Der Wolf in unserer Kulturlandschaft – geht das konfliktfrei?

Der Wildbiologe Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel, hat die folgenden Gedanken zum Wolf in der Kulturlandschaft gestern (23.03.) an die Fraktionsvorsitzenden im Landtag Brandenburg, an alle Präsidenten der Landesjagdverbände und des DJV, an das Forum Natur Brandenburg und an den Deutschen und Brandenburger Bauernverband geschickt. Es werde höchste Zeit, so Pfannenstiel, “dass wir Jäger mit einer Stimme sprechen und die Vogel-Strauß-Politik beenden, bevor die Akzeptanz für den Wolf im ländlichen Raum bei Null angelangt ist.” Rückmeldung “von Kritik und guten Gedanken zum Thema” sind ausdrücklich erwünscht.

Der Wolf – eine bedrohte Art?

Die Art Canis lupus ist nicht vom Aussterben bedroht, trotz häufiger gegenteiliger Bekundungen von Politik und Ökofantasten. Im nördlichen Eurasien und in Nordamerika gibt es seit jeher große vitale Populationen. Der Artenschutz liefert keine wildbiologischen oder populationsökologischen Gründe, weswegen der Wolf nicht in Deutschland planmäßig bejagt werden könnte, wie es viele unsere Nachbarn in Europa tun, ohne ihren jeweiligen Wolfsbeständen zu schaden. Artenschutz wird gelegentlich mit Tierschutz verwechselt. Diese Verwechslung führt dazu, dass der ideologisch motivierte Naturschutz hierzulande den Wolf unter allen nur denkbaren Umständen für unantastbar hält. Dieser Einstellung liegt auch eine weitere Verwechslung zu Grunde. Oft werden Population und Bestand nicht sauber definiert und auseinandergehalten. Dieser Unterschied ist aber deshalb sehr wichtig, weil die EU-Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen, genannt Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-R) von Populationen im Sinne der biologischen Definition und nicht von lokalen Beständen spricht.


Hund-Wolf-Hybriden – Ein Artenschutzproblem

Die schon vor Jahren in der Lausitz beobachteten und jüngst auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf in Thüringen aufgetretenen Hybriden konnten die zuständigen Behörden unter dem Druck des ideologischen Tierschutzes nicht rechtzeitig erlegen oder fangen. Wenn aber unsere Wölfe, wie von einigen Wissenschaftlern durchaus diskutiert, ohnehin zu einem erheblichen Prozentsatz Hybriden sind, dann sind unsere Artenschutzmaßnahmen Artvernichtungsmaßnahmen.

Hybridisierung wird es im dichtbesiedelten Mitteleuropa vermutlich nicht zum letzten Mal gegeben haben. Zur Erhaltung der Art Canis lupus hilft dann nur entschlossenes Handeln, also Fang oder Erlegung aller Hybriden. Der Schutzstatus der FFH-R und des Naturschutzgesetzes, das ja die Regelungen der FFH-R in nationales Recht umgesetzt hat, darf für Hybriden nicht gelten.

Datenbank Wolfsgenetik – Fehlanzeige

Wir haben in Sachen Wolfsgenetik durchaus Nachholbedarf. Es gibt keine Datenbank, in der die Ergebnisse aller genetischen Daten zusammengeführt und für jedermann einsehbar dokumentiert sind. Zudem wird auch zunehmend methodische Kritik an dem Institut geübt, das quasi im Alleinauftrag alle offiziellen Proben bearbeitet. Da es im Laufe der mehrtausendjährigen Domestikationsgeschichte immer wieder zu Wolf- Hund-Hybridisierung gekommen sein wird, ist eine klare genetische Abgrenzung Hund/Wolf wohl nicht ganz einfach. Genetisches Vergleichsmaterial sollte deshalb von Wölfen aus Gegenden stammen, in denen die Wahrscheinlichkeit solcher Hybridisierungen geringer ist als bei uns im dichtbesiedelten Mitteleuropa. Damit sich jeder Interessierte selbst ein Bild über die genetischen Zusammenhänge europäischer Wölfe machen kann, gehören alle molekulargenetischen und sonstigen Daten zum Wolf in eine allgemein zugängliche Datenbank!

Konflikte vorprogrammiert!

Der früher ausgerottete Wolf hat sich bei uns wieder etabliert. Einzelne Wölfe sind auch nach der Ausrottung bei uns immer wieder von Osten her eingewandert. In der DDR wurden solche Wölfe konsequent erlegt. Es bestand diesbezüglich ein gesellschaftlicher Konsens; man wollte den Wolf in der Kulturlandschaft nicht haben. Auch diese gelegentlichen Erlegungen haben der Art selbstverständlich nicht geschadet. Erst nach der Wiedervereinigung von BRD und DDR stand der Wolf auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR unter strengem Schutz. Die dann nicht mehr erlegten Einwanderer aus dem Osten haben sich hier etabliert und fortgepflanzt. Wir können jetzt von einem deutschen Wolfsbestand reden, der am Ende des Jahres 2018 wohl aus mehr als 70 Rudeln mit jeweils etwa 10 Individuen bestehen wird.

