Der orangefarbene Block

Etwa 15.000 Menschen demonstrierten am Mittwoch in Frankfurt am Main gegen die EZB, einige hundert gewaltbereite Extremisten – der sogenannte schwarze Block – verwandelten die Innenstadt in einen Bürgerkriegsschauplatz. Mit einer Prise Zynismus muss man sagen: Gerade die Ausschreitungen verhalfen der Demo zu einem Riesenerfolg, noch Tage später dominieren die Ereignisse in Frankfurt die Berichterstattung in den Medien.

Zur gleichen Zeit demonstrierten in Düsseldorf, nicht mal 200 Kilometer Luftlinie entfernt, auch etwa 15.000 Menschen: Leute aus der Mitte der Gesellschaft, Leute aller Alters- und Einkommensklassen, Leute, von denen wahrscheinlich viele, wie ein Redner bemerkte, zum ersten Mal in ihrem Leben von ihrem demokratischen Demonstrationsrecht Gebrauch machten. Brennende Autos, Rauch über den Rheinwiesen, Wasserwerfer, Tränengas? Fehlanzeige! Alles lief bürgerlich, demokratisch gesittet ab. Liegt es nur an der mangelnden Gewaltbereitschaft der Jägerinnen und Jäger, dass diese bisher einmalige Großdemonstration der Jägerschaft von den Medien kaum beachtet wird? Ein paar Regionalblätter berichteten, der WDR brachte einen 20-Sekunden-Beitrag, aber den klickstarken Online-Magazinen wie Spiegel Online oder FAZ.net ist dieses Ereignis nicht eine Zeile wert. Im Zusammenhang mit PEGIDA mussten die Medien viel Kritik einstecken, zum Teil sicherlich unsachlich und überzogen – aber DAS ist wirklich ein Armutszeugnis.

Es muss doch jedem Journalisten, auch wenn er der Sache der Jäger null Sympathien entgegen bringt, bemerkenswert erscheinen, wenn 15.000 brave Bürger mitten in der Woche nach Düsseldorf ziehen, um gegen willkürliche grüne Bevormundungsorgien zu protestieren – viel bemerkenswerter, als die allzu vorhersehbaren Gewaltexzesse gewisser Gruppierungen, bei denen regelmäßige Randale halt zum Lebensstil gehört. Es muss doch schon etwas Ungeheuerliches sein, was so viele Leute auf die Beine bringt – wie wenig Intelligenz, wie wenig Empathie, wie wenig journalistisches Gespür braucht es, um zu dieser schlichten Einsicht zu gelangen! Es wundert jedenfalls nicht, wenn angesichts dieses allzu einmütigen Schweigens der Eindruck einer gelenkten und uniformen (um den Nazi-Terminus “gleichgeschaltet” zu vermeiden) Medienlandschaft entsteht.

Noch schweigen die Lämmer – morgen werden sie schon zur Schlachtbank getrieben. Heute sind die Jäger dran, morgen die Angler und Landwirte und Förster und dann dauert es nicht mehr lange, bis auch dem großen Haufen das Lachen vergeht. Ein Redner erinnerte daran, dass der 18. März 2015 ein Jahrestag ist: Vor genau 167 Jahren kam es im Zuge der Deutschen Revolution 1848 vor dem Berliner Stadtschloss zum Kampf zwischen Bürgern und Soldaten. Damals – und nicht unter den Nazis, wie eine gewisse Sorte angeblicher Naturschützer unverdrossen immer wieder behauptet – wurde das bürgerliche Jagdwesen begründet, den Oligarchen, damals Adel genannt, das Privileg der Jagdausübung entrissen. Es ist keine Überstrapazierung der historischen Perspektive, wenn gesagt wurde, dass die damals erkämpften Rechte heute wieder gegen dikatorische Anmaßungen verteidigt werden müssen. Darum geht es!

Dass das wirklich keine Übertreibung ist, bewies der Auftritt des Grünen-Abgeordneten Norwich Rüße – der personifizierten Rechthaberei. Es flog kein Ei, kein Farbbeutel, keine matschige Tomate, geschweige denn ein Stein, aber die demokratischen Unmutsbekundungen – Pfiffe, Jagdhörner – waren dem sensiblen Herrn schon zuviel. Offenbar ist er den Diskurs mit Andersdenkenden nicht gewohnt. Das hat doch keinen Sinn, sagte er beleidigt, und musste zum Weitersprechen erst überredet werden. Was er dann sagte, war weniger erschreckend, als wie er es sagte: Da war null Nachdenklichkeit angesichts der Proteste, kein Einlenken, kein Wille zum Kompromiss. Stattdessen ließ sich verfolgen, wie die anfängliche Indigniertheit sich in Trotz und Zorn verwandelte, die verbohrte Sturheit des Ideologen. Und zu guter Letzt dann, der drohende Zeigefinger des zürnenden Politikers – kennen wir ja zur Genüge. Ich fand das Gerede vom “Öko-Diktator Remmel” immer überzogen, nach diesem Auftritt bin ich mir nicht mehr so sicher. Es war Hartwig Fischer, glaube ich, der sagte, Herrn Rüßes Vorstellung von Meinungsaustausch sei, “dass wir mit unserer Meinung in ein Gespräch hineingehen und mit seiner wieder rauskommen.” Köstlich! Um die Aufgabe, mit Leuten vom Schlage eines Norwich Rüße Verhandlungen führen zu müssen, ist jedenfalls kein Jagdfunktionär zu beneiden. SE

2 Gedanken zu „Der orangefarbene Block

  1. Joachim Orbach

    Meiner Meinung nach ist die sachliche und auch oftmals neutrale Bericherstattung bei einer Reihe von Tageszeitungen, bei so einigen Fernsehnsendern oder auch bei Online-Magazinen in der heutigen Zeit eher in den Hintergrund geraten. Berichte über Gewalt, Mord und Totschlag lassen sich offensichtlich besser verkaufen. “Trägt ja auch zu einer besseren Bildung bei”. Da ist ein Bericht über die friedliche Jäger -Demo in Düsseldorf demnach nicht so wichtig. Ist das etwa alles Absicht der Medien oder sind die Redaktionen dieser Medien nicht neutral? Aber warum nehmen wir Deutschen das denn so einfach hin?
    Kann man sich hierzu nicht etwa bei der jeweiligen Redaktion einer Zeitung beschweren? Besteht nicht die Möglichkeit, eine Zeitung mit einem entsprechenden Begründungsschreiben zu kündigen? Können wir keine Beschwerdeschreiben an den Fernsehnrat senden usw.? Diese Möglichkeiten müssen aber denn auch von möglichst vielen Menschen genutzt werden. Nach dem Auftritt der Grünen in Düsseldorf dürfte doch jetzt jedem vernünftigen Menschen klar geworden sein, um was für Menschen es sich hierbei handelt und was sie wollen. Man kann nur noch sagen: BÜRGER WEHRT EUCH !!!

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