CWD: EU warnt vor Lockstoffen aus Hirschurin

Anfang April wurde der europaweit erste Fall von CWD (Chronic Wasting Disease, Chronische Auszehrkrankheit) bei einem wild lebenden Rentier in Norwegen nachgewiesen, mittlerweile wurden zwei weitere CWD-Fälle bei Elchen diagnostiziert. Auf welchem Weg sich die Tiere infiziert haben, ist bislang unbekannt. Das Generaldirektorat für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (GD) der EU nimmt diese Fälle zum Anlass, vor dem Import und der Verwendung von Geruchslockstoffen zu warnen, die aus dem Urin von Hirschen gewonnen werden. Oft würden solche Lockstoffe aus Kanada oder den USA importiert, deren (Wapiti- und Weißwedel-)Hirschpopulationen seit Jahrzehnten von CWD befallen sind. Laut Wikipedia kann die Prävalenz von CWD bei in Gefangenschaft gehaltenen Herden bis zu 100 Prozent, bei frei lebenden bis zu 30 Prozent betragen. 20 amerikanische Bundesstaaten und zwei kanadische Provinzen sind von CWD betroffen. Infizierte Tiere scheiden den Erreger mit Urin und Speichel aus. Der Erreger bleibt im Boden über Jahre stabil.

Die EU fordert die Mitgliedsländer auf, Jäger auf die Gefahren bei der Verwendung entsprechender Lockstoffe hinzuweisen. Dem ist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft nun in einer Rundmail an die für das Veterinärwesen zuständigen Behörden nachgekommen. Das Ministerium weist darauf hin, dass “die Einfuhr von unbehandeltem Urin als tierisches Nebenprodukt im Sinne von Artikel 3 (20) der Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 verboten ist und bei der Einfuhrkontrolle zurückzuweisen ist.”

Ähnlich wie BSE oder Scrapie wird CWD vermutlich durch ein abnorm gefaltetes Prion verursacht. Obwohl die Krankheit lt. Wikipedia in bejagten Hirschpopulationen seit über 30 Jahren verbreitet ist, ist es bisher nicht zu einer Ansteckung von Menschen gekommen. Dennoch wird davor gewarnt, erkrankte Tiere für den Verzehr zu schießen. Beim Aufbrechen sollen Latexhandschuhe getragen und der Kontakt mit Nerven- und Lymphgewebe vermieden werden. Beim Aufbrechen verwendete Messer etc. sind zu desinfizieren. SE

JAWINA dankt für den Hinweis!

Beitragsbild: Schreiben des GD Lebensmittelsicherheit der EU Kommission zu CWD (Ausschnitt).

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