Thema

Ein Plädoyer für die Freiheit der anderen

+++ Ulrich Wotschikowsky verstorben +++ Baden-Württemberg: Reh verursacht Wildunfall mit einem Toten und sechs Verletzten +++ NRW: Gewaltverbrechen – Jäger entdeckt verweste Leiche in Maisfeld +++

 Ein Beitrag von Rechtsanwalt Ingo Ebling

Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Jägerschaft Stade

„Die Demokratie ist wie zehn Füchse und ein Hase, die darüber abstimmen, was es zu Essen geben soll. Erst wenn der Hase mit der Schrotflinte die Wahl anfechten kann, funktioniert Demokratie wirklich. “Vince Ebert, Kabarettist“

Nach Angaben der FAZ gibt es etwa 20 Millionen illegale Waffen in Deutschland. Warum setzen wir immer wieder bei den ca. 1,4 Million legalen Waffenbesitzern an? Jäger und Sportschützen werden wiederkehrend auf Straftaten durchleuchtet, verlieren ihre Waffenbesitzkarte bei kleinsten Verstößen gegen das Waffenrecht, werden von den Behörden Zuhause besucht und auf richtige Aufbewahrung der Waffen kontrolliert und sogar Trunkenheitsfahrten führen zum Entzug der Waffen. Wenn Waffenbesitzer sich wesentlich rechtstreuer verhalten als der Durchschnitt der Bevölkerung und hierzu auch waffenrechtlich verpflichtet sind, warum stellen wir diese Menschen unter Generalverdacht? Weil es einfacher und populärer ist als illegale Waffen zu bekämpfen, schneller zu politischen Erfolgen führt und leichter durchzusetzen ist.

Weiterlesen

Der Rothirsch in der Überzahl – Wege zu einer tierschutzgerechten Rotwildreduktion

Ein Beitrag von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Der Rothirsch in der Überzahl – Wege zu einer tierschutzgerechten Rotwildreduktion – diesen Titel trägt der Tagungsband des 9. Rotwildsymposiums der Deutschen Wildtierstiftung, das im Juni 2018 in Bad Driburg stattfand. Gerade im Zeitalter neuer Bejagungsrichtlinien in Hessen und Brandenburg, wo der qualifizierte Abschussplan für wiederkäuendes Schalenwild de facto abgeschafft und damit einer erbarmungslosen Reduktion von Wildbeständen der Weg bereitet wurde, ist die Lektüre des Tagungsbandes eine tröstliches Signal: es gibt auch heute noch Jäger, Verbände und Institutionen, die sich ernsthaft und im besten Sinne weidgerecht um eine Reduktion von Rotwildbeständen Gedanken machen bzw. diese bereits erfolgreich und tierschutzgerecht in verschiedenen Regionen Deutschlands praktiziert haben. Dabei wird durchaus anerkannt, dass manchenorts die Rotwildbestände in den letzten Jahrzehnten aus dem Ruder gelaufen sind. Die Notwendigkeit der Reduktion dort wird also keineswegs in Zweifel gezogen. Der Weg dorthin wird aber anders gesehen, als das in mancher hessischen oder brandenburgischen ministeriellen Schreibstube der Fall ist. Die Frage, wann ein Rotwildbestand zu hoch ist, kann je nach Ziel des Jagdausübungsberechtigten und nach Habitatkapazität durchaus unterschiedlich beantwortet werden. Um Reduktionsziele zu formulieren, bedarf es zuvor demnach einer Formulierung von (waldbaulichen) Zielen und einer möglichst guten Einschätzung des aktuellen Wildbestandes. Auch dazu gibt es praxisrelevante Hinweise im Tagungsband.

Weiterlesen

Bemerkungen zu Hund-Wolf-Hybriden

Ein Beitrag von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Granlund (2015) diskutiert die Frage der Hybridisierung ausführlich. Seiner Meinung nach handelt es sich bei den gegenwärtig in Deutschland lebenden Wölfen ausschließlich um Hybriden, was bedeutet, dass unsere Schutzmaßnahmen reinrassigen Wölfen eher schaden. Ähnlicher Meinung ist Geist (2016).

Boitani et al. (2015) halten geringe Akzeptanz, Lebensraumverlust durch Infrastrukturmaßnahmen, Verfolgung, Hybridisierung mit Hunden, schlechtes Management und Unfalltod für die wichtigsten Bedrohungen für den Wolf in Europa. Das hindert einen der Autoren dieser Arbeit nicht daran, sich so zur Hybridisierung zu äußern:

Zitat: „Für die deutschen Wölfe stellt sich das Hybridproblem nicht, weil es keine frei herumstreifenden Hunde gibt wie z. B. in Italien oder Griechenland. Wandernde Jungwölfe finden einen wölfischen Geschlechtspartner oder bleiben einsam. Dennoch ist ein intensives Monitoring der Wölfe auch aus der Sicht der Hybridenvermeidung eminent wichtig. Es gilt, den Anfängen zu wehren.“ (Wotschikowsky 2014).

