Bundesumweltministerin: “Wolfsjagd hilft nicht gegen Nutztierrisse”

+++ Indien: 15 Menschen getötet – 50 Mann starkes Wildhüter-Team tötet aggressiven Elefanten +++ CDU-Politiker werben für Bündnis mit den Grünen +++

Nachdem Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sich bereits mit der Forderung nach einer Abschussquote für Wölfe (JAWINA berichtete) hervorgewagt hat, denkt angesichts wachsender Wolfs-Skepsis in der Bevölkerung nun auch der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) über eine Bejagung von Wölfen nach, wie die Schwäbische Zeitung berichtet. Demgegenüber erteilt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) der Forderung nach einer Bejagung der Wölfe weiterhin eine klare Absage: Im Interview mit NWZonline erklärte sie, die Forderung nach einer Bejagung sei “rechtlich nicht haltbar.” Zudem helfe “die Jagd nun einmal nicht, Risse bei Nutztieren zu vermeiden”.  Das Ausmaß der Schäden an Nutztieren sei weder von der Größe des Wolfsbestandes noch von der Anzahl der Nutztiere in einem Gebiet abhängig. Entscheidend sei vielmehr, wie gut oder schlecht die Nutztiere geschützt seien. Außerdem kritisierte Hendricks die illegale Tötung des tot aus dem Schluchsee geborgenen Wolfs (JAWINA berichtete): Der illegale Abschuss eines Wolfs sei eine Straftat, […], es gehe nicht, “dass sich Menschen über das Gesetz erheben und damit nach Wild-West-Manier handeln.”

Abgesehen davon, dass es doch zunehmend drollig wirkt, wenn Vertreter einer Bundesregierung, die sich z.B., in der Euro- und Flüchtlingskrise seit Jahren leichthändig über geltendes Recht und geschlossene Verträge hinwegsetzt (und somit durchaus als Vorreiter und Vorbild im Handeln nach Wild-West-Manier gelten kann), an die Rechtstreue der Bevölkerung appelliert, abgesehen auch davon, dass Hendricks’ Behauptung, dass die Jagd auf Wölfe Nutztierrisse nicht vermeide, klar kontrafaktisch ist – schließlich hat die lokale Ausrottung des Wolfs in Deutschland die Anzahl der Nutztierrisse durch diese Art nachweislich auf null gesenkt – abgesehen davon bleibt die Frage bestehen, warum die Bejagung der Wölfe gegen Nutztierrisse nicht helfen soll.

Die Begründung dafür bleibt Hendricks schuldig, weshalb wir hier eine wissenschaftlich fundierte Begründung nachliefern – und damit zugleich ein schönes Beispiel für die Nutzbarmachung sorgsam selektierter wissenschaftlicher Erkenntnisse im politischen Tagesgeschäft bringen.

Vermutlich bezieht sich Hendricks mit ihrer Argumentation, dass die Bejagung von Wölfen Nutztierrisse nicht vermindere, auf die 2014 in der wissenschaftlichen Onlinezeitschrift PLOS ONE erschienene und viel beachtete Studie “Effects of Wolf Mortality on Livestock Depredations” von Robert B. Wielgus und Kaylie A. Peebles. Diese hatten die Auswirkungen “letaler Kontrolle” des Wolfsbestands in Idaho, Montana und Wyoming zwischen 1987 und 2012 untersucht. In den genannten US-Bundesstaaten werden Wölfe zum Schutz der Karibu-Herden und der Nutztiere mit hierzulande undenkbaren Methoden – z.B. massenhafter Abschuss von Hubschraubern aus – dezimiert. Solche Methoden der Bestandskontrolle verdienen die Bezeichnung “Jagd” nicht und werden daher als “Managementmaßnahmen” oder “Wildtiermanagement” bezeichnet.

Wielgus und Peebles hatten nun festgestellt, dass die Anzahl der Nutztierrisse im auf solche Managementmaßnahmen folgenden Jahr nicht etwa sank, sondern anstieg: Bei Schafen um 4 %, bei Rindern um 5 bis 6 %. Zur Erklärung dieses Phänomens führen die Wissenschaftler die Hypothese an, dass die Wölfe auf die künstlich erhöhte Sterblichkeit mit einer höheren Zahl an sich fortpflanzenden Wolfspaaren und einer deshalb erhöhten Zahl an Nachkommen, also Wolfswelpen, reagieren.

