Deutschland engagiert sich für den Selous

Zehn Jahre nach dem Auslaufen eines erfolgreichen Schutzprogramms für den Selous in Tansania erneuert Deutschland sein Engagement für das Wildschutzgebiet.

Rund 25.000 Elefanten fallen aktuell in Afrika der Wilderei zum Opfer. Jedes Jahr. Das Be­un­ru­hi­gen­de daran ist, dass diese Anzahl über die letzten Jahre stetig an­ge­stie­gen ist. Auch für Nas­hör­ner ist die Lage dra­ma­tisch. Die immensen Schwarz­markt­preise für das Elfenbein der Elefanten und das Horn der Nas­hörner vor allem treiben die Wilderei in ganz Afrika kata­stro­phal in die Höhe. Die meisten afri­ka­ni­schen National­park­ver­wal­tun­gen haben nicht die ent­spre­chen­de Aus­rüs­tung und finanziellen Mittel, gegen die pro­fes­sio­nell or­ga­ni­sier­te Wilderei angehen zu können.

Die Wildereikrise gefährdet den Fort­be­stand von Elefanten und Nashörnern und dabei gleich­zeitig die Lebens­grund­lage der Menschen vor Ort. Für Tansania und die anderen be­trof­fe­nen Länder steht eine der wich­tig­sten na­tür­lichen Ressourcen ihres Landes auf dem Spiel: die großen Wildnis­gebiete und deren Reichtum an Arten. Mit Natur­tourismus als einem der größten Devisen­bringer des Landes, wird damit auch die wirt­schaft­liche Ent­wick­lung Tansanias beeinträchtigt.

“Wilderei ist daher auch ein ent­wick­lungs­po­li­ti­sches Problem zu dessen Lösung Staaten und die Zivil­ge­sell­schaft eng zusammen­arbeiten müssen. Die ZGF und der WWF sind dabei wichtige Partner”, so der Staats­sekretär im BMZ, Hans-Jürgen Beerfeltz.

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirtschaftliche Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) und die Zoologische Ge­sell­schaft Frankfurt (ZGF) vertiefen daher ihre Zu­sam­men­ar­beit beim Kampf gegen die Wilderei. Das BMZ stellt Mittel zur Verfügung, die den Kauf eines Auf­klä­rungs­flug­zeugs er­mög­lichen, mit dem die Schutz­gebiete mit mo­dern­ster Technik aus der Luft über­wacht werden können. Den Ranger-Einheiten am Boden stehen damit wesent­lich effek­ti­ve­re Methoden zur Wilderei­be­kämp­fung zur Verfügung als bisher. Damit wird das um­fas­sen­de En­gage­ment des BMZ in Tansania weiter ausgebaut.

Erst im letzten Jahr hat die deutsche Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit rund 23 Millionen Euro für den Erhalt des einzig­artigen Öko­systems der Serengeti zugesagt. Die ZGF ist seit mehr als 50 Jahren einer der wichtigsten Partner von Tansanias National­park­behörde TANAPA und unter­stützt diese ebenfalls beim Schutz des Serengeti National­parks. Bereits im ver­gan­ge­nen Jahr haben BMZ und ZGF erfolg­reich bei der Stärkung des North-Luangwa-National­parks in Sambia zu­sam­men­ge­ar­bei­tet. Zum Schutz der dortigen Elefanten und Nashörner wurde die Fahr­zeug­flotte der Ranger wesent­lich aufgestockt.

Überwachung aus der Luft

Eine Cessna Enforcer, aus­ge­rüs­tet mit mo­dern­ster Über­wa­chungs­tech­no­lo­gie, wird in circa acht Monaten zur Ver­fü­gung stehen, in Tansania stationiert sein und in Ab­stim­mung mit den tan­sa­ni­schen Partnern von der ZGF betrieben werden, die auch die laufenden Kosten des Flugzeugs tragen wird. Von der ZGF wird das Flugzeug den unter­schied­lichen tan­sa­ni­schen Partnern (Tanzania National Parks, Wildlife Division) zur Ver­fü­gung gestellt. Ebenso steht es für Einsätze in anderen Ländern bereit, deren Schutz­gebiets­be­hör­den es anfordern.

