Brandenburg: Zwischen Schäfer, Bauernbund und Nabu fliegen die Fetzen

Bauernbund: Rufmord an Schäfer durch den NABU, Mithilfe des Landes Brandenburg

Ausgangspunkt des Streits ist ein vermutlicher bzw. je nach Sichtweise angeblicher Wolfsriss bei dem Schäfer Marc Mennle, der bei Lenzen in der Prignitz 350 Mutterschafe hält. Drei seiner Schafe sind trotz Herdenschutzhunden und Stromzäunen bei zwei Rissvorfällen getötet worden – von einem Wolf, wie Mennle meint. Kehlbisse und aufgerissene Bauchdecken seien unverkennbar, erklärt der Schäfer gegenüber den Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN). Mennle verständigte den offiziellen Rissgutachter Wolfgang Schanz. Dieser will jedoch nur in einem Fall Wölfe “als Verursacher nicht ausschließen”, wie die offizielle Formulierung lautet. In dem anderen Fall erhebt er laut PNN schwer wiegende Vorwürfe gegen den Schäfer: Es seien keine Schleifspuren am Boden zu erkennen, “der Übergriff sei spät gemeldet worden und vom Kadaver seien trotz der Anwesenheit vieler Herdenhunde große Teile genutzt worden.” Der Verdacht liege nahe, dass Mennle den Wolfsriss nur vorgetäuscht habe. “Rufmord an einem Schäfer durch den Nabu” sei das, empört sich der Bauernbund Brandenburg. Doch es geht um mehr als um den Ruf des Schäfers und die Entschädigung für gerissene Schafe – hätte ein Wolf zweimal Schafe gerissen, so könnte er nach der Brandenburger Wolfsverordnung “entnommen”, also abgeschossen werden. Ein Präzedenzfall, den es zu verhindern gilt? Dies dürfte durchaus im Interesse des Nabu liegen, der dem Schäfer unzureichenden Herdenschutz vorwirft – und Rissgutachter Wolfgang Schanz ist zugleich “Nabu-Wolfsbotschafter”.

Schäfer Mennle wirft dem Gutachter vor, falsche Angaben gemacht zu haben und unterstellt ihm wegen seiner Tätigkeit für den Nabu mangelnde Neutralität. Er wittert einen Interessenkonflikt, schreiben die PNN. Davon könne keine Rede sein, attestiert das Brandenburger Landesamt für Umwelt dem Gutachter: Schanz agiere sehr professionell, ein Interessenkonflikt sei “nicht zu erkennen”. Welche Aussagekraft diesem Blanko-Leumundszeugnis der Behörde zuzumessen ist, sei einmal dahingestellt – angesichts der zahlreichen personellen, ideologischen und finanziellen Verflechtungen zwischen Umwelt- und Naturschutzbehörden einerseits und Naturschutzverbänden andererseits kann man durchaus in Zweifel ziehen, ob die Neutralität staatlicher Stellen auf diesem Gebiet stets gewährleistet ist.

Der Nabu wirft dem Geschäftsführer des Bauernbunds Brandenburg vor, “sich inzwischen ganz der Hetzkampagne gegen den Wolf verschrieben” zu haben und irgendwie auch mit Schäfer Mennle bei der Konstruktion eines Wolfsentnahme-Präzedenzfalls unter einer Decke zu stecken: Es sei “schon auffällig, dass der Schäfer Marc Mennle den Bauernbund und die Presse eher informiere als die Behörde und den Schafzuchtverband, und beide, Jung und Mennle in der Prignitz arbeiten“, erklärt Christiane Schröder, Landesgeschäftsführerin des NABU Brandenburg in einer Pressemitteilung des Nabu. Oha, beide arbeiten in der Prignitz – verdächtig, verdächtig. Der Nabu begibt sich mit seinen Anschuldigungen und Unterstellungen hier auf ein Niveau, das einer seriösen Naturschutzorganisation unwürdig ist.

Reinhard Jung erklärt zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen: “Der Nabu Brandenburg hat mir gestern in einer Pressemitteilung vorgeworfen, ich hätte mich „ganz der Hetzkampagne gegen den Wolf verschrieben“. Unter http://www.wolfsfreiezone.de können Sie selber beurteilen, was der NABU unter „Hetze“ versteht. Was meine Person betrifft, so muss ich auf diesen Vorwurf nicht weiter eingehen.