Was (Wielgus und Peebles nicht, dafür aber) Barbara Hendricks verschweigt, ist, dass dieser Effekt einer Zunahme der Nutztierrisse nach Managementmaßnahmen nur auftrat, solange die Mortalität der Wolfspopulation unterhalb von 25 % der mittleren Zuwachsrate (mean intrinsic growth rate) der Wolfspopulation lag. Wurde stärker in die Wolfspopulation eingegriffen, so dass die Sterblichkeit diese 25-%-Grenze überschritt, so nahm die Zahl an Wolfspaaren, Wölfen und Nutztierrissen ab (After mortality exceeded 25%, the total number of breeding pairs, wolves, and livestock depredations declined.).

Es ist also durchaus möglich und legitim, ganz andere, ja entgegengesetzte Schlussfolgerungen aus dieser Studie zu ziehen, als es Frau Hendricks vermutlich getan hat: Es ist nämlich sehr wohl möglich, durch geeignete Managementmaßnahmen die Zahl von Nutztierrissen drastisch zu reduzieren. Die Eingriffe in die Wolfspopulation müssen nur groß genug sein, so dass Verluste nicht durch erhöhten Zuwachs ausgeglichen werden können. SE

Beitragsbild: Die Studie “Effects of Wolf Mortality on Livestock Depredations” von Robert B. Wielgus und Kaylie A. Peebles” auf PLOS ONE (Bildschirmfoto, Ausschnitt).

 

11 Gedanken zu „Bundesumweltministerin: “Wolfsjagd hilft nicht gegen Nutztierrisse”

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Die Sache ist denkbar einfach. Wenn die Gesamtmortalität unter dem Zuwachs bleibt, wächst ein Wildbestand. Wenn die Jagd die Gesamtmortalität über den Zuwachs steigen lässt, dann nimmt die Population ab. Dies und nichts anderes haben die Autoren dieser Arbeit beim Wolf gezeigt, wo nach entsprechender Bejagung weniger Nutztierrisse anfallen. Ein prominentes NABU-Mitglied, Herr Helmut Brücher, nutzt diese Studie auch immer wieder zu abstrusen Versuchen, damit die Einstellung der Jagd auf den Fuchs zu begründen. Aber selbst wenn man ihn und andere auf die Fehlinterpretation aufmerksam macht, was meist durch Schweigen quittiert wird, kommt anderntags die selbe Leier. Gegen Ideologie hilft Vernunft nicht. Und solange Ahnungslosigkeit das höchste Qualifikationsmerkmal für FachministerInnen ist, ändert sich daran auch nichts.

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  2. K. Battefeld

    Es ist immer wieder bemerkenswert, wenn bei der Diskussion gerade seitens der Tierhalter unerwähnt bleibt, in welcher Relation die Zahl angeblich gerissener Nutztiere zu der Gesamtzahl der Nutztiere steht, die jährlich in der Abdeckerei landet. Ebenso unerwähnt bleibt gerne, dass es die wenigsten Diskussionen um Wölfe dort gibt, wo es viele in Deutschland bereits ortsfest in Revieren gibt. Diskussionen auf der Basis von Angstmacherei sind dort besonders groß, wo die Bereitschaft zu einer sachbezogenen Auseinandersetzung besonders gering ist. Fakt ist, dass Weidetierhalter gegenüber Marktfruchbaubetrieben extrem benachteiligt sind und größere Risiken zu tragen haben. Das ist aber kein Spezifikum von Wölfen, sondern der EU-Agrarförderung. Dort müssen Entlastungen für Tierhalter geschaffen werden. Volkswirtschaftlich gesehen sind die tatsächlich nachgewiesenen Schäden (!) – und nicht etwa die vermuteten – zu anderen Schadensereignissen in Relation zu setzen. Wenn wir jährlich rd. 400-500 Mio Euro an Wildschäden in Deutschland haben und selbst die Marderschäden jährlich 50 Mio Euro erreichen, dann frage ich, wo hier der Aufschrei bleibt!? Wenn ich mir im Gegenzug die Bestandsentwicklung beim Schalenwild, besonders Schwarzwild, ansehe, frage ich wo hier die Wirkung der Jagd bleibt. Schälschäden in den Wäldern sind gigantisch – und wer tut etwas dagegen? Wer schreit nach einer Verstärkung der Fuchsjagd? Füchse holen bislang bundesweit deutlich mehr Lämmer von der Weide als Wölfe. Die aktuelle Rechtslage zum Wolf ist eindeutig. Für die reale Gefahrenabwehr ist der Staat zuständig. Und Angst und Neid sind schlechte Ratgeber.