Erfolgreiche Reproduktion und rasche Ausbreitung setzen sich fort. Die anfängliche Begeisterung für Isegrim schwindet derzeit allerdings im ländlichen Raum dramatisch. Obwohl sich unser Land stark in Richtung Kulturlandschaft gewandelt hat, sind unsere Schalenwildbestände (Huftiere) heute höher als zur Zeit der gnadenlosen Verfolgung des Wolfs und bieten ihm deshalb reichlich Beute. Seine Anpassungsfähigkeit wird ihn jedoch nicht an der weiteren Ausbreitung auch in wildärmeren Regionen hindern. Im Süden Brandenburgs streifen Wölfe schon heute nachts gelegentlich durch Dörfer. Konflikte werden sich deshalb in absehbarer Zeit verschärfen und möglicherweise unbeherrschbar werden. Das betrifft vor allem Nutztiere, kann aber auch jederzeit den Menschen betreffen. Der Wolf hat ja sein Verhalten seit der Ausrottung nicht geändert. Wer das leugnet, handelt verantwortungslos.

Verharmlosung kann gefährlich sein

Dafür liefert die Interpretation der sog. NINA-Studie des Norsk institutt for naturforskning, in Norwegen durch den NABU ein Beispiel. In dieser auch als Linnell-Report bekannten Studie listet ein internationales Forscher-Team Wolfsattacken auf Menschen der vergangenen Jahrhunderte bis 2001 auf. Zweck der Studie war: „providing a foundation for the process of reducing people´s fear of wolves”. Aus wissenschaftlicher Sicht erscheint es mehr als fragwürdig, wenn durch eine Auflistung von Wolfsübergriffen auf den Menschen die Angst vor dem Wolf abgebaut werden soll, bevor man das Ergebnis der Studie kennt. Die Liste der Attacken ist sehr lang. Sehr oft scheint Tollwut im Spiel gewesen zu sein. Dass für Mitteleuropa keine Übergriffe des Wolfs auf den Menschen aus jüngerer Zeit gefunden wurden, liegt selbstverständlich daran, dass es dort bis 2001 nur sehr wenige Wölfe gab.

Zitat aus dem Linell-Report:

„The fear of wolves.
A review of wolf attacks on humans.
Unprovoked attacks by non-rabid wolves on people are very rare, and the vast majority of wolves do not regard people as being prey. However, we have found a number of incidents where predatory attacks have occurred. In Europe, the largest numbers of records come from pre 20th century France, Estonia and northern Italy, where historians have looked systematicall for records of such events. The most famous event is from the Gevaudan area in France where historical records indicate that over 100 people were killed in the period 1764 – 1767. The wolves responsible were believed to be hybrids between wild wolves and and large shepherd dogs. From these three regions several hundred people appear to have been killed from 1750 until 1900.“

Meine Übersetzung des Zitats aus dem Linnell-Report:

Nichtprovozierte Angriffe von tollwutfreien Wölfen auf Menschen sind sehr selten, und die überwiegende Mehrzahl der Wölfe betrachtet den Menschen nicht als Beute. Wir haben allerdings eine Anzahl von Vorfällen gefunden, bei denen Menschen als Beute angegriffen wurden. Die höchsten Fallzahlen in Europa stammen aus der Zeit vor dem 20. Jahrhundert aus Frankreich, Estland und Norditalien. Dort haben Historiker auch systematisch nach solchen Vorfällen gesucht. Der berühmteste Fall hat sich in der Region Gevaudan in Frankreich zugetragen, wo zwischen 1764 und 1767 mehr als 100 Menschen von Wölfen getötet wurden. Man nahm an, dass dafür Hybriden von Wölfen und großen Hütehunden verantwortlich waren. Es scheint so, als seien aus dieser Region zwischen 1750 und 1900 einige hundert Menschen von Wölfen getötet worden.

Der NABU kommentiert das so (www.nrw-wolf.de/die-nina-studie-2002/):
„Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr aus, sie reagieren auf Menschen mit äußerster Vorsicht und nicht aggressiv. Menschen gehören nicht zur normalen Beute von Wölfen. Das Risiko in Europa oder Nordamerika von einem Wolf angegriffen zu werden ist sehr gering. Angriffe von Wölfen auf Menschen sind grundsätzlich ungewöhnlich und treten nicht spontan auf. In den extrem seltenen Fällen, in denen Wölfe Menschen getötet haben, waren die meisten Angriffe auf Tollwut oder Habituierung (Gewöhnung) zurückzuführen.“

Aus einer im Februar 2018 publizierten Arbeit „Large Carnivore Managementplans of Protection: Best Practices in EU Member States“ (Fernández-Gil et al.) stammt dieses Zitat:

„Fear of wolves In countries where wolves were absent and have now returned, the collective memory of coexistence between the species has disappeared, giving rise to fears. Even though there aren’t any well documented cases of wolf attacks on people in Europe, in certain countries like Finland, social alarm is so high that a special taxi transports children from their front doors to school (Barkham 2017). Research has shown, however, that when humans have intentionally approached radio-collared wolves in Sweden (n=125), there have been no occasions of aggressive behaviour and on 123 occasions the wolves ran away (Wam 2002).”

Meine Übersetzung des Zitats aus Fernández-Gil et al.:

Angst vor Wölfen

In den Ländern, in denen der Wolf nun nach langer Abwesenheit wiederkommt, ist die kollektive  Erinnerung an die Koexistenz zwischen den Arten verschwunden. Dadurch entstehen Ängste. Obwohl es keine gut dokumentierten Fälle von Wolfsattacken auf Menschen in Europa gibt, ist in manchen Ländern die gesellschaftliche Aufregung groß. In Finnland werden Kinder mit speziellen Taxis von der Haustür abgeholt und zur Schule gebracht (Barkham 2017). Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass mit Senderhalsbändern versehene Wölfe in keinem Fall aggressives Verhalten zeigten, wenn sich ihnen Menschen absichtlich näherten (n = 125). In 123 Fällen ergriffen die Wölfe sogar die Flucht (Wam 2002).