In derselben Pressemitteilung verleumdet der NABU allerdings ein Mitglied von uns, den Schäfer Marc Mennle aus Lenzen in der Prignitz, indem er unterstellt, dieser habe bei den Wolfsangriffen vom 29. und 30. Juli 1.) seine Herde nicht ausreichend geschützt und 2.) einen von zwei Wolfsangriffen auf seine Herde nur vorgetäuscht.

Dazu erklärt der Bauernbund Brandenburg: 1.) Uns liegt ein Schreiben des Landesamtes für Umwelt vom 3. August vor, das Marc Mennle bescheinigt, dass bei seiner Herde die in Brandenburg geltenden Mindeststandards für Herdenschutz eingehalten waren. Der NABU sagt also die Unwahrheit, was wir beweisen können. 2.) Marc Mennle hat mir persönlich versichert, dass er den Wolfsangriff nicht vorgetäuscht hat, und es gibt auch keinen nachvollziehbaren Grund, weshalb er das getan haben sollte, es sei denn, er hätte das Schaf (Anlage 2) selber gegessen. Der NABU bezichtigt Marc Mennle also einer vorsätzlichen Täuschung, kann dies aber nicht beweisen. Soviel vorab zum Umgang des NABU mit der Wahrheit.

Der eigentliche Skandal aber ist die Tatsache, dass der im Auftrag des Landes Brandenburg tätige Rissgutachter Uwe Schanz, der Marc Mennle und anderen geschädigten Weidetierhaltern als hoheitliche Instanz gegenübertritt, sich gleichzeitig beim NABU Brandenburg als “Wolfsbotschafter” engagiert, in dem Konflikt zwischen Naturschutzverbänden und Weidetierhaltern also eindeutig auf der Seite der Naturschutzverbände steht. Eine objektive Begutachtung ist aufgrund dieser Parteinahme zwar theoretisch möglich, allerdings praktisch schwer vorstellbar. Eine ähnliche Situation bestand bereits 2017 mit dem Rissgutachter Kay-Uwe Hartlep, Mitglied im “Fachausschuss Säugetierkunde” des NABU Brandenburg, dessen Parteinahme so weit ging, dass er einen kritischen taz-Journalisten auf facebook angepöbelt hat. Von Hartlep hat sich das Land auf unsere Intervention hin inzwischen getrennt. All dies wirft ein bezeichnendes Licht auf das derzeitige Unvermögen des Landes, zu vernünftigen Lösungen im Wolfsmanagement zu kommen.”

Beitragsbild: Gerissenes Schaf in Lenzen. Quelle: Bauernbund Brandenburg

 

 

7 Gedanken zu „Brandenburg: Zwischen Schäfer, Bauernbund und Nabu fliegen die Fetzen

  1. Grimbart

    Die Objektivität des Gutachters bescheinigt wer? Die Behörde für die der Gutachter arbeitet. Mag ein jeder sich seinen Teil denken.

    Antworten
  2. A. Scholz

    Die meisten Rissgutachter sind pro Wölfe.
    Für mich die einzig logische Erklärung, warum ausgerechnet in Wolfsrevieren ständig das DNA-Ergebnis HUND herauskommt.
    Oder – wie inzwischen auch immer lauter ausgesprochen – die Wölfe in Wahrheit Bastarde mit hohem Hundeanteil sind.
    Dass das Senckenberginstitut wolfs- und nabufreundlich ist, ist ja kein Geheimnis.
    Sehr gut, dass an deren Kompetenz und Loyalität gerade richtig gerüttelt wird (siehe Naturfreunde Goldenstedt).
    Immer mehr bekommt man den Verdacht, dass das Projekt Wölfe in Deutschland eine riesengroße Lüge ist, in dem Bastarde als Wölfe deklariert wurden/werden und nun verzweifelt alles daran gesetzt wird, dass das nicht herauskommt.

    Denn das wäre vorsätzlicher Betrug am Staat, an Betroffene. Und ein Verstoß gegen das Artenschutzgesetz.

    Antworten
  3. Annegret Sproesser

    Den NABU habe ich auch einmal für eine seriöse Organisation gehalten. Seit ich mich mit dem Thema Wolf beschäftige weicht dieser Glaube beweisbarer, gegenteiliger Einsicht.