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    1. Ralf K.

      Ist eine Gefahr keine Gefahr mehr, weil man sie mit einer anderen Gefahr vergleicht? Ich finde es ideologisch verbohrt, die wahrscheinlich zunehmende Gefahr von nicht bejagten Wölfen kleinzureden. Und es gibt Dokumentationen über Schäden an Menschen, z.B. aus Rußland zum Ende des 2. Weltkrieges. Dies änderte sich als die Soldaten mit ihren Gewehren nach Hause kamen und gegen die Wölfe vorgingen. Siehe:
      https://en.wikipedia.org/wiki/Kirov_wolf_attacks

      Und noch eines:
      http://www.zeit.de/2015/14/tiere-woelfe-bedrohung/seite-5
      “Denkbar ist aber auch etwas ganz anderes: Wölfe sind nicht harmlos. Sie sind weder gut noch böse, sie sind wild und damit nicht berechenbar. Wer sie in der Nähe von Menschen duldet, geht ein Risiko ein. Es ist eine große Dummheit, sich über einen Wolf zu freuen, der am Rand eines Ortes herumschleicht. In Rumänien, wo etwa 4.000 Wölfe leben, kommt es deshalb so selten zu heftigen Begegnungen, weil Menschen die Tiere verjagen, sobald die sich nähern. Nicht in allen Fällen bleibt das Gewehr im Schrank. Man muss Wölfen, die ihre Scheu aufgeben, einen Grund liefern, sich wieder scheu zu verhalten. Der beste Grund ist ein Mensch, der seine eigenen Reviergrenzen ernster nimmt als die der Wölfe – und notfalls auf sie schießt.”

      Es ist nicht normal, dass sich Menschen aus ideologischen Gründen zunehmenden Gefahren aussetzen. Und diese Gefahr lässt sich nunmal mit dem Gewehr abwehren- auch bildlich zu sehen.
      Wer dies verkennt, der hat’s verpennt! Es sind eben nicht nur tollwütige Wölfe, die die Distanz zu den Menschen bei fehlender Verfolgung verringern. Und hier ist das Problem. Haben Wölfe die Distanz unterschritten- was dann? In die Hände klatschen? Da gewöhnt sich ein Wolf bestimmt nicht dran…

      Aber es muss wohl halt erst ein Mensch zu Schaden kommen. Was sagen Sie dann? 10% Schwund sind normal?

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      1. C. Seidel

        Ralf K., damit haben Sie alles gesagt, was mir eben auf den vorherigen Kommentar durch den Kopf ging, ich danke Ihnen.
        Vergleichbare unqualifizierte Aussagen sind auch gegenüber Schweizer Schafhaltern gefallen. “die sollen sich mal nicht so aufregen, die Zahl der irgendwann abgestürzten Lämmer ist doch viel größer”, als ob das eine mit dem anderen zu tun hätte. Und müsste man nicht sagen, “die haben auch ohne Wölfe genügend Verluste” oder mal noch einen Schritt weitergehen, “wer weiß denn, wie viele Tiere abstürzen, WEIL auf der Flucht vor Wölfen sind”?

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  3. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Sehr geehrte(r) Herr oder Frau Battefeld,
    können Sie mir bitte sagen, woher die Zahlen stammen, die Sie in Ihrer Antwort nennen (Wildschäden, Marderschäden, Zahl der von Füchsen gerissenen Lämmer)? Ihre Aussage hinsichtlich der wenigen Diskussionen, die es in Gebieten mit vielen Wölfen gibt, ist in dieser Allgemeingültigkeit nicht richtig. Hier in Brandenburg, wo wir mit Wölfen reichlich “gesegnet” sind, wird auf dem flachen Land heftigst diskutiert! Die aktuelle Rechtslage zum Wolf ist keineswegs eindeutig. Die Art wird in der EU in verschiedenen Staaten durchaus unterschiedlich eingeordnet. Im Baltikum steht der Wolf in Anhang V der FFH-Richtlinie und wird planmäßig bejagt, ohne dass ihn jemand ausrotten will. Selbst in Frankreich, wo die Art in Anhang IV gelistet ist, sind im vergangene Jahr mehr als 50 Wölfe erlegt worden.
    Mit freundlichem Gruß