Sowohl NABU als auch die Autoren der von der EU beauftragten Arbeit leugnen schlicht gut dokumentierte Übergriffe von Wölfen auf Menschen. Ich halte solche Äußerungen für verantwortungslos.

Wolf und Jagdrecht

Wegen der Reproduktions- und Ausbreitungsdynamik des Wolfs muss jetzt rasch darüber nachgedacht und entschieden werden, wie künftig Konflikte vermieden werden können. Dabei muss und wird eine Begrenzung des Wolfsbestandes mit jagdlichen Mitteln notwendig sein. Wer davor die Augen verschließt, verweigert sich der Realität. Die Anwendung unseres Jagdsystems für die Bejagung des Wolfs ist alleine wegen der Rationalität zwingend. Die „Entnahme“ von „Problemwölfen“ durch staatliche Wolfsjäger wird das Problem nicht lösen, zumal sie durch bürokratische Monster nahezu unmöglich gemacht wird. Paradebeispiel dafür ist die Wolfsverordnung Brandenburgs. Der erste Antrag auf „Entnahme“ eines Wolfsrudels wurde gerade mit fadenscheinigen formalen Begründungen abgelehnt. Im Übrigen gibt es aus biologischer Sicht keine Problemwölfe. Isegrim nimmt einfach die am leichtesten zu bekommende Beute, und das sind eben in unserer Kulturlandschaft oft Weidetiere.

Die meisten Tierarten, die dem Jagdrecht unterliegen, können in Deutschland bejagt werden, wobei Nachhaltigkeit und Weidgerechtigkeit im Vordergrund stehen. Jagd hat in Deutschland seit vielen Jahrzehnten keine Tierart ausgerottet oder auch nur in ihrem Bestand gefährdet.

Eine Säule unseres Jagdsystems ist das Reviersystem. Eine weitere Säule stellt das durch Jagdgesetze und Verordnungen geregelte Zusammenspiel von Jagdbezirken und Jagdbehörden dar. Dieses System hat sich im Großen und Ganzen bewährt, und der Umgang mit dem Wolf darf unser Jagdsystem nicht untergraben. Es hat sich jedoch bereits neben dem Jagdsystem eine Vielfalt von Institutionen, Gremien, NGOs und Einzelpersonen gefunden, die sich um den Wolf kümmern. Das wird deutlich, wenn man sich in den Wolfsmanagementplänen der Bundesländer anschaut, wer mit dem Managen des Wolfs betraut ist. Die Befürchtung, unser Jagdrecht und unser Jagdsystem würden ausgehöhlt, ist nur allzu berechtigt. Beispielhaft dafür steht die bereits erfolgte Ausschreibung der Stelle eines staatlichen „Wolfsentnehmers“ in Brandenburg. Hier soll also ein staatlich beauftragter Wolfsjäger in das gesetzlich geregelte Miteinander von Jagdbehörden, Jagdbezirken und Jagdausübungsberechtigten ohne ausreichende gesetzliche Grundlage eingreifen. Das ist schon alleine aus Sicherheitsgründen ein Unding.

Managementpläne

Unter Wildtiermanagement kann man alle Maßnahmen des Menschen zur Beeinflussung von Wildtieren zusammenfassen. Jagd ist in unserer Kulturlandschaft eine wichtige Maßnahme des Wildtiermanagements. Die Pläne der Bundesländer zum Wolfsmanagement haben mit Wildtiermanagement jedoch nichts zu tun. Sie beobachten die Reproduktions- und Ausbreitungsdynamik des Wolfs – Stichwort Monitoring – und versuchen durch finanzielle staatliche Unterstützung von Weideviehhaltern und Gehegewildhaltern die Prävention von Übergriffen zu stärken und Schäden auszugleichen. Die aus Steuermitteln gezahlten Beträge für Präventionsmaßnahmen und für Schadensausgleich sind in den vergangenen 10 Jahren exponentiell angestiegen. In keinem dieser Pläne ist jedoch eine direkte oder indirekte Beeinflussung der Höhe der Wolfsbestände vorgesehen.

Es werden im Gegenteil hohe Hürden für die „Entnahme“ von Einzeltieren aufgebaut. Auch für den Umgang mit verletzt oder hilflos aufgefundenen Wölfen ist in den Managementplänen ein Handlungsschema entworfen worden, an dem eine nahezu unüberschaubare Vielzahl von Behörden und Institutionen beteiligt ist. In Bayern soll beispielsweise vor der Entscheidung über das weitere Schicksal eines verletzten Wolfs möglichst auch die Bezirksregierung gefragt werden. Zitat aus dem bayerischen Managementplan: „Tierarzt und erfahrene Person veranlassen Maßnahmen vor Ort möglichst nach Rückkoppelung und Entscheidung durch Regierung“. Unter Umständen muss so ein verletzter Wolf am Straßenrand stundenlang
leiden, bevor er euthanasiert werden kann. Wo bleibt da der Tierschutz?

