgerichte haben sogar einen Anspruch von Jägern auf Erteilung einer Erlaubnis bejaht. Zuletzt wurde das jagdrechtliche Schalldämpferverbot in Niedersachsen aufgehoben. Angesichts dieser Tendenz kritisiert DJV-Präsident Fischer: „Mir wäre es lieber, die Länder hätten nach und nach die Praxis weiter sachgerecht angepasst, als dass ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nun den Bundesgesetzgeber in Zugzwang bringt. Die jetzt noch verschärfte Rechtsunsicherheit wäre vermeidbar gewesen.“ PM DJV

Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 28.11.2018, Az. BVerwG 6 C 4.18

Beitragsbild: Der DJV setzt sich dafür ein, dass Schalldämpfer bundesweit für Jäger zugelassen werden. Quelle: DJV

5 Gedanken zu „DJV kritisiert Schalldämpfer-Urteil des Bundesverwaltungsgerichts

  1. Ronbi

    Das liebe Gericht soll sich mal die YouTube Videos von der Schweine und Kojoten Jagd in Texas ansehen. Automatische Schnellfeuergewehre, Schalldämpfer, Wärmebildtechnik. Da wird geballert, was das Zeug hält. Richtig elend. Jungtiere, Alttiere alles. Und kaum ein Schuß ist tödlich, meist sind es mehrere Schüsse.

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    1. Ralf

      Was hat das mit Deutschland zu tun? Fakt ist, dass der Gehörschutz windanfällig ist. Wenn es auf z.B. Drückjagden darauf ankommt, das Wild anwechseln zu hören, dann ist ein elektronischer Gehörschutz, in den der Wind pfeift und man deshalb nur noch Rauschen hört, nicht dienlich.
      Ich hoffe, dass die Bundesregierung das Gesetz ändert!

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  2. Moritz Jackermeier

    Ein Schalldämpfer käme meinem Jagdhund auf der Kanzel, bzw. unterhalb der Ansitzleiter etc. gelegen. Dieser sträubt sich vehement gegen Ohrschützer…

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    1. Anko

      Verstehen die Herren von den Schreibtischen herab sicherlich ebenfalls nicht, wozu man Jagdhunde haben, sie pflegen, bei der Jagd führen und schützen muss.

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  3. Frank

    Dass es Hartwig Fischer lieber gewesen wäre, wenn die Länder ihre Praxis sachgerecht angepasst hätten, kann nicht wundern. Denn dann wären Politiker, die der SD-Erlaubnis rsp. Anerkennung als Bedürfnis aufgeschlossen gegenüberstehen, aus der Pflicht einer klaren gesetzlichen Regelung gewesen – und dem Risiko, dass das an parteipolitischem, nicht von Sachlichkeit geleiteten Kalkül scheitert!
    Dummerweise sitzen in den Ländern – siehe Sachsen und NS – Leute, die Herrn Fischer was pfeifen. Da es nun auch SD-positive VG-Urteile, festgestellte mangelnde Deliktrelevanz der Langwaffen-SD, die ganzen medizinischen und tiermedizinischen Sachverhalte nachgewiesenermaßen gibt – wäre es für den DJV da nicht an der Zeit, die Ungleichbehandlung im Gesundheitsschutz zwischen dienstlich Jagdverpflichteten und privaten Jägern mal verfassungsrechtlich anzugehen – im Klageweg?

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