    Um was es hier geht, sind nicht ein paar Hundert Euro Entschädigung oder 2 fehlende Zentimetr Zaunhöhe. Es geht darum die Wolfsverordnung umzusetzen, und den ersten Wolf nach dieser Verordung zu “entnehmen” auf deutsch abzuschießen. Das muss aus NABU-Sicht unbedingt verhindert werden. Wo kommen wir denn da hin, wenn das goldene Kalb des NABU plätzlich zu einem ordinären Wildtier mutiert?

    Antworten
  4. Klaus Wieben

    Der hiesige Wolfsbeauftragte Schanz hat nicht die persönliche Eignung zu einem unabhängigen Sachverständigen. Dies beweist er im Umgang mit Betroffenen in Steinberg, durch seine private Hundehaltung und seine Einträge bei Facebook

    Antworten
  5. Dr.med.Thomas Vahldieck

    Das Vertrauen in Politiker-Kompetenz ist vielerorts erheblich gestört.
    Beim Gerangel um die unnotwendige Wiederbesiedlung Mitteleuropas durch große Beutegreifer, hier speziell durch den Wolf, geraten Politik und Behörden als Ausfürungsgehilfen nicht-staatlicher, profitorientierter Naturschutzvereine zunehmend ins Zwielicht.
    Dadurch wird aus meiner Sicht durch emotional gesteuerte Vorgehensweisen in höchstem Maße das Wohl und die Gesundheit von Menschen gefährdet.
    Der freie Zugang und die freie Nutzung der durch jahrzehntelange Pflege geformten Kulturlandschaft, der Erholungswert, die Vielfalt von Flora und Fauna und vieles mehr werden jetzt zusätzlich zu den üblichen Umweltbelastungen durch sinnlose Förderung einer Spezies, die in keiner Weise in ihrem Bestand bedroht ist, massiv beeinträchtigt und gefährdet.
    Die Sachverhalte, die gegen die unregulierte Ausbreitung des Wolfes sprechen, sind wissenschaftlich begründet. Die diesbezüglichen politischen Entscheidungen müssen in der Sache begründet und mutig sein! Die Bundespolitik ist gefordert. Hier ist eine klare Entscheidung im Sinne der bedrohten Landbevölkerung, der bedrohten Weidetierhaltung unserer bedrohten Natur und zugunsten unserer Kultur auch entgegen einer populistischen Stimmungsmache zu fällen.

    Antworten
  6. Cedrik

    Es war ein Wolf – es war kein Wolf. Am sichersten ist nach wie vor die genetische Analyse. Siehe beispielsweise:

    https://www.mdr.de/sachsen/bautzen/goerlitz-weisswasser-zittau/wolfsmonitoring-interview-ilka-reinhardt-100.html

    Gerade in diesem Fall ist eine eindeutige Klärung notwendig.
    Wurden denn genetisches Material an den Schafen entnommen? Wenn nicht, weshalb? (Da der Wolf in Sachsen ins Jagdrecht aufgenommen wurde sind die als Rissgutachter augebildeten Jäger fürs Rissgutachten am Wild zuständig. Es gibt strikte Trennung zwischen der Begutachtung der Risse am Wild und der Begutachtung der Risse an den Nutztieten – Weidetieren. Häufig ist es jedoch so das die Jäger verdächtige Risse der Statistik der Verkehrsufälle zuordnen, da die Rückinformationen über genetische Proben vom Wild ausbleiben.)

    Antworten
  7. MH

    Die Ausgangsfrage ist ja mittlerweile tatsächlich, wie sehr man den DNA-Untersuchungen vertrauen kann. Und diese Zweifel werden immer mehr, je mehr man in fraglichen Situationen stereotyp die gleichen Antworten hört: “Hund” oder “nicht auswertbar”.

    Einerseits wird die Erlaubnis zum Abschuß wildernder Hunde mit dem Hinweis, daß es solche nicht gibt, aus den Jagdgesetzen gestrichen, andererseits ist so oft angeblich ein Hund derjenige, der als Verursacher für die getöteten Nutztiere herhalten muß, daß einem durchaus Zweifel kommen, wieviele (große!) Hunde dafür draußen so herumstreichen müßten, und vor allem auch, wie plötzlich sie das tun. Denn in den vergangen Jahren kamen doch recht wenige Berichte über Nutztierrisse durch Hunde in die Medien.

    Ein zuletzt oft geäußerter Gedanke: Wieviel Hunde-DNA ist in “unseren” Wölfen (inzwischen?) vorhanden?

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.