Der Wolf im Recht

Die Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen wird bei uns plakativ als Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie bezeichnet. Sie soll der Sicherung und dem Schutz wildlebender Arten, ihrer Lebensräume und der europaweiten Vernetzung dieser Lebensräume dienen. Die Lebensraumvernetzung soll der Bewahrung, Herstellung und Entwicklung ökologischer Wechselbeziehungen dienen sowie natürliche Ausbreitungs- und Wiederbesiedlungsprozesse fördern. Die FFH-R stellt die Umsetzung der von den EU-Mitgliedstaaten 1992 eingegangenen Verpflichtungen zum Schutz der biologischen Vielfalt (Biodiversitätskonvention, CBD, Rio 1992) dar. Die zu schützenden Arten und Lebensraumtypen sind in verschiedenen Anhängen der FH-R
aufgeführt.

In Anhang IV sind für Deutschland 134 seltene und schützenswerte Tier- und Pflanzenarten gelistet, die unter besonderem Rechtsschutz der EU stehen. Dazu gehören Wolf (Canis lupus) und Biber (Castor fiber). Deren Lebensstätten dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden.
Nach BNatSchG vom 18.12.2007 darf landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche und fischereiwirtschaftliche Bodennutzung den Erhaltungszustand der lokalen Populationen von Anhang IV der FFH -Richtlinie nicht verschlechtern. Hier stellt sich sofort die zugegebenermaßen provokante Frage, ob wolfssichere Zäune um Viehweiden nicht eine Beschädigung des Wolfslebensraums darstellen.

In Anhang V sind für Deutschland 103 Tier- und Pflanzenarten verzeichnet, die im Rahmen von Managementmaßnahmen genutzt bzw. entnommen werden können, darunter beispielsweise die Gams (Rupicapra rupicapra) und der Steinbock (Capra ibex). Diese beiden Arten werden bei uns ganz regulär und planmäßig bejagt.

Biologisches Konzept der Population

Eine Gruppe von Individuen einer Art, die räumlich-zeitlich eine Einheit bilden und in der sich zumindest potentiell Jeder mit Jedem fortpflanzen kann, wird von Biologen als Population bezeichnet. Diese Definition bezieht sich demnach zunächst nur auf solche Arten, die sich bisexuell fortpflanzen. Durch die bisexuelle Fortpflanzung werden die Gene in einer solchen Population ständig durchmischt. Man kann Populationen also auch durch den gemeinsamen Genpool, die Gesamtzahl der Gene aller Individuen der Population charakterisieren. Berücksichtigt man die auf Grund der Rudelstruktur und der Rudelterritorialität notwendige Dismigration von Jungwölfen und die dabei zurückgelegten Entfernungen, wird rasch klar, dass zumindest zwischen den für Mittel- und Osteuropa definierten „Populationen“ ständig genetischer Austausch stattfindet. Demnach stellen die deutschen Wölfe Teil einer europäischen Wolfspopulation dar. Diese Population steht zudem mit angrenzenden Populationen im genetischen Austausch. Die so entstehende Fortpflanzungsgemeinschaft bezeichnet die Biologie als Metapopulation. Übrigens müssen beim genetischen Austausch durch wandernde Individuen keine demographischen Veränderungen stattfinden. Die Zahl der Wanderer in einer solchen Metapopulation ist im Verhältnis zur Größe der Gesamtpopulation oder auch der einzelnen Populationen ohne Bedeutung.

Einen solchen Populationszustand hat das Landesamt für Umwelt in Brandenburg auf seiner Internetseite beschrieben (Stand Februar 2018), vermutlich ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein:

„Genetische Daten zu Wölfen: Die brandenburgischen Wölfe sind Teil der Deutsch-Westpolnischen Wolfspopulation. Hinweise auf Gehegeflüchtlinge oder illegale Aussetzungen durch den Menschen gibt es in Brandenburg aus genetischer Sicht nicht. Es gibt keine genetischen Hinweise auf Hybridisierung (Wolf-Hund-Mischlinge).

Die genetische Vielfalt hat ein normales Ausmaß, durch Zuwanderung und Populationsexpansion wird die in kleinen Populationen unvermeidliche Inzucht ausgeglichen. Inzucht spielt in Brandenburg derzeit keine Rolle.

Brandenburg ist nicht nur ein Einwanderungsland für Wölfe; von hier abgewanderte Tiere konnten durch bundesweiten und internationalen Datenabgleich in anderen Bundesländern bzw. Ländern genetisch nachgewiesen werden.“

Demnach sind unsere deutschen Wölfe Bestandteil einer europäischen Population, die sich seit langem im günstigen Erhaltungszustand befindet.

Günstiger Erhaltungszustand

Canis lupus ist in der FFH-R nicht überall in Europa bzw. in den Mitgliedsstaaten der EU einheitlich in die Anhänge mit unterschiedlichem Schutzstatus eingeordnet. Bei uns und in Schweden steht er beispielsweise in Anhang IV, im Baltikum in Anhang V. In Spanien und in Griechenland ist er in einem Landesteil in V und in anderen Gebieten in IV gelistet. Diese subjektiven Einordnungen lassen das biologische Populationskonzept, auf das sich die FFH-R bezieht, vollkommen außer Acht. Deutsche Wölfe stellen eindeutig keine Population im biologischen und im Sinne der FFH-R dar. In der FFH-R wird übrigens zwar für Populationen ein günstiger Erhaltungszustand gefordert, nirgends aber werden konkrete Zahlen von Individuen genannt. Die immer wieder in diesem Zusammenhang in die Diskussion eingebrachte Zahl von 1000 geschlechtsreifen Individuen wurde ursprünglich für Huftiere abgeleitet und ist auf den Topprädator Wolf wohl kaum ohne Weiteres zu übertragen.