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  4. K. Battefeld

    Die Marderschäden und Wildunfallschäden können Sie beim Gesamtverband der Versicherer nachfragen. Zahlen der Abdeckereien kann Ihnen Ihre Veterinärverwaltung neben, ebenso die jeweilige Zahl der gehaltenen Tiere anhand der Ohrmarken. Die Totgeburtenrate liegt bei Rindern normalerweise bei rund 5% und die Kälbersterblichkeit ebenso bei 5% Siehe Tautenhahn: [Link entfernt, admin.]
    Die erhöhte tatsächliche Sterblichkeit hat die Bundestierärztekammer kritisiert [tieraerztekammer-hamburg.de/files/content/Stellungnahme_Bullenkaelber.pdf]
    Neben Schafen werden auch tote Kälber gerne als angeblich gerissen präsentiert. Bei tierklinischen Untersuchungen stellte sich mehrfachheraus, dass es sich um Sekundärnutzung von Carnivoren an Totgeburten handelte.

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  5. H.Müller

    Sehr geehrte/r K.Battefeld,,

    Ihr Kommentar strotzt leider nur so vor faktisch nicht haltbaren Behauptungen :
    1.”Es ist immer wieder bemerkenswert, wenn bei der Diskussion gerade seitens der Tierhalter unerwähnt bleibt, in welcher Relation die Zahl angeblich gerissener Nutztiere zu der Gesamtzahl der Nutztiere steht, die jährlich in der Abdeckerei landet.”
    Mit diesem “Argument” könnte man auch die gesamte Humanmedizin in Frage stellen. Oder die Sicherheitstechnik in Beruf und Verkehr. Kein Nutztierhalter wird zudem seine Tiere grundlos in die Abdeckerei geben. Hierfür gibt es Gründe. Einer der häufigsten ist, wenn Nutztiere nach intensivmedizinischer Behandlung aufgrund einer Erkrankung nicht mehr zu retten ist und dem Nahrungsmittelkreislauf aufgrund bestehender Gesetze -zu Recht- nicht mehr zugeführt werden darf. Das jedoch ändert an einer Gefahr, die von einem nutztierreißenden Wolf ausgeht, gar nichts.

    2.” Ebenso unerwähnt bleibt gerne, dass es die wenigsten Diskussionen um Wölfe dort gibt, wo es viele in Deutschland bereits ortsfest in Revieren gibt. ”
    Als jemand, der seit Jahren in einem Wolfsgebiet lebt, muss ich Ihnen diese Vorstellung nehmen. Umgehehrt wird wohl eher ein Schuh draus: der Widerstand ist vor allem dort besonders groß, wo Menschen betroffen sind und von Menschen wie Ihnen verhöhnt und der Politik im Stich gelassen werden. Übrigens meines Wissens nach oftmals Menschen, die auf Faktenbasis weitaus intensiver informiert sind, als viele fanatische Wolfsfreunde, die faktenbasierte Diskussionen gerne einmal unter Nutzung rüdester Beschimpfungen abbrechen, ohne auf die Frage nach Belegen auch nur ansatzweise einzugehen.

    3. “Diskussionen auf der Basis von Angstmacherei sind dort besonders groß, wo die Bereitschaft zu einer sachbezogenen Auseinandersetzung besonders gering ist.”
    Siehe unter 2. Beispiele für das emotionalisierte, aggressive, faktenbefreite Verhalten gibt es zwar auf beiden Seiten an den äüßersten Lagern, jedoch ist mir selten ein Wolfskritiker untergekommen, der öffentlich nachlesbar in Traumwelten schwebt, die den Mord an Landwirten, Nutztierhaltern, Jägern und “Wolfshetzern” beinhaltet. Das schlimmste, was ich von der Gegenseite bislang lesen konnte war der Wunsch, dass man doch “solche Traumtänzer mal einige Nächte zur Wolfswache an die Weiden stellen” solle. Viele Kontakte mit Betroffenen zeigen mir in der Praxis, dass dort oftmals eine weitaus intensivere Faktenkenntnis vorhanden ist als auf der Seite der Wolfsbefürworter, die zwar Schlagworte zitieren können, selten aber die dazugehörigen Studien auch gelesen, geschweige denn verstanden haben.

