Butt Out 2: Weidlochauslöser im Test

“Wir werden dann mal einen kleinen rektalen Eingriff durchführen”, näselt Oberförster Zander in seinem schönsten Tuntenimitationstonfall. Dann entschließt er sich aber doch, das farbenfrohe Spezialwerkzeug lieber einer unerschrockenen Kollegin zu überlassen. Es erwies sich als überaus schwierig, unter den sonst doch so kooperativen Jawina-Lesern Tester für den Weidlochauslöser “Butt Out 2” zu gewinnen: Die für dessen Gebrauch erforderlich Einführung ins Weidloch des Beutetiers scheint hochgradig tabuisiert zu sein – und entsprechende Ekelreaktionen auszulösen. Ein Befund, der vermutlich bereits hinreicht, um dem ganz in Signalorange gehaltenen Kunststoffkonstrukt keine große Zukunft zu prognostizieren…

Wozu braucht man so etwas überhaupt? Bei vielen Wildhändlern setzt sich die Einsicht durch, dass Ringeln eine bessere Wildbretqualität und -hygiene liefert, als das klassische Aufbrechen mit dem Öffnen des Schlosses. Deshalb müssen sich viele Forstbedienstete, Begeher und Pächter mit der Methode anfreunden. Beim Ringeln werden die Eingeweide in Richtung des Hauptes entnommen und nicht, wie bei der traditionellen Methode, nach hinten zwischen oder über die Keulen herausgezogen. Das bietet gerade bei schlechten Schüssen den großen Vorteil, dass Pansen- oder Darminhalt nicht über die wertvollen Keulen verteilt und diese so verunreinigt werden.

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Weidloch.

Aber auch bei tadellosen Schüssen bleiben Vorteile: Weil die Haut über den Innenseiten der Keulen nicht abgeschärft wird, trocknen diese nicht aus. Echte Profis lassen bis zum Zerwirken die Nieren im Stück: Das schützt die Filets vor Austrocknung. Insgesamt zeigt der Vergleich geringelter mit klassisch aufgebrochenen Stücken, dass die geringelten deutlich sauberer und appetitlicher daherkommen: Wie aus dem Schlachthaus.

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Rein.

Am einfachsten und saubersten geht das Ringeln am hängenden Stück – auch weil dabei die Schwerkraft mitarbeitet. Es gibt alle möglichen Gerätschaften, die es ermöglichen, ein Stück nicht nur vor der Wildkammer, sondern auch im Revier hängend aufzubrechen:

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Ermöglicht Aufbrechen im Hängen (und anschließend das Aufladen): Ladekran auf Pick-Up-Pritsche. Foto: SE

Vom Minikran für Pritsche oder Anhängerkupplung des Geländewagens bis zum Flaschenzug mit entsprechendem Wildgalgen.

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Halbe Drehung.

Das Ringeln wird mitunter als fast so anspruchsvoll wie eine OP am offenen Herzen geschildert – das ist es nicht: Ein-, zweimal unter sachkundiger Anleitung geübt, dann hat man es drauf. Trotzdem wären viele Jäger für ein funktionierendes Hilfsmittel vermutlich dankbar. Was bringt also der Butt Out 2?

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Rausziehen und Abschärfen.

Wir probieren es aus:: Rein damit, halbe Drehung, vorsichtig wieder herausziehen. Es ist tatsächlich super eklig, scheint aber erstaunlich gut zu funktionieren: Der Enddarm lässt sich damit leicht lösen, entnehmen und abschärfen. Durch die Bauchhöhle lässt sich das Ganze dann entnehmen. Das Ganze? Leider nicht! Harnröhre und Blase verbleiben fest angewachsen im Stück. Zerstörungsfrei entnehmen lassen sie sich erst, als wir den beim Ringeln erforderlichen Schnitt um das Weidloch herum nachgeholt haben.

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Und wer macht das jetzt sauber?

Fazit: Wenn das so ist, kann man auf Butt Out 2 auch verzichten. Man erspart sich die Mitnahme eines weiteren Werkzeugs, denn das Messer hat ja ohnehin jeder Jäger dabei. Und man erspart sich die Reinigung des Anal Intruders, der, mit Darm- und Losungsresten verunziert, noch lange Zeit im Waschbecken der Kühlzelle liegt… SE

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