Ein Wolfsrudel besteht aus dem geschlechtsreifen, reproduzierenden Elternpaar und den diesjährigen und letztjährigen Welpen. Die älteren Welpen wandern nach und nach ab (Dismigration) und suchen sich eigene Reviere. In Anbetracht dieser Sozialstruktur des Wolfs würden 1000 geschlechtsreife Tiere 500 Rudel bedeuten. Legt man acht Individuen als mittlere Rudelgröße im Jahreslauf zu Grunde, wären das 4000 Wolfsindividuen. Wer meint, in Deutschland könne es so viele Wölfe geben, ohne dass es zu erheblichen Konflikten zwischen Wolf, Weidevieh und Mensch kommt, der irrt. Die Wölfe würden selbstverständlich auch nicht aufhören sich fortzupflanzen, wenn diese Fantasiezahl erreicht ist. Wohin dann mit dem 30prozentigen jährlichen Nettozuwachs?

Alle Jagdgesetze in Deutschland (Bundesjagdgesetz und Jagdgesetze der Bundesländer) fordern eine Anpassung von Wildtierbeständen an die Landeskultur. Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Fischereiwirtschaft müssen demnach ohne wesentliche Beeinträchtigungen durch Wild möglich sein. Nun wird ohne vernünftige und nachvollziehbare Begründung für den Wolf genau das Gegenteil gefordert. Die Landeskultur soll sich nach den Vorstellungen u. a. des ideologischen Naturschutzes an die Bedürfnisse des Wolfs anpassen. Weidetiere und Gehegewild müssen in Hochsicherheitstrakten eingezäunt werden. Andererseits werden für viel Geld Grünbrücken gebaut. An manchen Schulen fallen bereits Wandertage aus, und einige Kindergärten lassen ihre Zöglinge nicht mehr ohne Weiteres im Freien spielen. Die in Finnland
per Taxi zur Schule gebrachten Kinder wurde bereits erwähnt. Hunde können bei der Jagd in Wolfsgebieten nicht geschnallt werden, und vor Schutzhunden in Schafsherden muss man sich in Acht nehmen. Der Wolf beeinflusst also bereits das Leben des Menschen im ländlichen Raum sehr deutlich und in negativer Weise; von Anpassung des Wolfs an den Lebensraum Kulturlandschaft kann bisher keine Rede sein.

Wie gehen unsere Nachbarn in Europa mit dem Wolf um?

In den baltischen Staaten Litauen, Estland und Lettland steht der Wolf in Anhang V der FFH-R und wird regulär planmäßig bejagt. Die Jahresstrecke der drei Baltenrepubliken liegt im Mittel der letzten Jahre bei 300 Wölfen pro Jahr. Es gibt nach wie vor Wölfe im Baltikum und ihr Erhaltungszustand wird auch von der EU offiziell als günstig betrachtet! Die Landesfläche der baltischen Staaten liegt bei zusammen 175.228 km². Die Einwohnerzahl beträgt ca. 6,2 Mio Menschen; das sind im Mittel 35 Menschen pro km². Zum Vergleich: Deutschland hat eine Fläche von 357.376 km ². Die Einwohnerzahl liegt bei knapp 83 Millionen, d. h. 231 Einwohner je km², also um den Faktor 7 mehr als im Baltikum. Das Bundesamt für Naturschutz geht von bis zu 400 möglichen Wolfsterritorien in Deutschland aus. Bei 400 Rudeln zu im Mittel 10 Individuen, also 4000 Wölfen, müssten jedes Jahr weit über 1000 Wölf erlegt werden, um nur den jährlichen Zuwachs von 30 bis 35 Prozent abzuschöpfen. Dieses einfache Rechenexempel zeigt, dass es so weit nicht kommen darf.

In Frankreich genießt der Wolf durch Einordnung in Anhang IV der FFH-R den gleichen Schutzstatus wie bei uns. 2016 wurden in Frankreich 52 Wölfe erlegt, 2017 40 Stück, und für 2018 ist der Abschuss von 40 Wölfen freigegeben.

Auch in Schweden steht der Wolf in Anhang IV. Der schwedische Reichstag hat den günstigen Erhaltungszustand der dortigen Wölfe nach gründlichen Überlegungen und mit fachwissenschaftlicher Rückendeckung bei 300 Exemplaren festgelegt. Das wird so verstanden, dass eine Erhöhung dieser Zahl nicht gewünscht wird. Deshalb gibt es in Schweden Lizenzjagd auf den Wolf und sog. Schutzjagd. Außerdem wurde das Gebiet der samischen Rentierzüchter zum wolfsfreien Gebiet erklärt. Durchwanderer werden dort geduldet. Wölfe, die sich dort dauernd ansiedeln wollen, werden erlegt. Mit der Lizenzjagd ist die EU nicht einverstanden, wohl aber mit der Schutzjagd.

2017 wurden in Schweden im Rahmen der Lizenzjagd 25 Wölfe freigegeben und erlegt. Vom 2. Januar bis 15. Februar 2018 waren 22 Wölfe frei. Innerhalb von zwei Tagen war die Quote bereits zur Hälfte erfüllt.