    4. “Fakt ist, dass Weidetierhalter gegenüber Marktfruchbaubetrieben extrem benachteiligt sind und größere Risiken zu tragen haben.”
    Dieser Fakt ist totaler Unsinn, wenn er sich über den Bereich der Gefährdung durch den “Rückkehrer Wolf” hinaus erstreckt. Sie scheinen die Auflagen und Risiken nicht zu kennen, denen auch Marktfruchtbaubetriebe ausgesetzt sind. Warum aber sollte man Marktfruchtbau gegen Nutztierhaltung aufrechnen ? Würden Sie es für legitim halten, wenn Chirurgie gegen Landarzt aufgerechnet würde und damit einer von beiden argumentativ ausgehebelt würde ? Nein ! Beide haben ihren eigenen, separat zu betrachtenden Stellenwert.

    5. “Das ist aber kein Spezifikum von Wölfen, sondern der EU-Agrarförderung. Dort müssen Entlastungen für Tierhalter geschaffen werden.”
    Und wenn der letzte Baum gerodet ist ….. usw. . Wann geht es eigentlich in Köpfe wie den Ihren, dass man gewisse Dinge nicht nur mit Geld ersetzen kann ? Dass Geld nicht eßbar ist ? Wenn einem Schäfer sein Zuchtbock gerissen wird oder die Nachzucht über Jahre ausbleibt und das nicht nur wegen eines Risses, sondern aufgrund der Folgen, die das für die Reproduktionsfähigkeit in den Beständen hat, dann hat das Folgen auf Generationen von Tieren. Das können Sie nicht mit schnöden Agrarsubventionszahlungen ausgleichen. Zahlungen, deren einziger Zweck es mittlerweile ist, Kontrolle über die Landwirtschaft zu erhalten. Nicht nur ich bin vehementer Kritiker der Subsidiarwirtschaft, die in unserer Argrarlandschaft betrieben wird. Auch viele Landwirte würden lieber vom reellen Wert ihrer Produkte leben, als am Gängelband der Agrarsubventionen zu hängen. Fragen wir uns doch bitte, warum aber die Abhängigkeiten immer weiter erhöht werden.

    6. ” Volkswirtschaftlich gesehen sind die tatsächlich nachgewiesenen Schäden (!) – und nicht etwa die vermuteten – zu anderen Schadensereignissen in Relation zu setzen. ”
    Nein, genau das sind sie eben nicht. Mit diesem Argument könnte man auch die “volkswirtschaftlichen Schäden” der Erkrankungen im Kindesalter gegen die aller Menschen hierzulande insgesamt in Relation setzen. Ich hoffe, Sie erkennen die Abstrusität Ihrer Argumentation.

    7. “Wenn wir jährlich rd. 400-500 Mio Euro an Wildschäden in Deutschland haben und selbst die Marderschäden jährlich 50 Mio Euro erreichen, dann frage ich, wo hier der Aufschrei bleibt!?”
    Wildschäden werden in der Regel von den Jägern/Jagdpächtern getragen. Seltsamerweise habe ich dazu von Ihnen auch noch nie einen Aufschrei erlebt. Und um die absolute Unsinnigkeit dieses Argumentes zu verdeutlichen: wieviel Wild und Marder haben wir im Gegensatz zum Wolf in Deutschland ? Abgesehen davon, dass die Wolfspopulation hierzulande derzeit mit einem Faktor von 30-35% steigt und die Schadenszahlen sich entsprechend weiter entwickeln werden.

    8. “Wenn ich mir im Gegenzug die Bestandsentwicklung beim Schalenwild, besonders Schwarzwild, ansehe, frage ich wo hier die Wirkung der Jagd bleibt.”
    Tja, dann fragen Sie doch auch mal, was der Wunsch des Bürgers und der Politik nach nachwachsenden Rohstoffen in dieser Zeit der starken Bestandsentwicklung für die Bestände beim Schwarzwild und den Jagderfolg bedeutete ? Wer hier Zusammenhänge herstellt, sollte schon alle Faktoren mit in die Rechnung einbeziehen.