Die Möglichkeit, dass aus dem Süden oder aus dem Osten zuwandernde Hybriden ihre Gene nach Deutschland mitbringen, wird anscheinend vollkommen ausgeblendet oder möglicherweise bewusst verschwiegen.

Botani weist 1983 auf die hohe Wahrscheinlichkeit der Wolf-Hund-Hybridisierung in Italien hin. Dort gibt es sehr viele verwilderte Haushunde in den Wolfsgebieten. Auch Randi et al. haben 2011 das hohe Risiko der der Einschleppung von Hundegenen in den Genpool der italienischen Wölfe betont. Noch 1999 fanden Vilá und Wayne einen geringen Hybridisierungsgrad italienischer Wölfe. 2014 haben Randi et al. dann für die von ihnen untersuchten italienische Wölfe festgestellt, dass die Frequenz von rückgekreuzten Individuen und solchen mit Introgressionen von Hundegenen inzwischen bei fast 90 Prozent liegt. Die Häufigkeit bei F1- und F2-Hybriden liegt bei über 12 Prozent. In Deutschland liegt der Fall insoweit anders, als es hier nicht annähernd so viele verwilderte Haushunde in der freien Natur gibt wie in Italien. Glaubt man jedoch den Zahlen des Landesumweltamtes Brandenburg (2019), dann gehen immerhin 22 Prozent der Risse von Weidevieh und Gehegewild auf das Konto von Hunden. Die Zahl möglicher Geschlechtspartner des Wolfs in Form von Haushunden scheint also auch bei uns nicht gegen Null zu gehen. Zudem gibt es ja dokumentierten Genaustausch zwischen den europäischen Subpopulationen des Wolfs (Landesumweltamt Brandenburg 2019), was die Wahrscheinlichkeit der Einschleppung von Hundegenen in unsere Subpopulation erhöht.

Die Frage nach Hybriden wird bei uns als nahezu bedeutungslos abgetan. Linnell und Boitani haben allerdings schon 2011 eine Schutzstrategie für den Wolf angemahnt, die konsequent nach Hybriden fahndet und dabei kostengünstige Monitoringverfahren nutzt. Es gibt auch außerhalb Italiens von Untersuchungen, die in Sachen Hybridisierung ein anderes Bild zeigen als das, was uns in Deutschland eingeredet wird. Für Spanien haben beispielsweise Godinho et al. (2011) häufiges Vorkommen von Hybridisierung anhand genetischer Merkmale festgestellt. Auch morphologisch-anatomische Merkmale deuten gelegentlich auf Hybridisierung hin. Ein Beispiel dafür ist das Vorhandensein einer Daumenkralle bei manchen “Wölfen” in der Toskana (Ciucci et al. 2011). Die Daumenkralle fehlt reinrassigen Wölfen, ist jedoch für große Hunderassen typisch.

2003 gab es bereits einen Fall der Hybridisierung Wolf-Hund in der Lausitz. Damals ist es nicht gelungen, alle Hybriden einzufangen, auch wenn das BMU anderes feststellt.

Zitat: „In Deutschland wird seit einiger Zeit ein intensives, auch genetisches Monitoring der Wolfspopulation durchgeführt. Seit einem Hybridisierungsfall im Jahr 2003 – die Tiere sind seinerzeit allesamt der Natur entnommen worden – konnte in dem umfangreichen genetischen Probenmaterial, das von den Ländern erhoben wird, bis 2017 kein weiterer Nachweis für einen Wolfshybriden geführt werden. In Thüringen wurden 2018 drei Wolfshybride getötet. Das Thema Hybridisierung besitzt in Deutschland dennoch bisher nur eine kleine Relevanz.“

Bei der vom BMU erwähnten Hybridisierung in Thüringen auf dem Standortübungsplatz Ohrdruf sind nach wie vor zwei der ursprünglich sechs Hybriden in freier Wildbahn. Die Angaben des BMU über den Verbleib der Hybriden sowohl in der Lausitz als auch in Ohrdruf entsprechen nicht den Tatsachen. Man kann das nur als weiteren Versuch werten, abzuwiegeln und zu beschönigen, wenn es um den Wolf in Deutschland geht!

Auch in Estland und Lettland wurden ebenfalls Hund-Wolf-Hybriden molekulargenetisch nachgewiesen (Andersone et al. 2002, Hindrikson et al. 2012). In Lettland wurden dabei auch erstmals für Europa Nachkommen einer Haushündin und eines Wolfsrüden gefunden. Bei den bisher dokumentierten Hybridisierungsfällen waren Wolfsfähen von Hunderüden gedeckt worden. Da zwischen unseren Wölfen und den nordosteuropäischen ebenfalls Genaustausch besteht und unser Wolfsbestand ja größtenteils von Osteuropa seinen Ursprung genommen hat, ist die Ausbreitung von Hundegenen auch aus dieser Richtung denkbar.