Alle Klagen gegen die Festlegung von 300 Individuen als günstiger Erhaltungszustand und gegen die Lizenzjagd sind zumindest in Schweden höchstrichterlich abgewiesen worden. Das Konzept der Schutzjagd soll regional Weidetierhaltern helfen, denen Wölfe erhebliche Probleme machen. Ein von mehrfachen Wolfsübergriffen geschädigter Weidetierhalter beantragt eine Schutzjagd beim Landkreis, der nach entsprechender Prüfung und Würdigung des Sachverhalts gegebenenfalls eine Schutzjagd anordnet. Die lokale Jägerschaft führt dann die Jagd durch. So lässt sich das lokale Problem lösen, ohne der Art Canis lupus zu schaden.

In den EU-Mitgliedstaaten Bulgarien, Finnland, Italien, Kroatien, Portugal, Rumänien und Slowakei wird der Wolf ebenfalls bejagt. In Bulgarien und Rumänien wird die Wolfsjagd sogar über Jagdreiseveranstalter vermarktet.

Was folgt daraus?

Der Wolf sollte bei uns unverzüglich nach Anhang V der FFH-R überführt, bundesweit ins Jagdrecht übernommen und regulär nach Plan bejagt werden. Beispiele unserer Nachbarn zeigen, dass das möglich ist, ohne die Art im Geringsten zu gefährden. Dazu müssen Länderregierungen und die Bundesregierung druckvoll aufgefordert werden, sich in Brüssel für eine alsbaldige Lockerung des Schutzstatus, also für die Überführung von Anhang IV nach Anhang V einzusetzen. Dann kann der Wolf auch bei uns planmäßig bejagt werden. Er wird dann tatsächlich ein recht scheues Tier bleiben, das menschliche Ansiedlungen und Weidevieh weitestgehend meidet.Man kann durchaus auch Wolfschongebiete ausscheiden, wie beispielsweise Nationalparks, DBU-Flächen oder Flächen von Naturschutzstiftungen. Im übrigen Land könnte der Wolf dann nach Abschussplan bejagt werden. Die Jagd auf den Wolf muss nach den gleichen wildbiologischen Kriterien und Grundsätzen der Weidgerechtigkeit erfolgen, die auch bei der Bejagung anderer Wildarten als Maßstab gelten. Es empfiehlt sich ausdrücklich der körperliche Nachweis jedes erlegten Wolfs sowie die Verwendung von Wildmarken und Wildursprungsscheinen, um bei der Streckendokumentation klare Verhältnisse zu haben und jedes Stück nachverfolgen zu können. Hierbei und insbesondere auch beim Monitoring unsere Wolfsbestandes könnte ein Bundesinstitut nach baltischem Vorbild federführend tätig werden. Die in der Überschrift gestellte Frage muss man wohl mit einem klaren Nein beantworten. Wenn Konflikte mit dem Wolf in der Kulturlandschaft nicht ausufern sollen, geht an einer Regulierung unseres Wolfbestandes mit jagdlichen Mitteln kein Weg vorbei. Wie zahlreiche europäische Nachbarn zeigen, schließen sich Bejagung und Artenschutz nicht gegenseitig aus. Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel.

Beitragsbild: Von Wolf gerissenes Schaf (Archivbild) Foto: SE

 

8 Gedanken zu „Der Wolf in unserer Kulturlandschaft – geht das konfliktfrei?

  1. Frank

    Wird in Deutschland Wunschtraum bleiben. Die Regierung hört lieber auf selbsternannte Experten. Wenn das Kind dann in den Brunnen gefallen ist wird dann das Problem auf die Jägerschaft abgewälzt.

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  2. Ralf

    Professor Pfannenstiel hat Hintergrundinformationen geliefert und klare Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt. Wenn die Vertreter der entsprechenden Regierungen sich dieser Problematk weiterhin verweigern, dann zweifele ich am gesunden Menschenverstand dieser Regierungsvertreter!

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  3. Ronbi

    Es war und ist ein historischer und biologischer Fehler, die ungehinderte Ausbreitung von Canis lupus, vor allem von Italien und dem östlichen Europa her. Schuld die Falschaussagen einiger NGOs, die zu EU Recht wurden.
    Derzeit scheint man zu hoffen, dass sich die Betroffenen schon daran gewöhnen werden.
    Wirklich keine menschlichen Opfer in Deutschland?
    Was ist mit der Vielzahl von verschwundenen Personen.
    Welche Dienststelle würde sich die Mühe machen, ob der Tierfrass vor oder nach dem Exitus eintrat.
    Und wenn alles hier noch gut ist, anderswo Ukraine, Weissrussland, Türkei usw ist dem nicht so.
    Aber auch bei uns richten Wölfe schon Schäden bei den Menschen an, wenn die Menschen sich zu Recht unwohl im Wolfsgebiet fühlen.
    Eigentlich, lassen die offiziellen Stellen die betroffenen Menschen allein.
    In die Hände klatschen reicht bestimmt nicht.

