DJV begrüßt Jagdgesetz-Novellierung

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat gestern einen Entwurf für die Novellierung des Bundesjagdgesetzes auf den Weg gebracht. Dieser zielt im Kern darauf ab, für Jagdmunition sowie für den Schießübungsnachweis bundesweit einheitliche Regelungen festzulegen. Der Deutsche Jagdverband (DJV) begrüßt diesen Schritt in einer ersten Reaktion. “Der Entwurf ist im Grundsatz positiv zu bewerten”, sagte DJV-Präsident Hartwig Fischer. Es gebe jedoch noch Inhalte, die im Detail geprüft werden müssten, so Fischer.

Ein unsinniges pauschales Verbot des Materials Blei, wie es in einigen Bundesländern bereits geregelt ist, wird laut DJV durch die geforderte wissens- und praxisorientierte Regelung ersetzt. Künftig ist ein Dreiklang von tierschutzgerechter Tötungswirkung, Präzision und Minimierung des Bleieintrages entscheidend für die Zulassung von Büchsenmunition für die Jagd auf Schalenwild (Reh, Wildschwein, Hirsche). Grundlage soll dafür der bereits vom Bundeslandwirtschaftsministerium veröffentlichte Entwurf einer technischen Richtlinie werden. “Jetzt gilt es, die Richtlinie praxistauglich umzusetzen”, so Dr. Wolfgang Bethe, Veterinär und DJV-Vizepräsident. Damit verhindere Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt erfolgreich weitere Tierversuche mit Jagdmunition in freier Wildbahn, so Dr. Bethe weiter.

Derzeit können Jäger beim Munitionskauf nicht erkennen, welche Munition tatsächlich welches Tier auf welche Entfernung tierschutzgerecht tötet. Dies führt laut DJV zu großer Verunsicherung. Eine vom Bundeslandwirtschaftsministerium vorgesehene Kennzeichnungspflicht von Büchsenmunition soll hier künftig Abhilfe schaffen.

Der DJV begrüßt zudem die im Entwurf enthaltenen bundeseinheitlichen Vorgaben zum Schießübungsnachweis. „Dieser wird künftig für die Teilnahme an Bewegungsjagden abweichungsfest geregelt. Bereits bestehende, weitergehende Regelungen auf Länderebene verlieren ihre Gültigkeit, sodass der Jagdschein wieder bundesweit einheitlich gilt. Ein Flickenteppich wird erfolgreich bereinigt“, so Rechtsanwalt Ralph Müller-Schallenberg, zuständig für Jagdrecht im DJV-Präsidium. “Es drohte ein Szenario, dass Jäger zwingen würde, für jedes Bundesland eine Unmenge unterschiedlicher behördlicher Nachweise mit sich zu führen. Mit dem vielbeschworenen Bürokratieabbau hätte dies wenig zu tun gehabt”, sagte DJV-Präsident Hartwig Fischer.

Der Novellierungsentwurf zum Bundesjagdgesetz sieht weiterhin bundesweit einheitliche Vorgaben für die Jägerprüfung vor. Unter anderem wird das Ausbildungsfach Wildbrethygiene aufgewertet und soll künftig Sperrfach sein: Fällt ein Jagdschüler hier durch, besteht er die gesamte Prüfung nicht. “Das unterstreicht unsere hohen Ansprüche an heimisches Wildbret”, so DJV-Vizepräsident Dr. Bethe. Dies sei ein hochwertiges regionales Lebensmittel, das in der Gesellschaft beliebter sei als je zuvor.