Die Veröffentlichung aller in Deutschland am Wolf erhobenen genetischen Daten in einer allgemein zugänglichen Datenbank steht nach wie vor aus. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn diejenigen Aussagen zu Herkunft, Verwandtschaft und zum Hybridisierungsgrad unserer Wölfe oft in Zweifel gezogen werden, die unter Bezug auf diese genetischen Daten von Behörden und manchen Naturschutzverbänden gemacht werden.

Wenn unsere Wölfe, wie von einigen Wissenschaftlern durchaus diskutiert (siehe oben), ohnehin zu einem erheblichen Prozentsatz Hybriden sind, dann sind unsere Artenschutzmaßnahmen Artvernichtungsmaßnahmen. Zur Erhaltung der Art Canis lupus hilft dann nur entschlossenes Handeln, also Fang oder Erlegung aller Hybriden. Der Schutzstatus der FFH-Richtlinie und des Naturschutzgesetzes darf für Hybriden nicht gelten. Die offizielle Rechtslage ist allerdings nach Angaben des BMU (2019 b) eine andere.

Zitat: „Hybriden in den ersten vier Generationen unterliegen dem gleichen Schutzstatus wie Wölfe. Dies ergibt sich aus der Verordnung (EG) Nummer 1497/2003 zur Änderung der Verordnung (EG) Nummer 338/97 der Kommission des Rates über den Schutz von Exemplaren wild lebender Tier- und Pflanzenarten durch Überwachung des Handels. Der Wolfs ist im Anhang A der oben genannten Verordnung aufgeführt und damit gemäß § 10 Absatz 2 Nummer 11a) Bundesnaturschutzgesetz eine streng geschützte Art. Daraus ergibt sich, dass auch Hybriden dem Artenschutz unterliegen. Hybriden dürfen demnach im Rahmen der Jagdausübung nicht wie Hunde geschossen werden. Für ihr Entfernen aus der Natur bedarf es immer einer naturschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung nach Paragraph 45 Absatz 7 Nummer 2 Bundesnaturschutzgesetz. Dies ist aus Artenschutzsicht ausdrücklich zu begrüßen, da ansonsten die Gefahr bestünde, dass Wölfe als vermeintliche Hybriden geschossen werden.

Aus Sicht des internationalen Artenschutzes sind Hybridisierungen zwischen Wildtierarten und ihren domestizierten Formen, in diesem Fall Wölfen und Haushunden, eindeutig unerwünscht und sollen unter allen Umständen vermieden werden. Wenn es bereits zu Hybridisierungen gekommen ist, gilt es daher, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um eine weiterer Ausbreitung von Haushundgenen in der Wolfspopulation zu verhindern. Vorhandene Hybriden sollten so schnell wie möglich aus der Natur entnommen werden.“
Die vom BMU angemahnte Vorgehensweise beim Entfernen von Hybriden aus der Natur ist ein gutes Beispiel dafür, wie die um den Wolf herum entstandene Vielfalt von Rechtsvorschriften und die Unzahl von Organisationen, die sich offiziell und anderweitig um den Wolf kümmern, unser Jagdrecht aushöhlen. Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Beitragsbild: Ein Wolf. Oder? Foto: Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Prof. Dr. Christoph Stubbe: Der Wolf in Russland – historische Entwicklung und Probleme

Der Aufsatz “Der Wolf in Russland – historische Entwicklung und Probleme” von Prof. Dr. Christoph Stubbe beruht auf der Auswertung amtlicher Statistiken und wissenschaftlicher Studien zum Wolf in Russland. Bei einem einjährigen Studienaufenthalt an der jagdlichen Hochschule Irkutsk hat sich Stubbe intensiv mit der Thematik befasst. Sein Aufsatz macht die wissenschaftlichen Erkenntnisse “hunderter studierter Jagdwirtschafter und Wissenschaftler” zugänglich, die sich in Russland “in Theorie und Praxis mit dem Wolf befassen” – und die aufgrund der Sprachbarriere, unzugänglicher Publikationsorte und womöglich weiterer Gründe in der hiesigen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Wolf weitgehend ignoriert werden. Es sei “mehr als verwunderlich, dass man über Erfahrungen und Probleme aus dem Mutterland der Wölfe, aus Russland, überhaupt nichts liest, obwohl unsere Wölfe zur osteuropäischen/asiatischen Population gehören”, konstatiert Stubbe.