“Um die immense Wilderei in den Griff zu bekommen, muss auf mehreren Ebenen gearbeitet werden”, sagt Staatssekretär Beerfeltz. “Erstens muss vor Ort die Über­wa­chung besser werden und die Menschen müssen in das Man­age­ment der Schutz­gebiete mit­ein­be­zo­gen werden. Zweitens müssen die Handels- beziehungs­weise Schmuggel­wege von Elfenbein und Nasenhorn besser kontrolliert werden und drittens muss mehr Auf­klärung auf der Kon­su­men­ten­seite erfolgen. Wir tragen nun aktiv dazu bei, am ersten Punkt anzusetzen und die Wahr­schein­lich­keit für Wilderer, gefasst zu werden, deutlich zu erhöhen. Damit unter­stützen wir das Rechts­system im Land, stärken die Volks­wirt­schaft und erhöhen die Sicher­heit auch für die Gemeinden im Umfeld der Schutzgebiete.”

Diese Unterstützung ist Teil eines breit an­ge­leg­ten Engagements der Bun­des­re­gie­rung für den Erhalt der bio­lo­gi­schen Vielfalt und die Be­kämp­fung der Wilderei, das über die Deutsche Ge­sell­schaft für Technische Zu­sam­men­ar­beit (GIZ) und die Kredit­anstalt für Wieder­aufbau (KfW) in Zu­sam­men­ar­beit mit lokalen Partnern und der Zivil­ge­sell­schaft umgesetzt wird.

Zählung von Tansanias bedeutendster Elefantenpopulation

Neben der Anschaffung des Flug­zeugs unter­stützt das BMZ ge­mein­sam mit der ZGF und dem laufenden Programm der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit die tansanischen Partner bei einer groß angelegten Zählung der Elefantenbestände im Selous-Mikumi-Ökosystem im Südosten Tansanias. Die Zählung ist Bestand­teil der nationalen Strategie gegen die Wilderei und wird der tan­sa­ni­schen Regierung eine wissen­schaft­lich fundierte Daten­grund­lage liefern, wie es um die Elefanten­bestände im Selous aktuell bestellt ist.

Der Selous ist eines der ältesten Schutz­gebiete Afrikas und wurde 1982 aufgrund seiner hohen Bio­di­ver­si­tät und seiner außer­or­dent­lichen Landschaft als UNESCO-Welt­natur­erbe anerkannt. Er beherbergt neben Löwen und den seltenen und ebenfalls von Wilderei stark bedrohten Spitz­maul­nas­hör­nern früheren Zäh­lun­gen zufolge auch etwa 40 Prozent aller Elefanten des Landes.

“Aufgrund des immensen Anstiegs der Wilderei in den letzten Jahren wissen wir nichts über die aktuelle Bestands­situation im Selous und sind sehr beunruhigt. Daher ist die Zählung sehr wichtig, um heraus­zu­finden, wo und wie man die Schutz­maß­nah­men optimal verstärkt”, sagt Dr. Christof Schenck, Geschäftsführer der ZGF.

Die für das Selous Game Reserve und die an­gren­zen­den Schutz­gebiete zu­stän­di­ge Behörde, die tan­sa­ni­sche Wildlife Division, hatte ihre deutschen Partner, die Zoologische Ge­sell­schaft Frankfurt und die deutsche Bun­des­re­gie­rung um Unter­stützung gebeten, um die auf­wän­di­ge Zählung durch­führen zu können.

Anfang Oktober werden Spezialisten der tan­sa­ni­schen Schutz­gebiets­ver­wal­tun­gen Tanzania National Parks (TANAPA) und Wildlife Division, des Tanzania Wildlife Research Institute (TAWIRI), der ZGF, der in Kenia an­säs­si­gen Orga­ni­sa­tion Save the Elephants, sowie hoch­karätige Experten für Tier­zählungen, die Elefanten­zählung im Selous durch­führen. Dazu wird das gesamte Gebiet von rund 120.000 Quadrat­kilo­me­tern (das entspricht dreimal der Fläche der Schweiz) sys­te­ma­tisch ab­ge­flo­gen und die Elefanten aus der Luft erfasst. PM BMZ

Bild: Elefanten am Rufiji-Fluss im Selous. Quelle: Wikipedia, Autor: Panii, Transfered from Datei:ElefantenAmRufiji.jpg, de.wikipedia.org

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