Der Deutsche Jagdverband wird den vorliegenden Gesetzesentwurf nun in den kommenden Tagen kritisch prüfen und sich bis Mitte März mit einer detaillierten Stellungnahme in die Verbändeanhörung aktiv einbringen. PM DJV

Der Entwurf zu einer technischen Richtlinie Jagdgeschoss (TRJ) auf der Seite des Bundeslandwirtschaftsministeriums:

http://bit.ly/TRJagdgeschosse

Beitragsbild: Künftig ausschlaggebend: Tötungswirkung, Präzision und Minimierung des Bleieintrages. (Quelle: Grimm/DJV)

2 Gedanken zu „DJV begrüßt Jagdgesetz-Novellierung

  1. Anko

    Nach der verlinkten Entwurfsfassung der Technischen Richtlinie Jagdgeschosse wird weiterhin zwischen “Rehwildkaliber” und Hochwildkaliber unterschieden, wogegen nichts einzuwenden ist. Sehr zu begrüßen ist die Einführung von objektiven Zielwirksamkeits-Kriterien, die statt auf die bisherige Krücke einer Mindest- E100 auf die konkrete Wirkung unter standardisierten Messbedingungen im Zielmedium abstellen, z.B. für Hochwildgeschosse wie folgt:

    “Beim Eindringen in das ballistische Simulans muss es innerhalb der ersten 15 cm Eindringtiefe eine
    Wirksamkeit aufweisen, welche während mindestens 4 cm mindestens 125 J/cm be‐
    trägt. Die gesamte Eindringtiefe des Geschosses darf 25 cm nicht unterschreiten.”

    Bingo! Damit könnten man es bewenden lassen. Warum die Richtlinie nun dennoch zusätzlich auch weiterhin die für sich genommen wertlose E100 von mind. 2000J fordert, ist nicht ersichtlich. Die E100-Unterwerte sind ein alter Zopf der – siehe die oben definierten und für die Jagdttaugklichkeit allein maßgebliche Zielwirksamkeitskriterien – im Rahmen der obigen Neuregelung bitte abgeschnitten gehört. Betroffen von dem alten Zopf der E100 sind beispielsweise die meisten deutschen *bleifreien* Werkslaborierungen der unstrittig hochwirksamen .45-70 (die etwa in der verbreiteten Barnes-Werkslaborierung mit dem bewährten 300 Grain-TSX-Hohlspitzgeschosse eine E100 von “nur” 1.900 J erzielt und dennoch locker die geforderte Penetrationstiefe und mit Sicherheit auch Ziel-Energieabgabe von beschaulichen 125J/cm erreicht).

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    1. AH

      Leider begrüßt der DJV da auch ein Punkt der für viele Jäger ein bedeutender Einschnitt darstellen wird und letztendlich allen teuer zu stehen kommt. Es geht um das private Wiederladen von Jagdmunition durch qualifizierte Jäger. Laut Entwurf darf nur noch zertifizierte Munition vom Hersteller mit entsprechender Kennzeichnung verwendet werden. Dies bedeutet das RUAG und Co. quasi Ihr Monopol weiter ausbauen können und noch schlimmer seltene Kaliber nicht mehr oder zu Wahnsinnspreisen zu bekommen sind. Damit werden in kürze zigtausende Jagdwaffen unbrauchbar und bestimmte Kaliber deutlich teurer sofern diese überhaupt lieferbar sind. Vielen Jägern wird damit ein wesentlicher und bedeutener Baustein ihres jagdlichen Handwerks genommen.
      Der Gesetzgeber spricht mal wieder dem mündigen Bürger/Jäger das Recht und den Verstand ab, beste Bedingungen für die weid- und letztendlich tierschutzgerechte Jagd selbst schaffen zu können. Warum reicht es nicht nur die Geschosse zu zertifizieren. Jeder Wiederladen versucht ohnehin das Optimum an Leistung und Präzision rauszuholen und das geht meistens weit über sogannte Fabriklaborierungen hinaus.
      Bedanken können wir uns hier vorallem bei den “alten” Sturköpfen in den Jagdverbänden die der Bleifrei Diskussion in den letzten Jahren mit ihrer Zweifelei immer wieder neuen Anschub gegeben haben, mit Ihrer elenden Wirkungsdebatte meist ohne eigene jagdliche Erfahrung. Am Ende der Diskussion kam Carl Gremse mit seiner Studie die letztendlich jetzt im aktuellen Entwurf zur Novellierung ihren Höhepunkt findet. Danke dafür “Genossen”.

      Wenn es denn so kommt gewinnt am Ende nicht unser Wild sondern die Lobby der Munitionshersteller.

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