Als Folge dieser Unkenntnis wird manch ein Leser nach Lektüre der Studie verwundert feststellen, dass Rotkäppchen es mit der Wahrheit ziemlich genau nahm – zumindest im Vergleich zu der von gewissen Wolfsfreunden und Vertretern der Wolfsindustrie ingrimmig verteidigten Glaubenslehre z.B. von der “natürlichen Scheu” des Wolfs und seiner Ungefährlichkeit für Mensch und Weidetier oder dem Märchen vom konfliktfreien und harmonischen Zusammenleben von Wolf und Mensch in Osteuropa (wobei dahingestellt sei, ob jene Wolfsfreunde ihrem Schützling damit mittelfristig einen Gefallen erweisen). Was Stubbe vom Wolf in Russland berichtet, lässt sich mit solchen naturromantischen Vorstellungen schlechterdings nicht in Einklang bringen. In manchen Jahren töteten Wölfe in Russland hunderttausende Rinder, Schafe, Ziege, Pferde und Fohlen – und hunderte Menschen.

Weiterlesen

Der Wolf in unserer Kulturlandschaft

Ein Beitrag von Prof. Dr. rer. nat. Hans-Dieter Pfannenstiel, Diplom-Biologe

Deutschland ist Wolfsland

Deutschland gehört zum angestammten Vorkommensgebiet der Art Canis lupus. Der Wolf breitet sich in einer Kulturlandschaft aus, die sich seit seiner Ausrottung erheblich verändert hat: z. B. stark gewachsene Zahl von Menschen und Siedlungsräumen, extreme Verdichtung von Verkehrswegen. Ohne Begrenzung der Zahl der Wölfe bzw. Festlegung von Gebieten, in denen Konflikte mit Menschen sehr wahrscheinlich sind, wird die Situation in absehbarer Zeit unbeherrschbar werden.

Der Wolf – eine bedrohte Art?

Die Art Canis lupus ist weder gefährdet noch gar vom Aussterben bedroht, trotz häufiger gegenteiliger Bekundungen. Im nördlichen Eurasien und in Nordamerika gibt es seit jeher große vitale Populationen. Der Artenschutz liefert keine wildbiologischen oder populationsökologischen Gründe, weswegen der Wolf nicht in Deutschland planmäßig bejagt werden könnte, wie es viele unsere Nachbarn in Europa tun, ohne ihren jeweiligen Wolfsbeständen zu schaden. Artenschutz wird gelegentlich mit Tierschutz verwechselt. Diese Verwechslung führt dazu, dass der ideologisch motivierte Naturschutz hierzulande den Wolf unter allen nur denkbaren Umständen für unantastbar hält. Dieser Einstellung liegt auch eine weitere Verwechslung zu Grunde. Oft werden Population und Bestand nicht sauber definiert und auseinandergehalten. Dieser Unterschied ist aber deshalb sehr wichtig, weil die EU-Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen, genannt Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-R) von Populationen im Sinne der biologischen Definition und nicht von lokalen Beständen spricht.

Weiterlesen

Interview: Von waidgerechter Jagd zu Kill-for-Cash-Partys?

Der bekannte Nachsuchenführer, Jagdautor und Tierfotograf Seeben Arjes ist bei einer Anhörung im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im September, bei der es um das Gesetz zur Änderung des Niedersächsischen Jagdgesetzes ging, für den Deutschen Tierschutzbund aufgetreten. Wir wollten wissen, wie es dazu kam – und ob, wie und warum sich seine Einstellung zur Jagd grundlegend geändert hat.

JAWINA: Herr Arjes, Sie haben Im September für den Deutschen Tierschutzbund (DTB), der für seine jagdkritische bis jagdfeindliche Haltung bekannt ist, an einer Sitzung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im niedersächsischen Landtag zur Änderung des Niedersächsischen Jagdgesetzes teilgenommen. Wie ist es zu dieser Kooperation mit dem DTB gekommen? Sind die auf Sie oder sind Sie auf den DTB zugegangen?

Der DTB ist mir nicht als jagdfeindlich bekannt. Er wendet sich gegen Tierquälerei, egal von wem diese ausgeht.

Durch meine Vorträge und Artikel in Magazinen werde ich nicht nur von Jägern als Anwalt der Tiere wahrgenommen. So bedienen sich bereits mehrere Vereine, Verbände und auch politische Parteien meiner Beratung. Politisch bin ich als langjähriges Mitglied und Funktionär am meisten für die CDU tätig.

Weiterlesen

“Im Sachsenforst greift der Wildtierhass von ÖJV und ANW um sich”

Unbeirrt von wissenschaftlicher Kritik, die dem Sachsenforst “keinesfalls zu viel Rotwild, aber falsche Bejagung” attestierte und vor einer Ausrottung des Rotwilds warnt, setzt der Staatsbetrieb weiterhin auf eine Jagdstrategie, die sich mit wenigen Worten umschreiben lässt: Totschießen, was geht. Einer ahnungslosen Politik wird die der Ertragssteigerung dienende rücksichtslose Schädlingsbekämpfung als angebliche Notwendigkeit im Zuge des “ökologischen Waldumbaus” verkauft. Wir haben mit Karsten Bergner gesprochen, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Erzgebirge und profiliertester Kritiker des Staatsbetriebs Sachsenforst (SBS).

