Die Hose des Durchgehschützen

Impressionen von den ersten Drückjagden

Woran erkennt man Treiber, die immer nur auf den Wegen gehen?

… an diesen Hosen jedenfalls nicht.

Das Rotwild hatte uns im Schilf unglaublich gekonnt genasführt. Beim Einwechseln war ein Schmaltier zur Strecke gekommen. Die Hunde hatten das zwölfköpfige Rudel bis zum versumpften Schilfgebiet eskortiert und sich dann angenehmeren Aufgaben zugewendet. Also hinterher. Nach wenigen Schritten sinkst du das erste Mal ein: Wenn du Glück hast, nur bis zu den Knien, wenn du Pech hast, bis zum Hals. Bis zum Hintern ist normal. Die Kälte spürst du nicht. Das Rudel drückt sich, bis du auf ein, zwei Meter heran bist. Sehen kannst du nichts, manchmal riechst du sie. Dann jähes Erschrecken, weil sie unmittelbar vor dir durch Sumpf und Schilf wegspritzen. Zwanzig, dreißig Sekunden hörst du sie platschen, dann wieder Stille. Für den Weg, den das Wild in zwanzig Sekunden zurücklegt, brauchst du, stolpernd und mühsam schmatzenden Schrittes, eine Viertelstunde. Wenn du dran bist, springen sie wieder ab. Die denken gar nicht daran, das Schilf zu verlassen. Die um das Schilf postierten Schützen hören die Treiberrufe, hören es rascheln, sehen die Bewegung im Schilf.

Wir versuchen es nochmal, schmeißen Äste, geben Hebeschüsse ab. Das beeindruckt die Roten gar nicht. “Da hat bestimmt ein ganz erfahrenes Alttier die Führung übernommen”, mutmaßt der Förster. Nachdem wir beide uns im Schlamm abgearbeitet und ausgiebig gesuhlt haben, geben wir es auf. Hahn in Ruh. “Die haben verdient gewonnen”, stellt der Förster fest, “So genial wie die uns verarscht haben, gönne ich das denen sogar.” Ein Schütze hat das Rudel von Weitem einwechseln sehen und bestätigt die Vermutung: “Vorneweg ging ein uraltes, schon ganz graues Alttier.” Wir hoffen auf ein Wiedersehen…

Vorbereitung: Waffe ein- und kontrollschießen – gibt ein gutes Gefühl.

Scheißwetter

Fünf Stunden Dauerregen. Die Hunde wollen nicht gehen, das Wild liegt fest. Ein Hund liegt die ganze Zeit unter dem Drückjagdbock, genau unter dem Regenschatten seines Herren. Kluges Tier. Zuhause nehme ich meine Waffe auseinander, das Wasser ist überall: Unter der Montage, in den Vertiefungen des Schafts. Einige Mitjäger sind verdächtig trocken. Morgen bestelle ich mir auch so einen Anglerschirm.

Erfolgreiche Nachsuchen mit der erfahrenen Kurzhaar-Hündin.

Zwei Wildschweine hinter den Scheibenwischer geklemmt: Wildtransport einmal anders auf der Motorhaube des Audi.

Abends verschlingen wir diesen unfassbar leckeren Frischling.

Und dann wollen alle nur noch:

Schlafen!

2 Gedanken zu „Die Hose des Durchgehschützen

  1. AHe

    Hallo Stefan,

    sorry das Du wieder nass geworden bist. Aber um es gleich zu sagen, in 4 Wochen musst Du nochmal ran. Zieh Dir noch ne Unterhose mehr drunter, könnte dann noch etwas kühler sein ;-).

    WH AHe

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    1. admin Beitragsautor

      Grüß Dich,
      das mit dem Nass-werden ist ok für mich – nur der verfrühte Zeitpunkt macht mir zu schaffen. Du weißt doch: Anbaden ist bei uns traditionell im November…

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