Die menschliche Seite der Robbenjagd

Hakapik – ein eindrucksvolles Porträt der Robbenjäger Kanadas von dem schweizerisch-kanadischen Fotografen Yoanis Menge

Als Yoanis Menge in Paris auf einen Zug wartete, sah er das Plakat einer Kampagne gegen die Robbenjagd: Auf der Photoshop-Montage war eine ausgewachsene Robbe zu sehen, die einen Knüppel hielt und im Begriff war, einem menschlichen Baby, das auf dem Eis lag, den Schädel zu zertrümmern. Das Plakat schockierte ihn, wie die Washington Post berichtet. Denn der in der Schweiz geborene und in Kanada aufgewachsene Menge kennt – im Gegensatz zur Mehrzahl der Spendensammel-Organisationen und ihren Unterstützern, die gegen die Robbenjagd agitieren – die kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Hintergründe der Robbenjagd in Kanada und Neufundland aus eigener Anschauung. In diesen Teilen der Welt entwickle sich die Wirtschaft um die Robbe herum, um ihr Fleisch und ihren Pelz, sagt Menge. Das Importverbot der EU für Robbenprodukte aus Kanada hat insbesondere die Ureinwohners Kanadas getroffen und wütend gemacht. Menge wollte die Klischees überwinden, die blutrünstige Anti-Robbenjagd-Kampagnen begründet haben und die Menschen zeigen, die von der Robbenjagd (über)leben – in Gegenden, in denen Fischen und Jagden deren einzige Option darstellen.

Es sei nicht einfach gewesen, sagte Menge zur Washington Post, die Leute seien gewohnt, als grausame Robbenkiller dargestellt zu werden und gingen Journalisten aus dem Weg. Um ihr Vertrauen zu gewinnen, habe er trainiert und eine Robbenjäger-Lizenz erworben. Dabei erlernte er den dreistufigen, von den kanadischen Behörden zertifizierten Prozess zur Tötung einer Robbe: Kopfschuss, Zertrümmern des Schädels mit dem Hakapik (die Robbe ist also schon tot oder zumindest gründlich betäubt, bevor der Hakapik zum Einsatz kommt, der Vorgang entspricht der Tötung in deutschen Schlachthäusern), ausbluten lassen.

In großartigen Schwarz-Weiß-Bildern hat Yoanis Menge die Robbenjäger, ihr hartes Leben und durchaus blutiges Handwerk porträtiert. “Wir leben nicht in der Natur”, sagt Menge, “Wir leben mit der Natur. Und die Jagd ist ein Teil davon.”

Sehenswert! Mehr Bilder auf der Internetseite von Yoanis Menge. SE

Beitragsbild: Headline des verlinkten Artikels in der Washington Post. (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

2 Gedanken zu „Die menschliche Seite der Robbenjagd

  1. Moritz D.

    Was für eine Fehldarstellung. Die Ureinwohner sind vom Handelsverbot von Robbenpelzen ausgenommen und tragen keinen Schaden von dieser wirklich sinnvollen Entscheidung. Zudem sollten Robben zurecht geschützt werden, da auch in Kanada und Neufundland das Klima stetig wärmer wird und die dort lebenden Robben zukünftig immer weniger Brutplätze finden werden und schon in wenigen Jahren im Bestand bedroht sein könnten. Zudem sind die Tötungsmethoden besonders grausam, da viele Jäger durch sich bewegende Schiffe, Schollen oder das rutschige Eis nicht richtig treffen und die Tiere besonders lange leiden.

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    1. admin Beitragsautor

      Selber Fehldarstellung, denn: Zum einen sind die Ureinwohner von dem durch das EU-Importverbot verursachten massiven Preisverfall betroffen, außerdem sind die angeblichen Ausnahmen für Inuit von der WTO untersagt worden, siehe:
      “In 2009, the European Union banned all seal imports, shrinking the market. Where pelts once sold for more than $100, they now fetch $8 to $15 each.” Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Seal_hunting
      Siehe auch:
      Inuit hunters’ plea to the EU: lift ban seal cull or our lifestyle will be doomed
      [Quelle: https://www.theguardian.com/world/2015/may/16/greenland-inuits-urge-eu-reverse-seal-ban-save-way-of-life%5D
      oder auch:
      Inuit Furious as World Trade Organization Upholds European Union Seal Ban
      Quelle: https://indiancountrymedianetwork.com/news/first-nations/inuit-furious-as-world-trade-organization-upholds-european-union-seal-ban/
      uvm…
      Die massive Zunahme der Robbenbestände in Kanada wird als Gefährdung der Fischerei angesehen, die Regulierung der Jagd dürfte sinnvoller, nachhaltiger, tierschutzgerechter und ökologisch wie ökonomisch vertretbarer sein, als das Auf und Ab einer (Über)Population, die durch Seuchenzüge und Dichtestress reguliert wird. Siehe:
      https://www.jawina.de/hundstage-3/

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