JAWINA: Herr Bergner, Sie kritisieren die sächsische Landesforst für deren Bejagungsstrategie – was werfen Sie dem Forst konkret vor?

Es geht in erster Linie darum, dass Sachsenforst weniger eine Bejagungs- als vielmehr eine „Hau- drauf- Strategie“ verfolgt. Er handelt nicht auf dem aktuellen Stand der ökologischen und wildbiologischen Erkenntnisse. Ein Grundbesitzer hat kein Recht, “Bewirtschaftungshindernisse” auf Kosten der Allgemeinheit zu entfernen. In dem Sinn kann der SBS nicht einfach sagen, Wirtschaften ohne Pflanzenfresser geht leichter (glauben wir) und deshalb beseitigen wir die erst mal. Das ist nicht zulässig und es ist auch nicht sinnvoll. Artgerechte und dem Lebensraum angepasste (nicht einem betriebswirtschaftlichem Ziel angepasste) Wilddichten stehen einer ordnungsgemäßen Waldwirtschaft, dem Artenreichtum von Sachsens Wäldern nicht entgegen. Man muss sein Handwerk eben beherrschen und Wildtiere artgerecht lenken und steuern. Beispiele, dass das geht, gibt es zu Hauf- auch aus dem SBS! Hier sei nur Berufsjäger Friedrich genannt, der mit vernünftigen Strategien die Wildschäden im Revier Steinbach innerhalb von zwei Jahren auf ein absolut akzeptables Maß senkte. Herr Friedrich kam auch zu der Überzeugung, dass 75% der Wildschäden des SBS hausgemacht sind – ein Umstand, der dazu führte, dass Herr Friedrich heute kein Angestellter des Staatsbetrieb Sachsenforst mehr ist. Bereits Cäsar hatte ja schon die Angewohnheit, die Überbringer schlechter Botschaften zu töten…

Weiterlesen

Empfängnisverhütung bei Wildtieren – Pille oder Kugel?

Saufänge, Nachtzielgeräte, Abschuss von 70 Prozent der Schwarzwildpopulation: Aus Angst vor einer Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) kommen drastische Vorschläge zur Dezimierung der Wildschweine ins Gespräch. Dass auch die Forderung nach der “Pille für die Sau” vorgebracht werden würde, war also abzusehen – dabei ist Kontrazeption bei Wildtieren alles andere als unproblematisch.

Jäger befürchten das Ende der Jagd, Jagdgegner erhoffen sich dasselbe, und Verbraucher lassen sich bereitwillig einreden, dass Männern nach dem Verzehr behandelten Wildbrets „Brüste wüchsen“ (wie ein amerikanischer Wissenschaftler schrieb): Empfängnisverhütung bei Wildtieren ist ein äußerst kontrovers und emotional diskutiertes Thema. Tatsache ist, dass die Forschung auf dem Gebiet der Immunokontrazeption, also der Empfängnisverhütung, die sich Immunreaktionen zunutze macht, seit den ersten Versuchen Anfang der achtziger Jahre atemberaubende Fortschritte gemacht hat. Mittlerweile gibt es eine Reihe von erprobten Verfahren, die vor allem in den USA bei ganz verschiedenen Tierarten – zum Beispiel bei Nagetieren, Füchsen, Weißwedelhirschen, Damwild, Sauen und Wildpferden, aber auch Tauben und Gänsen – mit Erfolg angewendet werden. Wir Jäger müssen uns also mit dem Thema auseinandersetzen – den Kopf in den Sand zu stecken und unseren Gegnern das Feld zu überlassen, bringt nichts.

Weiterlesen

Jagdhundezucht: Weg ins Verderben ?

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Jörg T. Epplen, Humangenetiker an der Ruhr-Universität Bochum und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des VDH, über verbrecherische Zuchtstrategien, die Gefahren der Inzucht,  den Einfluss von Genen, Umwelt und Erziehung auf die Leistung von Hunden und “die hohe Kunst des Züchtens”.

JAWINA: Wenn ich als Züchter oder Zuchtverband einer kleinen Spezialhunderasse diese Rasse durch züchterische Methoden und Entscheidungen möglichst stark schädigen wollte – wie müsste ich da vorgehen?

Prof. Dr. Epplen: Puh. Mit Geschwistern züchten und möglichst nur mit einem Geschwisterpaar. Oder Sie könnten es natürlich auch teuer machen und sagen, ich kloniere bzw. kopiere den Hund, der den Prototyp der Rasse darstellt für jeweils 56.000 Dollar. So ist es durchaus möglich, die Rasse zu Grunde zu richten.

JAWINA: Ähnelt das letztere nicht auf fatale Weise der Zuchtstrategie in manchen Vereinen, wo hochprämierte Rüden besonders häufig zum Zuchteinsatz kommen?