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  4. Mikka

    Sehr geehrter Prof. Pfannenstiel,
    viele Jäger, Landwirte und auch Politiker schätzen Ihren Leumund. Auch ich bin ein Anhänger Ihrer Analysen und Ihres Einsatzes für jagdliche Werte, die es auch in meinen Augen tagtäglich zu verteidigen gilt. Leider kann ich Ihrer Forderung nach Wolfsbejagung im regulären Revierjagdsystem nicht folgen. Ich fasse meine Begründung kurz:
    In der heutigen Jagd sind WIR Jäger es, die immer mehr einen monetären Druck zwischen Gesellschaft und Natur abpuffern müssen. Der eine schreit Wildschaden, der andere will die Wiesenbrüter schützen, ein nächster pöbelt weil WIR Zugang zu Waffen haben.
    Beim Wolf haben WIR doch mal die Chance zu sagen, wenn die Politik den Wolf schütz, können die Jäger nichts dafür, wenn der Wolf Nutztiere reißt, auch nicht und wenn der Wolf hinter dem Kindergarten steht, sind nicht WIR es, die einen Abschuss fordern dürfen, sondern die Gesellschaft! WIR sind gern Mittel zum Zweck und die Gesellschaft kann sich der Jäger bedienen, gegen Entschädigung natürlich. Nur so können WIR glaubhaft vermitteln für Artenschutz und Gleichgewicht einzustehen und gleichzeitig besonders rechtstreue Bürger zu sein. WIR haben es doch überhaupt nicht nötig den Wolfabschuss zu fordern!!! Beim Kormoran z.B. hat doch auch kein Jäger geschrien “ich will” und am Ende wieder lamentiert “immer WIR”. Lassen Sie uns bitte bei der Wahrheit bleiben, und mit breiter Brust der Politik sagen wir sind bereit, wenn ihr uns braucht, bis dahin sind wir aber brave, loyale Bürger mit dem Privileg zum Waffenbesitz!

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    1. Ralf

      Sehr geehrte/r Mikka,
      ich bin zwar nicht Professor Pfannenstiel, fühle mich trotzdem irgendwie herausgefordert.
      Sie schreiben auf der einen Seite, dass es jagdliche Wert tagtäglich zu verteidigen gilt. Auf der anderen Seite stellen Sie genau diese in Frage.

      Sie stellen jagdliche Werte dadurch in Frage, indem Sie fordern, dass wir Jäger das quasi “aussitzen” sollen. Sollen doch andere entscheiden. Man wird schon auf die Jäger zukommen. Das kann so kommen, muss es aber nicht!
      In dem von Ihnen geforderten Szenario kann genausogut über die Köpfe von uns Jägern hinwegentschieden werden.
      Ich persönlich möchte nicht Schädlingsbekämpfer auf Abruf spielen (wenn es aus Gefahrenabwehrsicht zu spät ist) oder gar auch andere Personen im Revier erdulden, die uns dann “aufs Auge gedrückt” werden und die mit “amtlichem Auftrag” die Wölfe im Revier dezimieren. So kann es entschieden werden.
      Das Revierjagdsystem, dass in der Revolution erstritten wurde, würde in Frage gestellt werden. Es kann kein Ziel für uns sein, dass das Jagdrecht unterhalb des Naturschutzrechtes angesiedelt wird. So kann es kommen, wenn wir nicht mitreden dürfen und “es aussitzen”.

      Und:
      Wir Jäger sind ein Teil der Gesellschaft, der seiner Verantwortung über die Natur nur dann gerecht werden kann, wenn er auch die Verantwortung für die Wildtiere (nicht nur nach Verkehrsunfällen) von der Gesellschaft übertragen bekommt. Generell. Immer. Zu den Wildtieren zähle ich auch den Wolf.
      Ich habe ein erhebliches Problem damit, abzuwarten, bis man auf mich zukommt und mich um den Abschuss eines “Problemwolfes” bittet, der bei fehlender Verfolgung durch uns Menschen in Zeiten fehlgeleiteter Politik in der Zahl erheblich ansteigen wird. Das Verantwortungsgefühl das ich habe, existiert immer- und nicht nur auf Abruf zur eigentlich schon zu späten Gefahrenabwehr eines Problemwolfes.

      Ich persönlich fühle mich zur Hege der Wildtiere verpflichtet und würde es begrüßen, wenn man mir auch die Verantwortung für die Wölfe mitübertragen würde. Eine entsprechende Regelung zur Aufnahme ins Jagdrecht mit Festlegung einer Jagdzeit und jährlicher Festsetzung von Abschusszahlen durch die untere Jagdbehörde (nach Herabstufung des Schutzstatus in der FFH-Richtlinie), wodurch gleichzeitig Vergrämung stattfindet, wird zur Akzeptanzsteigerung der Wölfe in der Bevölkerung führen.
      Wir haben in hegerischem Umfang die Bestände im Blick. Die Zeit, die ein Jäger im Wald und im Feld verbringt, die sucht ansonsten seinesgleichen bei BUND- und NABU-Mitgliedern.

      Allerdings haben wir jetzt wieder eine Bundesumweltministerin, die auf ihrer Homepage mit NABU-Mitgliedschaft wirbt. In welche Richtung die Reise auch mit Jagd und Wolf gehen wird, ist ungewiss. Wenn wir nicht mitbestimmen und uns in die Diskussion nicht mit einbringen, dann wird über uns Jäger und über Veränderungen der Jagd ohne uns bestimmt werden. Es liegt also auch definitiv an uns und unseren Interessenvertretungen, für unsere Interessen bestimmt und nicht nur “irgendwie” einzustehen!

