Bücher: Dreimal Wilderei

Horst Eberhöfer, Der Wilderer im Nationalpark

Umschlag_EberhoeferIm 53 000 Hektar großen Nationalpark Stilfserjoch herrscht seit 1983 Jagdverbot. Und weil das Südtiroler Reviersystem das Jagdrecht an den Wohnort koppelt, dürfen die Menschen dort keine Jäger sein. Das fanden die ungerecht. Auch wollten die Bergler nicht zuschauen, wie die explosionsartig anwachsenden Rotwildbestände den für den Lawinenschutz wichtigen Bannwald kahlfraßen. So wurde der Nationalpark zu einer Hochburg der Wilderei. Ob Horst Eberhöfer so gute Gründe brauchte, ist indes fraglich, er wäre wohl ohnehin Wilderer geworden. Denn eigentlich, meint Eberhöfer, wäre der „gewöhnliche, zivilisierte Jäger“ viel lieber Wilderer, in dem noch „die Leidenschaft des Steinzeitmenschen“ am Werk sei. Mit geradezu steinzeitlicher Leidenschaft ist auch Eberhöfers Buch geschrieben. Er schildert, wie ihn sein Jagdtrieb weder arbeiten, noch schlafen lässt, wie Wilderei zur Sucht wird, wie ihn die Lust am Risiko dazu bringt, den dicksten Hirsch unter den Augen der Carabinieri zu schießen. Doch er verschweigt auch die Gefahren nicht: Die Hausdurchsuchungen, Verfolgungsjagden und Gefängnisaufenthalte ebenso wenig, wie Selbstekel und schlechtes Gewissen, die ihn befallen, wenn er „blind tötet“, statt zu jagen. Ein packendes Buch, das man in einem Zug durchliest.

143 Seiten, 18,50 Euro, ISBN 88-88118-16-0, Provinz Verlag w www.provinz-verlag.com

Willi Senft, Lumpen und Helden

Willi Senft erzählt ein absonderliches Kapitel der Weltgeschichte: Die Zwangsverpflichtung verurteilter Wildschützen zum „Wilddieb-Kommando-Oranienburg“, einer für ihre außerordentliche Grausamkeit und Brutalität berüchtigten Sondereinheit der Waffen-SS. Senft schildert zunächst die Jugend seines Helden als „Wildbratler“ und „Holzknecht im Salzkammergut“ bis zur Verurteilung. Kommt der erste Teil noch arg betulich, volkstümlich-mundartlich daher, so stellt die blasse, nüchtern sachliche Schilderung der Vorkommnisse beim „Sonderkommando Dirlewanger“ demgegenüber einen merklichen Stilbruch dar. Seitenweise zitiert Senft aus einem Sachbuch über die SS-Sondereinheit: Es wirkt wie das Eingeständnis seines Unvermögens, den grausigen Stoff zu bewältigen. Die Synthese aus Heimatroman und Weltkriegsschocker ergibt eine unverdauliche Mischung. Das Bestreben des Autors, seinen Helden in der mit Massenerschießungen, Folterungen, Plünderungen, Vergewaltigungen und Verbrechen an Kindern betrauten SS-Einheit „sauber“ zu halten, erscheint so unpassend wie unglaubwürdig. SE

 303 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-902540-77-5, Freya Verlag, Linz

Hella Huber, Jennerweins Erbe

Huber_Jennerwein_kleinHella Huber erzählt die Geschichte „aus einer anderen“ Perspektive: Aus der Sicht der Wildererfrau, die mit den Kindern halb tot vor Angst zu Hause sitzt und sich fragt: Ist er abgestürzt? Totgeschossen? Im Knast? Deshalb gehört das Buch zur Wilderer-Thematik einfach dazu. Die Ich-Erzählerin, als uneheliches Kind im tiefsten Bayern aufgewachsen, musste früh die Schule verlassen, durfte nichts lernen und ist mit einem entsprechend dürftigen Selbstwertgefühl ausgestattet. Kein Wunder, dass sie dem Charme des charismatischen Wilderers erliegt. Der beutet sie nach Strich und Faden aus, benutzt die Familie als Deckung und Tarnung, macht, um für alle Fälle etwas gegen sie in der Hand zu haben, Nacktaufnahmen seiner Frau, die er gewohnheitsmäßig betrügt. Doch gegen alle Widerstände gelingt es der Protagonistin, zu einem „selbstbewussten und selbstbestimmten Leben“ zu finden. So erzählt Hella Huber eine erbauliche Emanzipationsgeschichte, auch wenn der Roman sicherlich nicht zu den literarischen Spitzengewächsen zählt. SE

175 Seiten, 12,80 Euro, ISBN 978-3-8370-4900-8, Books on Demand, Norderstedt  www.bod.de