Prof. Dr. Epplen: Ja.

Weiterlesen

Oculi

Am dritten Fastensonntag beginnt die Messe so: Oculi mei semper ad dominum: Meine Augen sind stets auf den Herrn gerichtet.

Oculi, da kommen sie, heißt entsprechend der Merkvers für heute, wobei unsere Augen früher ab diesem Tag jedoch absolut säkular vor allem auf die Schnepfen gerichtet waren. Ab jetzt ist also mit den nach Norden und Osten ziehenden Zugschnepfen zu rechnen und vor allem mit dem eigentlichen Schnepfenstrich. Der abendliche Strich wird allgemein dem Balzverhalten, dem Suchen der Schnepfenhähne nach Hennen zugerechnet. Nur wenige Hennen streichen abends; meist sitzen sie auf dem Boden und machen die Hähne mit leisen Rufen auf sich aufmerksam. Es gibt aber heute auch eine ganz andere Deutung. Doch dazu erst später mehr.

Weiterlesen

Baujagd – Artenschutz unter Tage

Ganz hoch im Norden Deutschlands haben sich passionierte Baujäger ganz und gar der Baujagd verschrieben. Wir waren mit ihnen auf Jagd und haben uns über Anliegen und Ziele des Vereins informiert. Aus aktuellem Anlass bringen wir diesen Artikel aus dem JAWINA-Archiv über die unter heftigem Beschuss von Jagdgegnern stehende Bodenjagd.

Alles ist weiß und ein regelmäßiger Piepton das einzige Geräusch. Aber wir sind nicht bei einer spannenden Folge von Emergency Room gelandet, sondern auf einer Baujagd im tief verschneiten Ostfriesland. Claas Janssen hält den Empfänger des Hundeortungsgeräts dicht über den Erdboden: Unbeeindruckt piept das Gerät vor sich hin. Janssen stapft ein paar Schritte weiter, wiederholt die Prozedur. Wieder nichts, es piept, aber nicht richtig. Also weiter. Auf einmal schlägt die regelmäßige Tonfolge in einen aufgeregten Doppelpieps um: „Dor unnen muut ween.“, verkündet Janssen im heimatlichen Plattdeutsch: Da unten muss er sein.

Weiterlesen

“Von Furcht weiß ich nichts”

Warum in den Märchen der Brüder Grimm Jäger als harte Burschen voller Mitgefühl gezeichnet werden – ein Text von Robert Saemann-Ischenko.

Teil 2

Noch gefährlicher als Räuber, Wolf & Co.: Zwerge und Zauberinnen, Geister und Dämonen. Dieses Jenseitspersonal verflucht und verwandelt bevorzugt unschuldige Menschen („Jorinde war in eine Nachtigall verwandelt, die sang zicküth, zicküth“; aus „Jorinde und Joringel“), zwischendurch bestraft es aber auch mal aufs Krasseste die Richtigen, etwa das hartherzige Mädchen aus „Die drei Männlein im Walde“:

Da sprachen die kleinen Männer untereinander: »Was sollen wir ihm schenken, weil es so unartig ist und ein böses, neidisches Herz hat, das niemand etwas gönnt?« Der erste sprach: »Ich schenk ihm, dass es jeden Tag hässlicher wird.« Der zweite sprach: »Ich schenk ihm, dass ihm bei jedem Wort, das es spricht, eine Kröte aus dem Munde springt.« Der dritte sprach: »Ich schenk ihm, dass es eines unglücklichen Todes stirbt.«

Überhaupt sind in den frühen Märchen der Grimms drakonische Strafen allgegenwärtig, ebenso Angst und Einsamkeit, Willkür und Rohheit, Gewalt und Tod. Das Leben vieler Figuren ist bis ins Detail bestimmt von einer unerschütterlich erscheinenden und sozial fast undurchlässigen Ordnung – der König war von nahezu gottgleicher Allmacht, aber auch schon Dorfvorsteher oder beispielsweise der Lehrherr hatten die Macht, anderen das Leben zur Hölle zu machen.

Weiterlesen

„Von Furcht weiß ich nichts“

Warum in den Märchen der Brüder Grimm Jäger als harte Burschen voller Mitgefühl gezeichnet werden – ein Text von Robert Saemann-Ischenko.

Teil 1

Von fast allem, was sich über die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm sagen läßt, trifft auch das Gegenteil zu. Sie huldigen der Tugendhaftigkeit und der Kernfamilie, die Märchen – bersten aber immer noch vor Lebens- und sonstiger Lust. Manche spielen in einer rein literarischen Mittelalterkulisse, andere schildern mit fast schon soziologischer Genauigkeit das bäuerliche Deutschland des 17. und 18. Jahrhunderts („Das Heiraten ist eine Freude und ist auch eine Qual“, heißt’s so schön in „Die drei Männlein im Walde“). Im Wald der Märchen wollen einerseits immerzu Räuber, Tiere und Hexen dem Menschen ans Leben, doch findet er genau und nur dort auch Schutz und Beschützer. Ein Berufsstand allerdings kommt bei den Grimms durchweg und fast ausnahmslos positiv weg, und das sind die Jäger.