      Ich frage mich allerdings, warum Sie das “Privileg zum Waffenbesitz” so betont benennen. Die Jagdwaffe ist unser Handwerkszeug. Handwerkszeug wie für den Zimmermann der Hammer oder für den Maurer die Kelle. Dieses “Privileg” als Grund zu nennen, die Füße flach zu halten und sich nicht am Entscheidungsfindungskomplex zu beteiligen, halte ich für prinzipiell falsch! Wir leben in einer veränderten Zeit, in der man eben nicht alles aussitzen kann, sondern in der man auch für seine Rechte streiten muss! Das macht aber die Demokratie auch aus.

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  5. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Es ist bereits neben unserem Jagdsystem ein weiteres System entstanden, das sich unter dem Deckmantel Naturschutz mit genuin jagdlichen Themen befasst. Man denke nur an alles, was sich um den Biber rankt und an das, was um den Wolf herum jetzt geschieht. Die Riesenzahl von Personen, Ämtern und NGOs, die sich um den Wolf “kümmern” und in den sog. Wolfsmanagementplänen der Bundesländer in vielfältiger Weise eingebunden sind, ist doch unter rationalen Gesichtspunkten nicht nachvollziehbar, wenigstens nicht für mich. Das, denke ich, muss unterbunden werden, denn das ist vermutlich nur die Vorstufe zur Unterstellung unseres bisherigen Jagdsystems und aller Wildarten unter das Naturschutzrecht. Außerdem sind wir Jäger der Gesellschaft gegenüber in der Verantwortung, meine ich. Wenn Paradiesökologen und Ökofantasten der Bevölkerung einreden, wie harmlos der Wolf ist, dann haben wir, meine ich, die Pflicht, dem energisch zu widersprechen und Vorschläge für Abhilfe zu machen.

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  6. Mikka

    Alles richtig und nachdenkenswert.
    Der Wolf wurde von der oben genannten Klientel verklärt und zur Ikone einer absolut realitätsfernen Bewegung in Deutschland gemacht. Das ist der moderne Ablasshandel. Solange diese neugrüne Bewegung, in ihren schicken Stadtwohnungen, ihren Müll trennt und das Bio-Müsli aus dem plastikfreien Glas “frisst”, ist für diese Leute die Welt in Ordnung.
    Der Wolf als schnellexpandierende Tierart ist doch prädestiniert als heilige Kuh zu fungieren, um beruhigt zu sein, dass die Natur nach Deutschland zurück kehrt. Das der Nahrungsopportunist Wolf nur ganz einfach einen reichlich gedeckten Lebensraum erschließ, der eben mit Naturnähe überhaupt nichts zu tuen hat, ist diesen Leuten und vielen andern einfach nicht bewusst.
    Genau da sollten WIR es eben nicht sein, die einfordern diese Tierart zu bejagen. Die Notwendigkeit zur Regulation liegt doch nun mehr als alles andere auf der Hand und wird kommen! Sehr gut das Prof. Pfannenstiel auch über die Schutzwürdigkeit des Wolfes aufklärt und auf rechtliche Notwendigkeiten hinweist. Er darf auch als Wildbiologe den Abschuss fordern, jedoch als Jäger, finde ich, eben nicht. Hier muss sich doch die Gesellschaft selbst reinigen und erkennen, welchen Ideologen hier ständig hinterhergerannt wird. Und wenn es der bäuerlichen Lobby in Deutschland reicht, dann wissen wir doch wie Wahlen ausgehen. Und wenn es der letzte Landwirt nicht begreift wie er mit der neuen Umweltministerin gerade erst wieder über den Tisch gezogen wurde, dann weiß ich auch nicht.
    Ralf, bitte nicht übel nehmen: aber wenn Sie hegen wollen, dann bekämpfen Sie die Neobiota, welche rein ökologisch eine absolute Katastrophe für unsere heimische Flora und Fauna sind. Der Wolf beeinfluss nur eine Art in Deutschland nachhaltig und monetär, den Menschen.
    Wenn die Jagdlobby mal in diesem Punkt zusammen halten würde und sagt: wir erkennen das Problem, wir wissen wie wir es lösen könnten, wir würden uns auch kümmern, jedoch sind wir an Recht und Gesetz gebunden und werden auf Grund unserer gesellschaftlichen Privilegierung doch nichts strafrechtliches einfordern, dann würde vielleicht auch die Jäger anders war genommen. So ist es gemeint Ralf.
    Und Prof. Pfannenstiel – der Gesellschaft Ökofantasmus auszureden ist ein hehres Ziel und auch richtig! Weiter so! Die Möglichkeit von Abschüssen ist erwähnenswert, die Forderung danach falsch! Und mit der Angst von Menschen zu spielen, ist gefährlich!!! Da wird man schnell zum Märchenonkel ;o)

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  7. Hubertus

    Der einzig relevanten Konflikt mit dem Wolf, die Schäden an Nutztieren, wird durch eine, wie auch immer, geregelte Jagd nicht gelöst. Bei Wolfsanwesenheit hilft nur Herdenschutz! Wenn von 10 Wölfen 3 geschossen werden, bedeutet das für den Tierhalter keine Entwarnung. Ungeschützte Weidetiere werden, auch bei Bejagung des Wolfes, eine leichte Beute sein. Leitmotiv für die Forderung nach Aufnahme ins Jagdrecht und anschließende Bejagung, scheint mir, die Angst vor einem Machtverlust sein. Die alleinige Deutungshoheit über den Umgang mit wild lebenden Tieren sehen viele Jäger als bedrohtes Exclusivrecht.

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