Braune deutsche Vogelmutter

Die taz setzt sich in einem lesenswerten Beitrag mit der Vergangenheit des Nabu auseinander, der Nachfolgeorganisation des “Reichsbunds für Vogelschutz.” Konkret geht es um dessen Gründerin, die “deutsche Vogelmutter” Lina Hähnle, die zwar kein NSDAP-Mitglied war, aber der taz zufolge bereits 1933 ein “sieghaftes Heil” auf “unseren Volkskanzler” ausbrachte, “der die Deutschen aus der Verbundenheit mit der Natur heraus gesunden lassen” wolle. “1934 erfolgt beim BfV eine Satzungsänderung, nach der nur „deutsche Staatsbürger und Menschen artverwandten Blutes“ Mitglieder werden durften. Juden waren ausgeschlossen”, schreibt die taz.

Den Nabu ficht die braune Vergangenheit dieser “Identifikationsfigur” offenbar nicht an: Auf seiner Webseite preist der Nabu die “Nabu-Gründerin” als “Vogelmutter mit Courage.” Auf der Website des Nabu werde “Hähnles “karitatives Engagement” herausgestellt und der fortschrittliche Geist der Hähnles” erwähnt”, kritisiert die taz: “Die Rolle der Hähnles während der NS-Zeit wird im Porträt auf der Website” hingegen nicht erwähnt.

Der von der taz zitierte Historiker Nils Franke stellt klar: Lina Hähnle “unterstützte den Nationalsozialismus und profitierte von ihm bewusst.” Dennoch wird sie nicht nur vom Nabu als Vorbild propagiert. Straßen und Schulen sind nach der zweifelhaften Vogelschützerin benannt, und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks lobte, wie die taz berichtet” den Nabu und den Bund für Vogelschutz als “Vorreiter beim Thema Frauen in Führungspositionen”. SE

Beitragsbild: Porträt Lina Hähnles auf der Nabu-Internetseite (Bildschirmfoto, Ausschnitt).

6 Gedanken zu „Braune deutsche Vogelmutter

  1. Hans Peter

    Das erste Naturschutzgesetz stammt ja bekanntlich auch aus der Zeit des 3. Reichs, was viele sogn. Naturschützer auch nicht gerne hören wollen.

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      1. admin Beitragsautor

        Unwahrheiten werden auch durch häufige Wiederholung nicht wahrer: Das Reichsjagdgesetz geht auf die in der Frankfurter Nationalversammlung 1848 beschlossenen deutschen Grundrechte und das preußische Jagdgesetz von 1904 zurück, das von zwei sozialdemokratischen Abgeordneten (Otto Braun und Ulrich Scherping) 1929 zur Preußischen Tier- und Pflanzenschutzverordnung erweitert wurde. Dies ist die Grundlage des Bundesjagdgesetzes. 1934 wurde die Verordnung (erweitert um eine mit Nazi-Ideologie durchsetzte Präambel) von Göring nahezu unverändert als Reichsjagdgesetz übernommen. Nachzulesen auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesjagdgesetz#Zur_Geschichte
        SE

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  2. MH

    Die Information an sich ist ja nichts Neues, aber daß die taz darüber schreibt?! Donnerwetter. Wie soll der NABU-Anhänger das jetzt kommentieren? “Es war ja nicht alles schlecht damals” oder “Wir haben nichts gewußt”? Vielleicht unterbleibt in Zukunft ja die gebetsmühlenartig wiederholte Formel “Jagdgesetz = Nazigesetz” und die daraus abgeleitete Diffamierung “Jäger = Nazi”.

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  3. RK

    Interessant. Viele heutige dogmatische Hetzer erinnern sehr an die Gepflogenheiten “damals” (III. Reich & DDR). Hoffentlich sind wir nicht bald in der Diktatur 3.0…

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  4. Frank M

    Seht’s doch mal rein publizistisch – dass wir nun in Gestalt eines TAZ-Beitrags eine vollkommen unverdäachtige Steilvorlage für die vom NABU ewig perpetuierten dümmlichen Vorhaltungen bezüglich der Naziherkunft unseres Jagdgesetzes haben, ist doch ein Segen!

    Also, wenn das nächste mal irgendso ein NABU-Fuzzi wieder mit den Bildern ‘unseres’ Reichsjägermeisters’ Stimmung gegen Jagd und Jäger macht, haben wir eine schöne Antwort parat – und können auf eine gänzlich unverdächtige Quelle verweisen.

    Sicher nicht dumm ist es, mal die Website, auf der die ‘braune Vogelmama’ unter Ausblendung ihrer historischen Belastung offline zu speichern. Denn ich kann mir kaum vorstellen, dass der NABU nach dem TAZ-Beitrag auf Dauer so dämlich sein wird, die Darstellung unverändert zu lassen. Eine kleine – zum lokalen Ausdruck abgespeicherte – htm-Datei plus ein nettes PDF vom TAZ-Bericht – und schon können wir dem Vorhalt unserer ‘braunen Genese’ künftig nicht nur ‘langweiligen Historikerkram’ entgegenschleudern, sondern einfach zum Erstaunen des Publikums zwei Dokumente auf den Tisch legen mit der Entgegnung: ‘Statt historische Unkorrektheiten ohne Antritt schlüssiger Beweise vorzulegen, kehren Sie in Sachen braune Wurzeln und deren Geschichtsklitterung doch lieber mal vor der eigenen Tür.’ Chapeau!

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