Aus einem historischen Einzugsbereich von über 500 Jahren stammen die Märchen, die Jacob und Wilhelm Grimm zusammengestellt haben. Schwänke finden sich darin ebenso wie mündlich überlieferte Volksmärchen, von Schriftstellern verfaßte Kunstmärchen, Legenden, Ursprungsgeschichten. Eine kleine statistische Auswertung ergibt, dass in 211 Märchen der Grimms Jagd/Jagen/Jäger 31mal erwähnt wird, also in jedem siebten. Und zwar spielt die Jagd naturgemäß in den volkstümlichen Schwänken keine Rolle – eine um so größere aber in den Märchen mit mittelalterlichem Kolorit.

Weiterlesen

Bleifreie Büchsenmunition: Fluchtstrecken vervielfacht

Der Bundesverband Deutscher Berufsjäger hat eine eigene Studie zur Tötungswirkung bleifreier Büchsenmunition durchgeführt. 602 Abschussberichte von 40 Berufsjägern flossen in die Studie ein. Nur 42,5 Prozent der Teilnehmer erfüllten vollständig den Projektauftrag: 22,5 Prozent lieferten keine Abschussberichte (etwa weil sie mit der zur Verfügung gestellten Munition keine zufrieden stellende Präzision aus ihrer Waffe erzielen konnten), 35 Prozent stiegen während des Projekts aus. Letzteres dürfte mit den verheerenden Ergebnissen der Studie in Zusammenhang stehen: Die Fluchtstrecken vergrößerten sich bei Einsatz bleifreier Munition deutlich – bei Rehwild verdoppelten, bei Schwarzwild verfünffachten sie sich! Die Ergebnisse hat der BDB in einer Präsentation zusammengefasst, die hier heruntergeladen werden kann.

Weiterlesen

Müritz-Nationalpark: Anleitung zum Rufmord

Zum Fall Jagszent ist alles gesagt, könnte man meinen: Die Jagd- und Lokalpresse hat das Thema durchgehechelt, in den einschlägigen Foren gibt es tausende von Wortmeldungen zum Thema, und sogar das Fernsehen war schon da. Ist damit alles gesagt? Wohl kaum: Niemanden scheint zu stören, dass der auf üble Weise öffentlich Angefeindete selbst bisher kaum zu Wort kam. Und wie die unappetitliche Hetzkampagne gegen Jagszent eingefädelt wurde, hat auch noch keiner enthüllt. Holen wir es nach.

Weiterlesen

Witz und Wunschdenken: Die “Standortbestimmung Jagd” des DJV – ein Kommentar

Es soll bitteschön alles so bleiben, wie es war – das ist, kurz gesagt, die Kernaussage des vom DJV auf dem diesjährigen Bundesjägertag verabschiedeten Statements mit dem Titel “Standortbestimmung Jagd”. Nur: Man muss kein Prophet sein, um die Vorhersage zu wagen, dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen wird. Die Grundsatzerklärung des DJV ist das Papier nicht wert, auf dem sie (aus)gedruckt wurde.

Weiterlesen

Lieber ohne Biber?

Wie schön für die Politik, dass es einen Schuldigen gibt, der bestens dafür taugt, von den Versäumnissen im Hochwasserschutz abzulenken. Gemeint ist der Biber, der nach dem Elbhochwasser dem Populismus geopfert werden soll. Der eigentliche Skandal indes ist, dass für Millionen Euro sanierte Deiche nicht grabesicher sind.

Wir veröffentlichen diesen nach dem Oderhochwasser 2010 geschriebenen Beitrag aus aktuellem Anlass – die Reaktionen der Politik sind nach jedem Hochwasser ohnehin die selben.

Weiterlesen

Wald und Wild: Wildproblematik übersteuert

Radikale Reduktion des Schalenwilds gilt als Vorbedingung für den ökologischen Waldumbau. Ein Förster aus dem Rheinland zeigt: Es geht auch ohne erhöhten Abschuss – und ohne Zäune: Entscheidend ist der Waldbau.

JAWINA: Herr Lenzen, welche Ausgangslage fanden Sie vor, als Sie 1978 den Stadtforst Rheinbach übernahmen?

Hans Lenzen: Der etwa 825 Hektar große Stadtwald am Nordostrand der Eifel ist ein Laubholzrevier. Alle Laubholzkulturen und großflächigen Eichen- Naturverjüngungen wuchsen nur in Gattern heran. Bis zu 15 Gatter waren gleichzeitig am Start. Nadelholzanpflanzungen wurden ebenfalls in Gattern oder chemisch oder mechanisch einzeln geschützt.

