“Die Änderung hat den Wolf-Mensch-Konflikt entschärft”

In Schweden darf ein Wolf getötet werden, wenn er im Begriff ist, Schaden an Nutztieren oder Jagdhunden zu verursachen. Das war nicht immer so. Wildökologe Fredrik Widemo von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften erklärt im DJV-Interview, wie es zu der Regelung kam und warum sie die gesellschaftliche Akzeptanz beim Zusammenleben mit dem Wolf fördert.

DJV: In Deutschland hat ein holländischer Jagdgast einen Wolf erschossen, als dieser Jagdhunde attackiert hat. Zuvor hatte er versucht, den Wolf durch Rufe, Klatschen und einen Warnschuss davon abzuhalten. Dies bestätigen die Aussagen benachbarter Jagdschützen. Am Jagdhund konnten von einem Tierarzt Kratz- und Bissspuren nachgewiesen werden. Wie würden Sie in Schweden diesen Fall handhaben?

Widemo: Es wäre legal für den Hundebesitzer oder für einen anderen Jäger im selben Jagdteam, den Wolf zu töten. Die schwedische Gesetzgebung sieht in einem solchen Fall vor, den Abschuss an die Kreisverwaltung (County Administrative Board) zu melden, die den Vorfall prüft. Soweit die Kreisverwaltung keine Unregelmäßigkeiten findet, bleibt die Polizei außen vor.

Dieses Prozedere gibt es seit 2013. Welche Möglichkeiten gab es vor der Gesetzesänderung?

Zuvor war es nur möglich, einen Wolf zu töten, nachdem dieser angegriffen hat. Heute geht das bereits, wenn dieser im Begriff ist, Vieh oder Jagdhunde anzugreifen. Die Aktion muss unmittelbar bevorstehen. Sollte der Wolf sich dann nicht durch Rufen oder Warnschüsse abhalten lassen, dürfen wir schießen. Zuvor musste jeder Fall, bei dem ein Wolf erschossen wurde, durch die Polizei ermittelt werden. Nach neuer Gesetzgebung ist die erste Prüfungsinstanz die Kreisverwaltung.

Warum wurde das Gesetz geändert?

Ein Schäfer hat einen Wolf getötet, der sich seinem Schafpferch näherte. Dieser hatte zuvor bereits im selben Pferch Schafe gerissen. Der Schäfer wurde rechtskräftig verurteilt. Es wurde jedoch später als unzumutbar erachtet, dass es laut Gesetz erforderlich ist, erst abzuwarten, bis der Angriff stattfindet, obwohl er hätte verhindert werden können. Danach wurde das Gesetz geändert.

Was dürfen schwedische Jäger tun, wenn ein Wolf Nutztiere oder Haustiere angreift?

Wir können unsere Haustiere oder generell Tiere in unserer Obhut schützen. Ein Jagdhund befindet sich unserer Rechtsauffassung nach in der Obhut aller Mitglieder desselben Jagdteams. Ob man die neue gesetzliche Regelung tatsächlich derart auslegen kann, wurde kürzlich wieder diskutiert. Angefochten wurde unser Standpunkt aber nicht. Es wäre jedoch zweifelhaft, ob man einen Wolf töten dürfte, der das Vieh einer anderen Person angreift.

Was dürfen schwedische Jäger tun, wenn sie selbst angegriffen werden?

Was auch immer für notwendig erachtet wird … .

Wird ein Unterschied zwischen Jagdhunden und Nutztieren gemacht?

Nein, nicht in Hinblick auf einen Wolfsangriff. Es geht letztendlich darum, seinen Besitz zu verteidigen. Alle Tiere sind demnach gleich.

Wie hoch waren die Zahlen von Wolfsattacken auf Jagdhunde vor und nach der Regelung?

Die Anzahl der Wolfsangriffe auf Jagdhunde hatte den Höchststand erreicht, bevor das Gesetz 2013 geändert wurde. Seitdem gehen sie zurück.

(Weitere Informationen gibt es hier.)

Wie bewerten Sie die aktuelle Regelung?

Die Änderung war und ist sinnvoll. Sie hat den Wolf-Mensch-Konflikt etwas entschärft. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass Jäger, Rentierzüchter oder Schäfer erst mit ansehen, wie ihre Tiere angegriffen werden und erst dann eingreifen. Den abgeschlossenen Angriff behördlich einzufordern, erscheint mir wenig vernünftig. Dazu kommt, dass die Anzahl der Wölfe, die unter Anwendung des neuen §28 in solch einer Notstandssituation getötet wurden, viel zu klein ist, um negative Auswirkungen auf das Populationswachstum zu haben. PM DJV

Beitragsbild: Wildökologe Fredrik Widemo von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften. Quelle: Widemo/DJV

7 Gedanken zu „“Die Änderung hat den Wolf-Mensch-Konflikt entschärft”

  1. Pirschjäger

    Wie ich finde, eine Regelung, die vernünftig, der Realität geschuldet und letztendlich konfliktfrei umzusetzen ist. Wir in Deutschland versuchen hingegen, das Rad neu zu erfinden und merken dabei nicht, wie wir uns selber Steine in den Weg legen!