    9. “Schälschäden in den Wäldern sind gigantisch – und wer tut etwas dagegen?”
    Und ob die durch den Wolf wirklich weniger werden, ist bislang eine reine Arbeitshypothese, deren Richtigkeit sich erst noch herausstellen muss. Es gibt Praktiker und Wissenschaftler, die anmerken, dass durch den Wolf die Rudelbildung und das Raumnutzungsverhalten des Schalenwildes verändert wird und die Schälschäden in den Forstkulturen sogar dort, wo sie auftreten, noch deutlich größer ausfallen könnten. Auf Schutzmaßnahmen vor Fraßschäden wird man jedoch nie komplett verzichten können, womit sich auch die Aufrechnung der Kosten hierfür gegen die Kosten für Wolfsschutzmaßnahmen erübrigt, die so gern ins Feld geführt wird.

    10. “Wer schreit nach einer Verstärkung der Fuchsjagd? Füchse holen bislang bundesweit deutlich mehr Lämmer von der Weide als Wölfe.”
    Einerseits möchte ich von Ihnen an dieser Stelle nun wirklich eine Quelle für die Behauptung, dass Füchse mehr Lämmer von der Weide holen als Wölfe . Vor allem, wenn es sich dabei um völlig gesunde, lebensfähige Lämmer handelt. Andrerseits: wer hat denn grade in NRW dafür gesorgt, dass die Raubwildbejagung auf Fuchs und andere Beutegreifer stark eingeschränkt wurde ? Ja, die Jagdverbände haben dagegen deutlich protestiert. Die Jäger haben “geschrieen”, u.a. auf einer Demo in Düsseldorf. Wenn Sie davon nichts wahrgenommen haben wollen, kann das auch damit zusammen hängen, dass diese Proteste medial eher vernachlässigt wurden oder Sie selbst sie gar nicht zur Kenntnis nehmen wollen.

    11. “Die aktuelle Rechtslage zum Wolf ist eindeutig. Für die reale Gefahrenabwehr ist der Staat zuständig.”
    Die Rechtslage mag eindeutig sein. Allerdings zu Zeiten zementiert, als es hier in weiten Teilen überhaupt keine Großraubtiere gab. Zudem sind vom Menschen gemachte Gesetze und Verordnungen keineswegs unumstößliche Naturgesetze, sondern stetig zu evaluieren und ggf. den geänderten Rahmenbedingungen anzupassen. So, wie es andere Länder in der EU längst tun (siehe Skandinavien, Italien, Frankreich, Spanien, Rumänien, Slowakei, Baltische Staaten).
    Für die Gefahrenabwehr mag der Staat zuständig sein. Aber der Staat hat auch die Pflicht, die Gefahrenabwehr effektiv zu ermöglichen und kann dieses Recht punktuell auch unter Kontrolle und Auflagen auf Dritte übertragen.

    12 “Und Angst und Neid sind schlechte Ratgeber.”
    Richtig. Sehe ich genauso. Aber Polemik und Faktenverdreherhei genauso.

    Mit freundlichen Grüßen
    H. Müller

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  6. Ralf K.

    @ H. Müller:

    Einen Dank auch von mir. Faktenverdrehen können die Wolfbefürworter gut.
    Ich möchte nochmal einen Punkt aufgreifen:
    die Wildschäden, z.B. Schälschäden durch zunehmende Großrudelbildung beim Rotwild, werden erheblich steigen. Da wird sich so mancher noch umgucken.

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  7. K.Battefeld

    Sehr geehrte/r H.Müller,
    Leider vermisse ich Ihre Fakten.
    Zumindest lese ich nur Behauptungen.
    Die Uni Tharandt hat die angebliche Bildung von Angstrudeln untersucht und bislang keine Belege dafür gefunden. Größere Rudel Rotwild bilden sich, wenn mehr Rotwild da ist. Das war schon immer so. Und: Nach einigen Jahrzehnten eigenen Jagdscheins sind mir ruhige Jäger deutlich lieber als schreiende.
    Mit freundlichen Grüßen

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  8. Werner Schönfelder

    @ K.Battefeld
    Gewagt, gewagt, Uni Tharandt und die Bildung von Angstrudeln? Sprechen Sie bitte mal mit betroffenen Jägern aus MV, Sachsen, Brandenburg.
    Gewagt ist Ihre Behauptung zu den “gigantischen Schälschäden im Wald”. Vergleichen Sie mit dem, was die moderne Holzernte zu jeder Jahreszeit an Schäden produziert oder ständige Drückjagden besonders im Januar in den Mittelgebirgen anrichten.

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