Weiterlesen

Jagen in der Kulturlandschaft des 21. Jahrhunderts – (M)Ein Leitbild

Ein Gastbeitrag von Dr. Armin Freund, Wildbiologe

Jagd ist ein Recht sui generis, bedarf also keiner eigenen Begründung. Dennoch müssen wir unser Tun in einer Gesellschaft, die sich immer weiter von der Natur und vom Verstehen von Zusammenhängen in der Natur entfernt, verständlich machen, um gesellschaftliche Akzeptanz zu gewinnen. Hier muss vor allem die Tatsache betont werden, dass die Jagd mit dem Entstehen der Kulturlandschaft selbst zu einem ökologischen Faktor geworden ist, also eine unverzichtbare Rolle spielt im komplexen Gefüge unserer mitteleuropäischen Ökosysteme. Man kann nicht einfach aufhören zu jagen.

Weiterlesen

Großwildjäger zu Besuch

Ein Gespräch über Jagd und Naturschutz in Afrika

“…Es ist leicht, von Hamburg oder München aus den Erhalt gefährlichen Großwilds zu fordern. Die Menschen vor Ort, die von Löwen gefressen oder deren Felder von Elefantenherden zertrampelt werden, denken anders darüber. Da zahlt übrigens keiner Wildschaden, da geht es um die Existenz. Über Tiere gut zu denken und zu reden, hilft den Tieren nicht, Tierfilme im Fernsehen zu gucken auch nicht. Aber wer in Afrika viel Geld dafür zahlt, einen Leoparden zu schießen, der hilft den Tieren…”

Weiterlesen

Zehn Fragen zur Rehwild-Jagd

Ein Gastbeitrag von Dr. Armin Freund, Wildbiologe

1. Frage: Brauchen wir eine Jagdzeit für Rehwild?

Versuch einer Antwort:

Der Mensch ist kein Wolf. Wir jagen heute nicht nur zur Nahrungsbeschaffung. Wir jagen auch nicht nur, um den Wald wachsen zu lassen. Wir jagen nicht nur, um Wildbestände an die Landeskultur anzupassen. Wir jagen vor allem aus Freude am Jagen!

Dennoch ist Jagen nicht grenzenloses Vergnügen. Immer ist uns bewusst, dass unsere potentielle Jagdbeute ein Mitgeschöpf ist, für das wir mehr empfinden als z. B. für eine Pflanze. Aus diesen Überlegungen, die stark in den Bereich hineinspielen, den die Jäger Weidgerechtigkeit nennen, folgen gewisse Einschränkungen der Jagd.

Wir jagen nicht auf hochbeschlagene weibliche Stücke und wir erlegen keine zur Aufzucht der Jungen notwendigen Elterntiere. Aus diesen Restriktionen folgt zwangsläufig eine zeitliche Regulierung der Jagd, nämlich wann was erlegt werden darf.

Weiterlesen

Hundstage

Bergen, retten, schießen – im Einsatz mit Seehundjägern

 Endlich der ersehnte Anruf: „Es geht los“, sagt Jan Dohndorf, Mitarbeiter der Seehundstation Friedrichskoog und Seehundjäger: „Um 20 Uhr müssen wir in Schlüttsiel sein.“ Im Transporter der Seehundstation brausen wir durch plattes Land: Köge und Warften rauschen vorbei, flache, dem Meer durch Deichbau abgerungene Marschen. Am Treffpunkt wartet schon Martin Sell, der für diesen Küstenabschnitt zuständige Seehundjäger. Die Hundebox auf dem Heckträger seines Geländewagens enthält eine – zumindest für Bewohner küstenferner Landstriche – ungewöhnliche Fracht:Zwei Heuler, von den Muttertieren verlassene Seehundjunge.

Seehundjaeger

Die Gefangenenübergabe erfolgt wenig konspirativ unter den wachsamen Augen einer Touristengruppe. Die Heulersaison von Anfang Juni bis Anfang Juli fällt zusammen mit der touristischen Hochsaison an der Küste. Die Tätigkeit der Seehundjäger findet folglich in der Öffentlichkeit statt – und muss diese nicht scheuen. Dass sie Verantwortung, Fingerspitzengefühl und vielleicht eine Prise pädagogisches Sendungsbewusstsein erfordert, liegt auf der Hand.

Dohndorf streift sich eine gummierte Schürze und Schutzhandschuhe über. Es folgt die Erstuntersuchung der zwei Seehundwelpen:Der eine scheint eine leichte Neugeborenengelbsucht zu haben, ansonsten sind sie fit und einigermaßen wohlgenährt. Sie bekommen mittels Trichter und Schlauch eine Elektrolytlösung verabreicht und eine Frischwasserdusche. Dann treten sie – jeder für sich in eine runde Mörtelwanne verfrachtet – die Reise in die Seehunde-Auffangstation an.

Weiterlesen