Bündnis für Wald und Wild: Petition fordert “Trennung von Forst und Jagd”

Das Bündnis für Wald und Wild (BWW) hat gestern (19.06.) eine deutschlandweite Petition “zum Schutz der heimischen Wildtiere” gestartet. Das BWW ist seinem Selbstbild zufolge ein “Verein zum Schutz des Wildes, der traditionellen Jagd und des Waldes” und sieht sich “als Anwalt für Wald und Wild.” Im Petitionstext wird die durch die Föderalismusreform 2006 geschaffene Abweichungsgesetzgebung kritisiert, die es den Ländern ermöglicht, Bestimmungen des Bundesjagdgesetzes durch Landesjagdgesetze auszuhebeln: “Die Länder machten und machen von ihrer neuen Befugnis regen Gebrauch”, so die Petenten. Oberflächlich werde das Ansinnen verbreitet, dass durch die Neufassung der Landesjagdgesetze das Jagdwesen in ein zeitgemäßes Jagd- und Wildmanagement überführt werde. Setze man sich mit der Realität jedoch etwas näher auseinander, so werde “überaus deutlich, dass die Forstbehörden als treibende Kraft im Hintergrund kräftig die Fäden ziehen und sich einen Freibrief für ihre Machenschaften zur Abschlachtung und Vernichtung des Wildes und zur Maximierung des Ertrages aus der Waldwirtschaft ausstellen wollen”, behauptet das BWW.

Das BWW fordert deshalb:

“Trennung von Forst und Jagd

Gleichberechtigte Bewirtschaftung allen Schalenwildes nach Geschlechterverhältnis und Altersklassen im Rahmen von Abschussplänen

Gesetzespflicht zur Mitgliedschaft in Wild- Hegegemeinschaften

Alle Wildarten gehören ins Jagdrecht, Wild- Haustierbastarde sind der Wildbahn zu entnehmen

Wild ist herrenlos, das bedingt in der hochindustialisierten Kulturlandschaft die Abschaffung der Wildschadensersatzverpflichtung für Jagdpächter und Jagdgenossen.”

Zur Begründung heißt es:

“1)  Wir brauchen eine klare Trennung und verwaltungstechnische Abgrenzung zwischen Forst- und Jagdwirtschaft. Die Monopolstellung, die sich die Landesforstverwaltungen in den Landesjagdgesetzen gesichert haben, ist zu beseitigen. Unter dem Dach der Hegegemeinschaft müssen alle Reviereigner/ -Verwalter gleich gestellt werden. Die Sinnbilder des Durchschnittsbürgers, dass der Förster der kompetente Jäger und das Forstamt die jagdliche Kompetenzbehörde ist, sind nicht mehr zeitgemäß. Die Förster haben keine andere Jagdprüfung abgelegt und somit auch keine höhere fachliche Qualifikation in jagdlichen Belangen, als alle anderen Jagdscheininhaber der Bundesrepublik Deutschland. Somit haben die Förster- wie alle anderen Jäger auch – die Verpflichtung zur Hege, zu übernehmen. Dieser Verpflichtung können sie sich entziehen, wenn sie in die Lage versetzt werden, dass nur sie die Art und Weise der Jagdausübung bestimmen.

2)  Die Jagd auf Schalenwild (außer Schwarzwild) ist generell aufgrund von Abschussplänen – basierend auf Geschlecht und Altersklassen – zu regeln. Durch sie wird der Wildbestand in einer Region erfasst und gesteuert. Ungerechtfertigte Überschreitungen der vorgegebenen Zahlen und die Verletzung des Muttertierschutzes sind zu verfolgen.

3)  Die Hegegemeinschaften sind als verpflichtender Zusammenschluss aller an der Wildbewirtschaftung beteiligter Personen und Institutionen in den Ländergesetzen festzuschreiben. Den Hegegemeinschaften ist der Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts zuzuerkennen. Hegegemeinschaften sollen in den politischen Grenzen der Landkreise der Länder gebildet werden und ausschließlich der Rechtsaufsicht durch die Unteren Jagdbehörden der Landkreise unterliegen. Durch die Jagdbeiräte der Unteren Jagdbehörden ist der Einfluss der Flächenbewirtschafter und Grundeigentümer auf die Wildbejagung sichergestellt. Schalenwildbestände sind nur revierübergreifend zu bewirtschaften. Deshalb braucht es die Hegegemeinschaft. Immer öfter entziehen sich einzelne Revierinhaber/ -Verwalter dieser Institution oder arbeiten ihr entgegen. Dies betrifft besonders die Landesforstverwaltungen. Werden sie aus der Verpflichtung zur Mitarbeit in den Hegegemeinschaften herausgenommen, können sie nach eigenem Ermessen schalten und walten: Das Wild wird ihnen ausgeliefert!

4)  Die Jagdgesetzgebung in Deutschland ist gleichzeitig auch die älteste Naturschutzgesetzgebung. Alle Wildarten sollten auch dem Jagdgesetz – ggf. aber ohne Jagdzeit – unterliegen. Alles andere schwächt den Schutzstatus dieser Tierarten, da die Jäger aus ihrer Verpflichtung diese Arten und ihre Lebensräume zu schützen, entlassen werden. Jäger sind anerkannte Naturschützer, keine Schädlingsbekämpfer!

5)  Wild ist herrenlos. Erst mit der Inbesitznahme nach der Erlegung erwirbt der Jäger Eigentum am Wild. Dennoch muss die Jagdgenossenschaft und ggf. in der weiteren Folge der Jagdpächter für entstandenen Wildschaden aufkommen. Dies gilt unabhängig davon, ob der Wildschaden in falscher Bejagung, Wildbeunruhigung z.B. durch Tourismus oder in der schlichten Unbejagbarkeit der heutigen Agrarsteppen begründet ist. Zur Regulierung von Wildschäden sind gerechtere Modelle zu schaffen. Durch die gegenwärtigen Wildschadensregelungen sind bereits zahlreiche Reviere unverpachtbar geworden.”

Die Sammlung von Unterschriften für die Petition läuft zwölf Monate. red.

Beitragsbild: Petition “zum Schutz der heimischen Wildtiere” auf www.openpetition.de (Screenshot, Ausschnitt).

 

2 Gedanken zu „Bündnis für Wald und Wild: Petition fordert “Trennung von Forst und Jagd”

  1. Möser, Peter

    Zurück zu den alten Jagd und Schonzeiten, Reh – & Rotwild.
    Schonzeit für mitteljähriges männliches Schwarzwild

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