    Antworten
  2. Ronbi

    Die Regelung ist in Ordnung.
    Doch irgendwie, zeigt der ganze Klamauk, der um Wölfe volzogen wird, nicht nur den Anschein, von angewandtem Wahnsinn.
    Vernunft und Pragmatismus sieht anders aus.

    Antworten
  3. A. Wenk

    Zuerst muß man erstmal akzeptieren, daß das Problem Wolf nicht darin besteht, daß das Tier eine Dauergefahr für Menschen darstellt (Jäger rüstet ab)
    man kann nicht jede Gefahr im Leben beseitigen, bisher ist aber in Mitteleuropa kein Mensch körperlich durch Wölfe zu schaden gekommen
    durch Jäger kommen aber jedes Jahr 10-20 Menschen ums Leben – da müssen sich die Räuber ganz schön anstrengen, um die letzten 20 Jahr aufzuholen
    ————
    das richtig große Problem besteht für Tierhalter, und da ist es einfach so, daß die Länder die Tierhalter maximal unterstützen müssen!!!
    das Problem bei deutschen Behörden ist nur, daß viele nur abstrafen können, daß sie eigentlich Dienstleister sind, kommt bei dieser “Elite” nicht an – oder zu wenig
    das zweite Problem ist der Straßenverkehr, da wäre es aber so, daß der Schuld ist, der einen Wolf überfährt, genau wie er (meist) Schuld ist, wenn ein Mensch, eine Katze im Dorf, ein Reh oder ein Igel überfahren wird = unangepaßte Fahrweise
    ————-
    Ein Wolf, der attakiert, darf natürlich abgeschossen werden – er hat dem Menschen einfach nicht zu nahe zu kommen. Punkt!
    Daß der deutsche “demokratische Rechtsstaat” mit seinen Demokratie- und Verordnungsgespiele nicht ein Problem lösen will, ist ja auch sehr schön in anderen Bereichen zu beobachten – ansonsten hätte man relativ früh eine Gruppe von Fachleuten zusammengeholt, die einen Kompromiß erarbeiten, den man nach einer Einlaufzeit etwas modifizieren kann – aber das will ja niemand: Merkel und Co. sind doch froh, wenn wir uns wegen dieser “Kleinigkeiten” in die Wolfs-wolle kriegen. Dann können sie die großen und entscheidenden Dinge hinter dem Vorhang regeln – z.B. Erdgas, fehlender Klimaschutz in der Landwirtschaft usw ………… wenn diese Bundes- und Länderregierungen ein Problem lösen wollen – schaffen sie das auch in Windeseile – aber hier wollen sie eben einfach nicht!

    Antworten
    1. Ronbi

      Gehört das Baltikum, Polen oder Italien nicht zu Mitteleuropa?
      Dort beißen Wölfe schon mal kraftvoll zu und die betroffenen Personen landen im Krankenhaus.
      Und waren es in Griechenland wirklich verwilderte Hunde?
      en.wikipedia.org/wiki/List_of_wolf_attacks

      Antworten
      1. Ronbi

        Klar jetzt, warum, wenn ich in den Wald will, immer im See lande.
        Mir geht es um den dauernd verwendeten Quatsch in jüngerer Vergangenheit, hätte es in Europa keine Angriffe von Wölfen auf Menschen gegeben.
        Oder Hunde beißen viel öfter zu.
        Laßt mal die Wolfpopulation auf Hundegröße anwachsen.
        Für die Allgemeinheit, mag es egal sein, wenn ein Einzelner vom Wolf angegriffen wird, für den Einzelnen allerding nicht.
        Wenn man für Hundebellen Schmerzensgeld bekommt, kann die Anwesenheit von Wölfen, auch wenn sie überhaupt nicht zu sehen sind, traumatisch sein.

        Antworten
  4. A. Wenk

    Moin Ronbi,
    warum Du im See landest, wenn Du in den Wald willst, erschließt sich mir nicht so schnell – bin nicht so helle wie Du. Oder [Kommentar gekürzt, bitte sachlich bleiben, admin.]
    auf emotionalen “Quatsch” antworte ich nicht weiter
    Was bedeutet der Satz: “Laßt mal die Wolfpopulation auf Hundegröße anwachsen.?????????”
    ich bekomme für Hundebellen kein Schmerzensgeld – gib mir mal die Adresse von dem Amt, daß ich mich da in die Reihe für das Begrüßungsgeld stellen kann.

    reg Dich erstmal ab, dann können wir über die Liste der Wolfsatacken sprechen
    wenn man gute Argumente hat und stellt die mit unausgegorenen Sätzen ins Abseits, muß man
    sich nicht wundern, daß die besten Argumente verpuffen
    gruß andreas

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.