Bundestag beschließt besseres Management invasiver Arten

Der Bundestag hat heute Nacht Änderungen von Bundesnatur- und Bundesjagdgesetz beschlossen, um invasive Arten gemäß EU-Vorgaben einzudämmen. Revierinhaber sind erste Ansprechpartner für die Umsetzung dieser öffentlichen Aufgabe (JAWINA berichtete). In Kürze ergänzt die EU ihre verbindliche Liste gebietsfremder Arten um Bisam, Marderhund und Nilgans.

Der Bundestag hat heute Nacht Änderungen von Bundesnaturschutz- und Bundesjagdgesetz beschlossen, mit denen Vorgaben aus der EU-Verordnung zu invasiven gebietsfremden Arten umgesetzt werden sollen. Ziel ist es, deren weitere Ausbreitung einzudämmen. Es wird gesetzlich klargestellt, dass Maßnahmen mit jagdlichen Mitteln im Einvernehmen mit dem Jagdausübungsberechtigten durchgeführt werden müssen. Der DJV begrüßt diese praxisgerechte Umsetzung: So wird sichergestellt, dass sich die Naturschutzbehörde mit dem Jagdausübungsberechtigten abstimmen muss, er bleibt erster Ansprechpartner im Revier, wenn es um die Eindämmung von Waschbär, Marderund und Co. geht. “Die jetzt beschlossenen Regelungen schaffen einen angemessenen Ausgleich zwischen der öffentlichen Aufgabe des Managements, den Fach- und Revierkenntnissen der Jäger vor Ort sowie ihren berechtigten Anliegen”, sagte Professor Jürgen Ellenberger, Präsidiumsmitglied des Deutschen Jagdverbands (DJV). Weitergehende Eingriffe, die das Bundesumweltministerium vorgeschlagen hatte, konnten abgewendet werden.

Die Regelungen betreffen in erste Linie Änderungen im Bundesnaturschutzgesetz, mit denen Behördenbefugnisse und Verfahren geregelt werden. Darüber hinaus gibt es beispielsweise für Zoos und private Tierhaltung künftig Besitz- und Vermarktungsbeschränkungen. Außerdem wird im Bundesjagdgesetz ein neuer § 28a eingeführt, der regelt, wie die Verordnung bei jagdbaren Arten umgesetzt werden soll, nämlich durch die Jagdbehörden nach Abstimmung mit dem Revierinhaber. Der DJV hatte sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass in erster Linie die Revierinhaber für die Umsetzung der Maßnahmen gegen invasive Arten zuständig sind und nur subsidiär die Behörden.

EU erweitert Katalog der invasiven Arten

In Kürze wird die EU die im August 2016 in Kraft getretene “Unionsliste” invasiver Arten, bei denen besonderer Handlungsbedarf besteht, um neun Pflanzen- und drei Tierarten erweitern. Marderhund, Bisam und Nilgans sollen künftig auch unter die Regelungen der EU-Verordnung fallen. Damit sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, die weitere Ausbreitung dieser Arten möglichst zu stoppen.

Der DJV begrüßt die Ergänzung der EU-Liste, hatte er sich doch auf nationaler Ebene in den entsprechenden Fachgremien des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) stets für die Aufnahme der Arten ausgesprochen. Dabei stützt sich der DJV auf die Ergebnisse langjähriger Erhebungen im Rahmen seines Monitoringprogramms WILD (Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands). Den genannten invasiven Arten kommt bei den bundesweiten Erfassungen eine besondere Bedeutung zu, da sie sich immer weiter ausbreiten und aus Gründen des Natur- und Artenschutzes entsprechend bejagt werden müssen.

Tierschutz nicht verhandelbar

Der DJV betont, dass auch bei Managementmaßnahmen gemäß EU-Verordnung der Tierschutz nicht auf der Strecke bleiben darf – ganz so wie es auch die Verordnung selbst vorsieht. Das schließt laut DJV eine Bekämpfung mit allen Mitteln aus . Andererseits müssten Beschränkungen bei der Jagd in Schutzgebieten und bei den Jagdzeiten aufgehoben werden . “Ich halte die Schonzeit für den Waschbär, wie sie zum Beispiel in Hessen 2015 beschlossen wurde, nicht nur für europarechtswidrig, sondern auch für ökologisch fahrlässig”, sagte Professor Ellenberger.

Felle nachhaltig nutzen

Der DJV setzt sich mit dem Projekt “Fellwechsel” für eine bessere Verwertung von tierschutzgerecht gewonnenen Fellen aus nachhaltiger Jagd und Artenschutzprojekten ein. Gerade in Schutzgebieten wurde bislang häufig die Raubwildbejagung vernachlässigt – mit unbeabsichtigten aber vorhersehbaren Folgen gerade für schutzbedürftige bodenbrütende Vogelarten. Fellwechsel ist ein Angebot an den Natur- und Artenschutz, das Thema konsumtive Nutzung ernst zu nehmen und Produkte mit hervorragender Ökobilanz zu erzeugen. „Fell statt Faserpelz“ ist ökologisch betrachtet die eindeutig bessere Wahl.

Beitragsbild: Invasive Arten wie der Waschbär breiten sich immer weiter aus und müssen aus Gründen des Natur- und Artenschutzes entsprechend bejagt werden. WILD (Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands) erfasst seit Jahren Bestände und Vorkommen vieler Wildtierarten. Quelle: Seifert

3 Gedanken zu „Bundestag beschließt besseres Management invasiver Arten

  1. S.F.

    Offensichtlich ist das noch nicht bis Hessen vorgedrungen, denn dort wird noch weiterhin der größte Unsinn von der CDU und den Grünen verzapft.

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  2. Jochen

    Ich höre die Worte zwar, allein mir fehlt der Glaube! Solange es BL gibt, in denen invasive Arten ausufernde Schonzeiten haben und man sich daran macht, bestimmte Jagdarten, wie die Fangjagd, verbieten zu wollen, kann ich da keinen echten Willen dahinter erkennen. Ich habe sowieso den Eindruck, das Thema invasive Arten in Deutschland, spielt bei den politischen Entscheidungsträgern überhaupt keine Rolle und es fehlt jeglicher Wille effektiv dagegen vorzugehen. Dabei gilt in Berlin doch jeder Befehl aus Brüssel, normalerweise soviel, als käme er direkt vom Berg Sinai?

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  3. K.J.

    Man richtet sich in Deutschland danach, wie es einem gerade passend ist -da spielt dann auch die EU keine Rolle. Möchte man aber schnell was verbieten und man kann sich ggf.auf die geringste Verordnung der EU berufen, macht man es. Große “Experten” sind darin besonders die Grünen und auch die SPD. Nun haben wir ausgerechnet von der SPD auch noch einen, der selbst noch vor kurzer Zeit ein EU -Experte war und jetzt Kanzler werden will. Geht es dann um Dinge die für Deutschland nicht so anwendbar sind, lautet es: Laut EU-Vorschrift, EU- Verordnung oder EU- Gesetz. Wen verwundert es da, wenn viele Bürger unseres Landes oder anderer Länder damit nicht immer einverstanden sind. Es macht sicherlich einen Sinn, wenn in Europa eine Zusammenarbeit und ein Zusammenhalt der Länder erfolgt und auch durch Bestimmungen geregelt ist, man sollte es aber nicht damit übertreiben. Hier dürfen sich insbesondere dann auch nicht unsere großen sogenannten Volksparteien wunder, wenn der Wähler aus Protest eine andere Partei wählt, welche ein Gegner vieler EU-Bestimmungen ist – was in einer Demokratie ja schließlich nicht verboten ist.

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