Der Soundtrack zur Wolfsverordnung

Oder: Wo die Zäune in den Himmel wachsen…

“Higher, higher, higher off the ground…” singen Taio Cruz und Kylie Minogue in dem Song “Higher” (Anhören auf eigene Gefahr), der damit das Zeug zum Soundtrack zur Brandenburger Wolfsverordnung hat – denn da wachsen die Zäune jetzt auch immer “höher, höher, höher vom Boden” auf: Erst waren 90 Zentimeter der vorgeschriebene Mindestschutz (unterschreiten die Brandenburger Weidetierhalter diesen, so kriegen sie keine Entschädigung für ihre von den Wölfen gerissenen Tiere), dann 1,05 Meter, jetzt sind wir bei 1,20 angekommen. Tja, in Brandenburg ist der Fortschritt halt tatsächlich messbar. Nur die Schäfer haben wieder was zu meckern, so beklagt sich der Dolgeliner (Landkreis Märkisch Oderland) Schäfer Wilfried Vogel, dass er vor drei Jahren gerade neue Zäune für seinen Betrieb gekauft hat (da war gerade von 90 cm auf 1,05 m erhöht worden): “Soll ich meine Weidezäune jetzt schon wieder alle wegschmeißen und neue kaufen?”, fragt Vogel griesgrämig in der MOZ. Es wird ihm wohl nichts anderes übrig bleiben, wenn er nicht gleich seinen Beruf aufgeben und Hartz IV beantragen will. Dass auch 1,20 Meter hohe Zäune kein unüberwindliches Hindernis für Wölfe darstellen, wie Vogel glaubt, hat die Goldenstedter Wölfin längst bewiesen. Bei 1,20 m ist also noch lange nicht Schluss…

Dass die immer höheren Netze auch immer schwerer und für die Schäfer, die sie auf- und abbauen müssen, immer schwerer zu handhaben sind, interessiere die Politiker offenbar nicht, klagt Wilfried Vogel in der MOZ. Auch mit dieser Vermutung dürfte er richtig liegen.

In Niedersachsen kritisiert das Landvolk derweil über wohlfeile Lippenbekenntnisse von Politikern und weist Kritik am Herdenschutz zurück: “Es fehlen keine Erkenntnisse im Umgang mit dem Wolf, unsere Weidetierhalter vermissen mutige Entscheidungen”, so entgegnete Landvolkvizepräsident Jörn Ehlers auf die Aussage von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies, im Umgang mit dem Wolf „klare Kante“ zeigen zu wollen.

Ehlers fordert aber nicht nur Sicherheit für die Menschen, sondern auch für Weidetiere. Die Einschätzung der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf, kurz DBBW, die in den vergangenen Monaten im Landkreis Cuxhaven gerissenen Tiere seien nicht ausreichend geschützt worden, bezeichnet Ehlers als praxisfremd. „Die Autoren des Gutachtens haben sehr lange gebraucht, bis sie zu dieser schalen Erkenntnis gekommen sind. Wir laden sie gerne ein, mit unseren Tierhaltern wolfssichere Zäune zu errichten“, sagt Ehlers. Allerdings sei dies in den weiten Grünlandregionen in Nordniedersachsen ein aussichtsloses Unterfangen und entspreche in keiner Weise dem tradierten Landschaftsbild.

„Es kann nicht sein, dass die Tierhalter tausende Rinder, Schafe, Ziegen weiträumig ein- und wegsperren müssen, einige wenige Wölfe sich aber ungeniert ausbreiten dürfen“, fügt er an. Mit der jetzt vorgesehenen Besenderung der Cuxhavener Wölfe greift Umweltminister Lies eine Forderung des Aktionsbündnisses Wolf (www.aktives-wolfsmanagement.de) auf. Der Zusammenschluss aller Tierhalterverbände fordert ein aktives Wolfsmanagement, Bewegungsprofile können dazu die richtige Entscheidungsgrundlage liefern. Weidetierhalter, egal ob als Hobbyhalter oder hauptberufliche Landwirte, hätten die eindeutige Erwartungshaltung, auffällig gewordenen Tiere zu vergrämen oder auch abzuschießen, so das Landvolk Niedersachsen. Jeder weitere Wolfsübergriff, wie auch der jüngst bekannt gewordene Fall bei einem Hobbyhalter in der Region Hannover, veranlasse die Weidetierhalter zu einer kritischen Bilanz. Ehlers befürchtet deren leisen Rückzug: „Sie sind zermürbt und wollen nicht jeden Morgen mit klammem Gefühl ihre Weiden kontrollieren“, schildert er. Sein eindringlicher Appell in Richtung Politik: Die Vergrämung und Entnahme auffälliger Wölfe muss sofort erlaubt werden. PM/SE

4 Gedanken zu „Der Soundtrack zur Wolfsverordnung

  1. Ronbi

    In der Türkei, Nachtpferch gemauert 2,20 m obendrauf Dornenzweige.
    Vielleicht gibt es da weniger Rehe, denn die Wölfe dort nehmen auch gern mal Mensch.

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  2. A. Sproesser

    Herrgott nochmal, erinnert sich keiner von den sogenannten Experten mehr an seinen Physikunterricht. Die Erhöhung
    von E-Zäunen bringt nichts. Ab der Höhe, in der der Wolf mit allen Vieren in der Luft ist, kann er, mangels Erdung keinen
    Stromschlag erhalten. 1,05 m genügt, wenn er gut gespannt ist.

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    1. Harzjäger

      Toll endlich hat es jemand gemerkt.
      Die Verandwortlichen die sich immer was neues einfallen lassen sollte man in die Wüste schicken.

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  3. J.Körner

    Sollen doch die Wölfe eingezäunt werden. Die meisten Truppenübungsplätze sind es doch bereits. Das wird dann richtig preisgünstig. Für Wolfsfreunde können dann Eintrittsgelder für Erlebniswochenenden erhoben werden: „Zelten mit Kindern und Haustieren bei unseren Wölfen. Ein garantiert bleibendes Erlebnis für die ganze Familie!“

    Auf der anderen Seite frage ich mich als Landbesitzer(Jagdgenosse) & Jäger wohin das mit dem Zaunbau noch führen soll. Kleinflächige DDR-Grenzverhältnisse?

    Übrigens kann man abwechselnd Erdungsdrähte und Spannungsdrähte anbringen. Das funktioniert bestens bei Bodentrockenheit und renitentem Weidevieh wenn die Erdung nicht mehr geleitet wird, nur so am Rande bemerkt.

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